Schicksal, na und?

In diesem Leben hat jeder sein Päckchen zu tragen. Erst das menschliche Miteinander, die gegenseitige Anteilnahme machen Schicksal erträglich. Vom Wert der Freundschaft, und sei sie noch so ungewöhnlich, handelt auch „Auf das Leben!“ und beruht dabei in Teilen auf einer wahren Geschichte. Es sind die Kindheitserinnerungen von Maria Brauner, der Frau des großen Filmproduzenten Atze Brauner. Ihre gemeinsame Tochter, Produzentin Alice Brauner, hat aus der tragischen Geschichte ihrer Mutter, die das KZ überlebte, einen Film gemacht, der nicht nur jüdische Vergangenheit aufarbeitet, sondern auch von der Verzweiflung jüngerer Generationen erzählt.

"Auf das Leben!" basiert auf einer wahren Geschichte.

 

Ruth (Hannelore Elsner), 84 Jahre alt, hat viel durchgemacht. Und trotzdem steht sie im Leben, nicht auf festen Füßen, eher auf schwankenden, aber immerhin. Ihr schweres Schicksal, geprägt von Drittem Reich und traumatischen Erfahrungen im Konzentrationslager, hat sie verbittert. Und doch scheint bei all ihrem aufmüpfigen Sarkasmus hin und wieder ihre Menschlichkeit durch. Als sie, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann, aus ihrer Wohnung geworfen wird und sie in einen lieblosen, anonymen Wohnblock umziehen muss, unternimmt sie einen Selbstmordversuch. Möbelpacker Jonas (Max Riemelt), der ihr beim Umzug geholfen hat, kommt ihr erneut zu Hilfe und bringt sie ins Krankenhaus.

 

Nach anfänglicher Abneigung entwickelt sich zwischen den beiden eine zärtliche, ganz besondere Freundschaft. Denn auch Jonas trägt eine große Last: Er weiß, dass er unheilbar krank ist. Es ist die Angst vor dem Leben, vor der Zukunft, und dem, was sie bringt, die beide, Ruth und Jonas, verbindet. Ihr Altersunterschied und ihre unterschiedlichen Geschichten haben keine Bedeutung für diese Generationen übergreifende Schicksalsgemeinschaft.

Freunde, für den Rest des Lebens: Ruth (Hannelore Elsner) und Jonas (Max Riemelt).

 

Max Riemelt ist hier in einer Doppelrolle zu sehen: In den Rückblenden, die harmonisch mit der Gegenwartshandlung verquickt sind, spielt er zugleich Ruths früheren Verlobten Victor. Die Rolle der jungen Ruth hat Alice Brauners Cousine Sharon Brauner übernommen, die im Milieu der 70er-Jahre bravourös und mitreißend ihre jiddischen Lieder singt. Und auch Hannelore Elsner wird im Film noch ihr Gesangstalent unter Beweis stellen – eine Premiere für die gestandene Schauspielerin!

 

Trotz der ausgesuchten Besetzung – in Nebenrollen agieren Andreas Schmidt, Aylin Tezel und Mathieu Carrière – hat man als Zuschauer das Gefühl, dass die Akteure nicht ganz in ihrer Rolle sind, manche Szenen und Dialoge wirken gespielt. Was schade ist und Distanz zu den Figuren schafft. Immerhin hat Regisseur Uwe Janson aus dem Stoff keine todtraurige Tragikomödie gemacht, sondern einen humorvollen und positiven Film, der aber dem Vergleich mit „Harold & Maude“ nicht standhalten wird.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © 2013 Julia Terjung / Camino Filmverleih
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Camino
Laufzeit: 90 Min.