Action-Trauerarbeit mit Paul Walker

Ein wenig erinnert „Brick Mansions“ an ein einfach gestricktes Computerspiel – hektisch, hüpffreudig und latent hirnrissig: In Industrie-Metropole Detroit verfallen ganze Straßenzüge. Und trotzdem sehen gerissene Investoren immer noch Möglichkeiten, hier beste Geschäfte zu machen.Besonders das Ghetto-Viertel „Brick Mansions“, das dem Actionfilm von Camille Delamarre den Titel leiht, könnte noch eine große Zukunft haben – wenn man nur die hinter hohen Mauern eingepferchten Verbrecher und Sozial-Verlierer in den Griff bekommen würde.

Damien Collier, ein noch einigermaßen idealistischer Cop, erhält den brisanten Auftrag, sich in das Gangsterfort einzuschmuggeln und einen skrupellosen Drogenboss auszuschalten. „Fast & Furious“-Star Paul Walker, der im November vergangenen Jahres tödlich verunglückte, zieht in dieser Rolle mit vollem Körpereinsatz noch ein letztes Mal alle Blicke auf sich.

Cop Damien (Paul Walker, rechts) und Ex-Häftling Lino (David Belle) nehmen die Verteidigung von Recht und Gerechtigkeit selbst in die Hand.

 

Es ist einer dieser Filme, wo jeder harte Kick und jeder Magenschwinger besonders weh tut. Bei dem man mit seinem Helden mitzittert, wenn er in engen Stiegenhäusern und Industrie-Wohnschluchten Verbrechern nachjagt. Als könnte man Paul Walker, der von vielen Fans leidenschaftlich vermisst wird, auf diese Weise noch einen letzten Gefallen tun. Immerhin ist „Brick Mansions“ der Film, der als das letzte Werk in die Geschichte eingehen wird, das Walker vor dem furchtbaren Autounfall fertigstellte, der ihn das Leben kostete. Viele andere Ansprüche darauf, nicht schon kurz nach Kinostart vergessen zu werden, hat der Film nicht.

 

Fairerweise muss man zudem zugestehen, dass nicht der kernige Blonde, sondern ein quirliger, üppig tätowierter Franzose den Film trägt: David Belle ist ein Star der weltweiten Parkour-Szene – eine Extremsport-Artistik-Variante, bei der die Gesetze der Schwerkraft auf die brachiale Hausmacher-Art außer Kraft gesetzt werden. Der nicht mehr ganz so junge Ausnahmeathlet, der den in Brick Mansions lebenden Ex-Häftling Lino spielt, stürzt sich scheinbar todesverachtend durch Glasscheiben in finstere Innenhöfe, nimmt an der Feuerleiter hängend kurz Schwung und hangelt sich mit viel Muskelkraft ins Nachbarhaus. Lino bewegt sich in den Brick Mansions wie Spider-Man in den Hochhausschluchten. Ihm zu folgen, ist fast unmöglich – und extrem gefährlich.

Lino (David Belle, links) und Damien (Paul Walker, rechts) geraten von einer brenzligen Situation in die nächste.

 

Hinter den Ghetto-Mauern schließen sich die ungleichen Partner Lino und Damien zusammen. Beide eint ein Ziel: Sie wollen den Gangsterboss Tremaine (Rapper RZA in einer perfiden Finsterling-Rolle) stellen. Der hat zuvor nicht nur Linos Flamme Lola (Catalina Denis) entführt, sondern auch einen Sprengsatz entwendet, der in wenigen Stunden in die Luft gehen könnte. Der übliche Wettlauf gegen die Uhr kann beginnen.

 

„Brick Mansions“ ist ein US-Remake des Films „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“, mit dem David Belle 2004 schlagartig international bekannt wurde. Produzent Luc Besson („Nikita“, „The Transporter“, „22 Bullets“) hat seinen einstigen Genre-Erfolg einfach noch einmal von seinem Cutter Camille Delamarre im nordamerikanischen Look nachdrehen lassen – mit nur geringfügigen Drehbuch-Anpassungen. Den Einfluss eines Filmautors – Besson schrieb das „Buch“ selbst – spürt man allerdings ohnehin allzu selten: Der Film, der sein Hauptmotiv aus John Carpenters Action-Klassiker „Die Klapperschlange“ geklaut hat und von Ferne auch an den Sci-Fi-Überraschungshit „District 9“ erinnert, ordnet die Logik den Stunt-Szenen unter.

Gangster-Boss Tremaine (RZA, links, mit Paul Walker) bedroht die Sicherheit von ganz Detroit.

 

Alles ist Action, alles sieht trotz aller Düsternis gut aus, alles wirkt rasant. Wenige Sekunden nach Verlassen des Kinosaals dürfte man sich allerdings an den Film ähnlich gut erinnern, wie an ein Computer- oder Konsolenspiel, bei dem man gerade erst den Strom abgeschaltet hat.

 

Text: Rupert Sommer / Fotos: © Universum
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Brick Mansions
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Universum
Laufzeit: 91 Min.