Qualverwandtschaften

Multitalent Florian David Fitz ist die Allzweckwaffe der deutschen Kinokomödie, ob als Autor oder Darsteller: Wo Fitz draufsteht, steckt eingängiger Humor drin. Auch das aktuelle Projekt des Münchners, „Da geht noch was“, hat das Zeug zum spätsommerlichen Komödienhighlight.

Nur Geduld: Conrad (Florian David Fitz) muss sich im seinen Vater Carl (Henry Hübchen, links). Und der ist kein einfacher Patient.

 

Der erfolgreiche Geschäftsmann Conrad (Fitz) hat sein Leben perfekt geregelt: Er hat die ehrgeizige Tamara (Thekla Reuten) geheiratet, das Fundament für sein Traumhaus ist schon gegossen, und Sprössling Jonas (Markus Haas) besucht eine Eliteschule. Was will man mehr? Doch dann setzt Mama Helene (Leslie Malton) den verdutzten Sohn davon in Kenntnis, dass sie ihren Mann Carl (Henry Hübchen) verlassen hat und bittet ihn um einen Besuch im Elternhaus. Den will Conrad auf dem Weg zum Urlaubsflieger noch schnell hinter sich bringen. Als Carl aber in den leeren Pool stürzt, muss Conrad Krankenpfleger spielen.

Jonas (Markus Haas) und Conrad (Florian David Fitz, links) haben Frauenprobleme.

 

Schon der von Florian David Fitz geschriebene „Vincent will Meer“ war einer der Kassenknüller 2010. Für seine Hauptrolle darin erhielt Fitz einen Bambi, derzeit wird das tragikomische Roadmovie sogar von Hollywood neu verfilmt. Kein Wunder also, dass Fitz auch bei „Da geht noch was“, dem Regiedebüt von Fernsehregisseur Holger Haase („Heiter bis tödlich“), am Drehbuch beteiligt war.

Die Basis für herrliche Situationskomik ist hier der klassische Konflikt zwischen Vater und Sohn. Conrads Credo: Bloß nicht so werden wie mein Vater! Denn der pensionierte Gewerkschaftsboss hatte für seinen Sohn nie mehr als Kritik übrig. Er ist ein selbstverliebter, bequemer Kotzbrocken, der sich selbst beim Heiratsantrag an Helene nicht mal die Mühe gemacht hat, aus dem Sessel aufzustehen. Die verbalen Scharmützel zwischen den beiden ungleichen Männern in Carls muffigem Bungalow, der noch immer so aussieht wie in Conrads Kindheit, sind das Herz des Films.

Carl (Henry Hübchen) will noch eine Chance von Helene (Leslie Malton).

 

Kinoveteran Henry Hübchen („Alles auf Zucker!“) spielt voller Lust den grantigen Widerling, an dem sich der Sohn zunehmend entnervt abarbeitet. Aber weil es im Kino wie im richtigen Leben meistens mehr als nur eine Wahrheit gibt, könnte die unfreiwillige WG von Vater, Sohn und Enkel die Generationen wieder zusammen bringen. Ob der Weg dorthin führt, Carl im Grunde doch nicht so hassenswert ist und vielleicht auch Conrad in seinem Hochglanzleben etwas die Orientierung verloren hat, enthüllt der Film behutsam Schicht für Schicht. Dabei offenbart er im Verlauf auch die nötige Portion Tragik, die zu einer wirklich guten Komödie nun einmal gehört. Und vielleicht war ja auch die Sache mit dem Sessel eigentlich ganz anders …

Text: Kerstin Lindemann / Fotos: 2013 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Constantin
Laufzeit: 101 Min.