Harmlose Gehässigkeiten für die späte Liebe

Romantic-Comedy-Experte Rob Reiner trifft auf zwei grandiose Altstars: Nach seinem herzlich-absurden Filmerfolg „Das Beste kommt zum Schluss“ von 2007 lässt der New Yorker Regisseur diesmal in „Das grenzt an Liebe“ die wunderbare Diane Keaton und den hier weniger bezaubernden, dafür vielmehr bezaubernd grimmigen Michael Douglas als zankendes Nachbarspaar aufspielen. Dabei macht es einerseits unglaublich viel Spaß, die beiden erstmals miteinander auf der Leinwand zu erleben. Schade ist es andererseits, dass das Drehbuch der Zweiter-Frühling-Liebeskomödie kaum mehr hergibt als charmante, doch dahinplätschernde Traumschiff-Romantik mit Hindernissen.

Nicht immer geht es zwischen den Nachbarn Oren (Michael Douglas) und Leah (Diane Keaton) so harmonisch zu.

 

Dabei beginnt die Story eigentlich vielversprechend. Oren Little (Michael Douglas) ist Mitte Sechzig und das, was man in den USA einen „Grumpy Old Man“ nennt: ein griesgrämiger, zurückgezogener Soziopath mit Hang zur genüsslichen Gehässigkeit. Seit seine Frau gestorben ist, lebt der Immobilienmakler kontaktlos in seinem Appartementhaus in Connecticut vor sich hin, schießt mit Paintballgewehren auf Hunde und nervt mit mieser Laune seine Mieterin Leah (Diane Keaton), die direkt neben ihm wohnt. Doch in bester RomCom-Tradition ändert sich plötzlich alles: Littles Sohn muss überraschend in den Knast und überlässt seine Tochter dem Opa Oren, der bis dahin nicht einmal was von seiner Enkelin wusste und sich energisch gegen die Verantwortung und den ganzen empathischen Kinder-Kram sträubt.

Leah (Diane Keaton) ist eine kinderlose Jazzsängerin, die in Barlounges auftritt, von verflossener Liebe singt und dazu ganz viel heult.

 

Hier kommt die nah am Wasser gebaute Jazzsängerin Leah ins Spiel, die mit ebenso viel Menschenliebe und Offenheit gesegnet ist, wie ihre Darstellerin Diane Keaton. Diese gibt mal wieder die kinderlose alte Jungfer und nimmt das arme Kind erstmal bei sich auf, auch um es vor den Unflätigkeiten und ausufernden Beleidigungen seines menschenhassenden Großvaters zu schützen. Was nun kommt, ist ebenso vorhersehbar wie vom Zielpublikum erwünscht: Grumpy Little taut durch das unbekümmerte und lebensfrohe Enkelkind so langsam auf, während seine Anzüglichkeiten und Unverschämtheiten gegenüber Leah Schritt für Schritt einem leichten Sarkasmus und schließlich gar tieferen Gefühlen und Gelüsten weichen.

Bald entdecken die beiden zerstrittenen Nachbarn Leah (Diane Keaton) und Oren (Michael Douglas) ihre Großeltern-Gene.

 

Dabei machen die beiden Hauptdarsteller ihre Sache so gut, dass man über die überraschungsarme und altbackene Erzählweise fast hinwegsehen mag. Keaton und Douglas liefern sich grandiose Wortgefechte, wobei vor allem die späteren Komplimente seinerseits, die in anderen Kontexten locker als Beschimpfungen durchgingen, Littles ausgeprägte soziale Inkompetenz wirklich witzreich vor Augen führen. Die zwei Oscargewinner brillieren gemeinsam als alternde Spätherbst-Lover derart überzeugend, dass man es fast bedauert, das Duo erst jetzt erleben zu dürfen.

Es dauert nicht lang, bis sich die Streithähne Oren (Michael Douglas) und Leah (Diane Keaton) näher kommen ...

 

Als romantische Komödie der alten Schule funktioniert „So etwas wie Liebe“ herrlich, nur: An harmlosem Wohlfühl-Gestreite à la „Traumschiff“, Weichspüler-Konfliktbewältigung und plätscherndem Kinder-machen-alles-gut-Gedudel ist die Geschichte ebenso wenig zu überbieten. Das ändern auch Keaton und Douglas nicht, doch ist das am (natürlich glücklichen) Ende auch irgendwie egal.

 

Text: Maximilian Haase / Fotos: © Senator / Asig Production / Clay Enos
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: And So It Goes
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Senator
Laufzeit: 94 Min.