Meine teuflischen Nachbarn

Ist mit Anfang 30 das Leben schon zu Ende? An ausschweifende Partynächte haben Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) seit der Geburt ihres Töchterchens Stella lange nicht mehr gedacht – zu groß ist die Verantwortung einem kleinen Kind gegenüber. Bald zieht ins Nachbarhaus eine Studentenverbindung, deren Präsident Teddy (Zac Efron) ein Feierbiest sondergleichen ist und der sich durch übertriebene Exzesse einen Platz in der Ruhmeshalle der Ehemaligen verdienen möchte. Zwar wollen die Radners keine uncoolen Spielverderber sein, aber nach einer weiteren schlaflosen Nacht sieht sich das Pärchen gezwungen, die Polizei zu rufen.

Der in seinem Stolz verletzte Teddy bricht in „Bad Neighbors“ daraufhin einen Nachbarschaftskrieg mit Mac und Kelly vom Zaun, der in einem völligen Chaos ausartet. Leider hat Regisseur Nicholas Stoller vergessen, ein paar gute Gags einzubauen.

Kelly (Rose Byrne) und Mac (Seth Rogen) sind nicht sonderlich erfreut, dass ihre neuen Nachbarn feierwütige Studenten sind.

 

Dabei ist die als Partyfilm getarnte Coming-of-Age-Handlung alles andere als schlecht. So wirft der Film die Frage auf, was die Jugend nach abgeschlossener Ausbildung zu erwarten hat und wie sie dem Druck der Gesellschaft in Zukunft standhalten soll. Konterkariert werden die gut gemeinten, aber mittelmäßig ausgeführten Ansätze durch US-Comedy-typischen Humor, der ein ums andere Mal über das Ziel hinausschießt. Wenn Kelly unter Schmerzen aus ihren Brüsten Muttermilch herauspressen muss, ist das weder witzig noch besonders originell, sondern schlicht eines: peinlich.

Teddy (Zac Efron) ist der Präsident seiner Studentenverbindung und kennt nur ein Motto: Party hard!

 

Der Komödie ist anzumerken, dass Rogens Schreibfeder dieses Mal nicht zum Einsatz kam – das Drehbuch stammt von Andrew J. Cohen und Brendan O’Brien, die zuvor unter anderem Judd Apatows Komödie „Wie das Leben so spielt“ mitproduzierten. Der stämmige Brummbär Rogen spielt fast schon stoisch seine auf ihn gemünzte Slacker-Rolle, den Dialogen fehlt es am nötigen Biss. Gemessen am eigentlichen Output des Kanadiers, sind sie viel zu harmlos. Eine von der Studentenverbindung organisierte „Robert De Niro“-Party wird in wenigen Minuten heruntergespult, böte aber so viel mehr Potenzial für witzige Situationen.

Anfangs verstehen sich Teddy (Zac Efron, links), Mac (Seth Rogen) und Kelly (Rose Byrne) noch ganz gut. Aber bald eskaliert die Situation.

 

Gegen den Strich besetzt und damit das einzige Glanzlicht des Films ist Zac Efron. Mit viel Verve verkörpert er sowohl den All-American-Posterboy als auch das prätentiöse Arschloch, das vor lauter Hedonismus nicht nur die eigene Uni-Karriere aufs Spiel setzt, sondern auch die seiner Freunde. In einer der wenigen starken Szenen spricht seine Figur Teddy das laut aus, was viele junge Leute in seinem Alter beschäftigt: Was passiert mit dem Leben nach der Universität? „Bad Neighbors“ kann und will diese Frage nicht beantworten, sondern dreht am Ende die Musik noch einmal ein bisschen lauter.

 

Text: Ben Hiltrop / Fotos: © Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Neighbors
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 97 Min.