Crime, Baby!

Das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten – so auch im Fall der „Banklady“: Die Hamburgerin Gisela Werler überfiel in den Jahren von 1965 bis 1967 mit ihrem Geliebten Hermann Wittorff 19 Banken und erbeutete dabei sensationelle 400.000 Mark. Als sie gefasst wurde, heirate sie ihren Komplizen noch im Gefängnis – die beiden blieben bis zu ihrem Tod ein Paar. Die spektakuläre Love-and-Crime-Story hat „Tatort“-Regisseur Christian Alvart nun actionreich und rasant verfilmt. Die weibliche Hauptrolle spielt Nadeshda Brennicke, die durch eine Dokumentation auf Werlers Geschichte aufmerksam wurde und das Projekt mit viel Ehrgeiz vorantrieb.

Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) begeht ihre Verbrechen stilvoll.

 

Gisela Werler ist eine brave Arbeiterin, die mit dem Job in einer Tapetenfabrik den Lebensunterhalt für sich und ihre dominanten Eltern verdient. Mit 30 Jahren lebt sie noch zu Hause. Besonders ihr Vater (Jürgen Schornagel), der den Krieg mit Mühe überlebt hat, macht ihr das Leben schwer. Während sie von Capri träumt und mit Blick in den Spiegel Zigaretten raucht, verspricht die Realität keine Besserung: Ihr kleinbürgerlicher Kollege Uwe (Andreas Schmidt) umwirbt sie zwar, doch Gisela fühlt sich zum Langweiler nicht hingezogen.

 

Erst als Hermann (Charly Hübner), mit dem Uwe krumme Dinger dreht, in ihr Zimmer und Leben tritt, ändert sich Giselas tristes Dasein: Sie will mitmachen beim nächsten Banküberfall, unbedingt. Bald schon führt sie ein bizarres Doppelleben: Tagsüber schuftet sie in der Fabrik, in ihrer Freizeit raubt sie in schicken Kostümen Banken aus. Und das auf überaus charmante Weise: Stets wahrt sie die Form der Höflichkeit, vergisst nie „Danke“ und „Schönen Tag noch“ zu sagen.

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Für die Presse ist diese ominöse „Banklady“ eine Sensation. Doch die Polizei, allen voran der junge, ehrgeizige Kommissar Fischer (Ken Duken), ist ihr bereits auf den Fersen. Und die Liebe auch: Denn für ihren furchtlosen Komplizen Hermann hegt Gisela längst tiefere Gefühle. Doch auch der führt ein Doppelleben. – Nadeshda Brennicke, zuletzt im Kino mit „Dampfnudelblues“ (2013), spielt die wundersame Gisela Werler mit Bravour; für ihre Rolle wurde sie auf dem Chicago International Filmfestival 2013 als beste Darstellerin ausgezeichnet. Herrlich amüsant ist auch ihr Filmpartner Charly Hübner als spitzbübisch, unverfrorener Gauner.

 

Regisseur Christian Alvart, dessen Hamburger „Tatort“-Folgen mit Til Schweiger nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch für Top-Quoten sorgen und der auch schon in Hollywood gedreht hat („Fall 39“, 2009), inszenierte die Geschichte als rasanten, sympathischen Gangsterfilm. Sein Hamburg der 60er-Jahre wurde mit einem detailreichen Szenenbild stimmig nachgebildet. Split-Screens und coole Montagen machen den Look perfekt. „Banklady“ ist mehr als ein Liebes- und Gangsterfilm im Stile von Bonnie und Clyde: Alvart erzählt auch vom Lebensgefühl jener Zeit, von den Sehnsüchten und dem unbedingten Aufbruchswillen in ein anderes, besseres Leben.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © Fugu
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Studiocanal
Laufzeit: 118 Min.