Hinter die Mauern blicken

Es war eine schwierige Geburt, dieses Remake von „The Secret Life of Walter Mitty“, das auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen Autors James Thurber basiert. Schon in den 90er-Jahren gab es Pläne zu einer Neuauflage des Klassikers. Und wer sollte nicht alles mitmischen: Für die Hauptrolle waren Jim Carrey, Owen Wilson oder Sasha Baron Cohen im Gespräch, für die Regie Größen wie Steven Spielberg, Ron Howard oder Gore Verbinski. Am Ende bekam der komödienerprobte Ben Stiller den Zuschlag. Seine Adaption ist eine wunderbar inszenierte Geschichte um einen biederen Tagträumer, der zum selbstbewussten Abenteurer wird.

Eigentlich ist Walter Mitty (Ben Stiller) eher ein Spießer. Doch das wird sich ändern ...

 

Stiler selbst spielt Walter Mitty (Ben Stiller): ein Spießer im Kurzarmhemd mit Krawattenadel, der penibel Buch über seine Ausgaben führt. Sein Leben ist ähnlich überschaubar, seine sozialen Kontakte beschränken sich neben Schwester und Mutter (Shirley MacLaine) auf ein eher zaghaftes Online-Dating. Der Mittelpunkt seines trüben Daseins ist, abgesehen von fantastischen Tagträumen, der Job beim berühmten „Life“-Magazin, wo Walter seit 16 Jahren im Fotoarchiv arbeitet. Doch nun soll die Printausgabe gestrichen und die Redaktion weitestgehend entlassen werden. Eine letzte furiose Ausgabe steht an, mit einem Foto des legendären Hausfotografen Sean O’Connell (Sean Penn einmal mehr als cooler Hund) auf dem Titel.

Auf dem Sprung in ein neues Leben: Walter Mitty (Ben Stiller).

 

Doch just das entscheidende Negativ ist nicht auffindbar, weshalb Walter in die Bredouille gerät. Er vertraut sich seiner attraktiven Kollegin Cheryl (Kristen Wiig aus „Brautalarm“) an, für die er heimlich schwärmt und die ihm rät, Sean O’Connell ausfindig zu machen. Doch der ist ein wagemutiger Weltenbummler, immer im Zentrum des Geschehens, nie greifbar, unterwegs im hintersten Winkel dieses Planeten. Also reist Walter, der über die USA bisher nie hinausgekommen ist, spontan nach Grönland, in der Hoffnung, Sean und das verlorene Foto aufzuspüren. Die Reise wird für den scheuen Walter zum unberechenbaren Abenteuer, zu einem wilden Trip, in dessen Verlauf er über sich selbst hinauswächst.

Ben Stiller überzeugt in der Hauptrolle des zunächst scheuen Walter Mitty.

 

So ist „Das erstaunliche Leben von Walter Mitty“ eine klassische Heldenreise, die den Betrachter durch die von Kameramann Stuart Dryburgh („Bridget Jones“) wunderschön fotografierten Landschaften Grönlands und Islands bis zum Himalaja führt. Walters Entwicklung vom schüchternen Stubenhocker zum angstfreien Weltenbummler, der sich den Herausforderungen des Lebens stellt, spielt Ben Stiller mit großer Lust und Überzeugung. Selten hat man Stiller, der ja in den einschlägigen Komödien oft eher den Tollpatsch spielte („Meine Braut, ihr Vater und ich“), so charismatisch und sympathisch wahrgenommen.

Scheue Gefühle: Walter Mitty (Ben Stiller) schwärmt für seine Kollegin Cheryl (Kirsten Wiig).

 

Die Tagträume seiner Figur inszeniert er kreativ und bildgewaltig, etwa wenn er als unverwüstlicher Comic-Held auf Verfolgungsjagd durch die Straßen New York rast oder als Superman ein Schoßhündchen aus den Flammen rettet. Stiller absolviert seine Doppelrolle als Regisseur und Titelheld durchaus souverän. Seine „Mitty“-Adaption ist ein gelungenes Remake, das fast ganz ohne Kitsch und Klamauk auskommt und dabei humorvoll das Leben feiert. Absolut sehenswert.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: 2013 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: The Secret Life of Walter Mitty
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Fox
Laufzeit: 115 Min.