Ein Schrei im Nichts

Möchte man als junger Mann bei gleichaltrigen Mädchen landen, kann es durchaus von Vorteil sein, wenn man ein Buch des vielumkreischten Bestseller-Autors John Green gelesen hat. Wie kaum ein anderer Schriftsteller trifft er den Ton und ins Herz der heutigen – nicht nur weiblichen – Teenager-Generation.

Nun ist sein lebensbejahendes Krebsdrama „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ziemlich werkgetreu von den „(500) Days of Summer“-Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber in ein Skript umgesetzt und von Jungregisseur Josh Boone („Love Stories – Erste Lieben, zweite Chancen“) verfilmt worden.

Schwärmen beide für das gleiche Buch, das mitten im Satz abbricht: Hazel (Shailene Woodley) und Augustus (Ansel Elgort).

 

Auch Augustus „Gus“ Waters, zum Verlieben überzeugend gespielt von Shooting Star Ansel Elgort, punktet bei seiner Traumfrau, indem er ihr absolutes Lieblingsbuch liest und sich mit ihr darüber austauscht. Gus’ Schwarm ist die 16-Jährige Hazel Grace, einfühlsam dargestellt von Shailene Woodley, die kürzlich in „Divergent – Die Bestimmung“ noch Elgorts Schwester spielte. Die beiden lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen. Hazel, die seit ihrem 13. Lebensjahr an unheilbarem Schilddrüsenkrebs leidet und deshalb stets eine Sauerstoffflasche hinter sich herziehen muss, geht zunächst nur sehr zögerlich auf die Avancen des vom Knochenkrebs gezeichneten, aber dennoch optimistischen jungen Mannes ein.

 

Das Mädchen, das vor allem von seiner Mutter (großartig: Laura Dern) zu hingebungsvoll umsorgt wird, empfindet sich selbst als „Granate“, die jeden Moment hochgehen und Menschen in ihrem Umfeld furchtbar wehtun kann. Doch der smarte junge Mann lässt nicht locker …

Augustus (Ansel Elgort) lässt nicht locker um die Gunst seiner ebenfalls todgeweihten Angebeteten Hazel Grace (Shailene Woodley) zu erringen.

 

Das klingt womöglich nach einem Film, den man auf keinen Fall sehen möchte, weil Kitsch, Geigen und Rührseligkeit vorprogrammiert scheinen. Doch Regisseur Boone gelingt es weitestgehend, den leichten, lebensbejahenden Geist der Vorlage aufrechtzuerhalten und auch deren Galgenhumor zu transportieren.

 

Boone überzeugt mit klugen Regieentscheidungen wie beispielsweise der einfallsreichen Visualisierung der SMS-Kommunikation der frisch Verliebten, Hazels trockenen Kommentaren aus dem Off und nicht zuletzt durch die Wahl seiner beiden Hauptdarsteller. Elgort und Woodley gelingt es, die von Hunderttausenden von Teenagern weltweit geliebten Helden auf ihre Weise zum Leben zu erwecken. Boone hat mit dieser einfühlsamen Verfilmung bewiesen, dass er ebenso wie Green einen Draht zur heutigen Generation hat.

Die Krebspatienten Augustus (Ansel Elgort), Isaac (Nat Wolff, Mitte) und Hazel (Shailene Woodley), lieben und hassen nicht anders als "normale" Teenager.

 

Eine wunderbare Wahl traf Boone auch mit Nat Wolff: Der 19-Jährige spielt einen erblindeten Freund des Paares, der von seiner Freundin nach einer weiteren Krebsoperation per SMS verlassenen wurde. Wenn die drei Todgeweihten gemeinsam das Auto der fiesen Ex-Freundin mit Eiern bewerfen, weiß man wieder, worum es im Leben geht: Die Zeit, die einem gegeben ist, möglichst „sinnvoll“ mit den Menschen zu verbringen, die man liebt. Auch wenn „die Liebe nur ein Schrei im Nichts“ ist, wie Gus einmal zu seiner Hazel sagt.

 

Text: Gabriele Summen / Fotos: © 2014 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: The Fault in Our Stars
Genre: Drama
Freigabealter: 6
Verleih: Fox
Laufzeit: 126 Min.