Und jetzt noch mal auf Englisch

Remakes, Remakes, Remakes – wie wichtig sie für die Filmindustrie mittlerweile geworden sind, zeigte sich selten so deutlich wie in dieser Startwoche: Kimberly Peirce’ lässt fast 40 Jahre nach Brian DePalmas Horrormeilenstein eine neue Generation Kinozuschauer über „Carrie“ zittern, während sich Spike Lee im Kinosaal nebenan „Oldboy“ zu eigen macht, das 2003 erschienene Meisterwerk des Südkoreanes Park Chan-wook. Und dann wäre da noch der Frankokanadier Ken Scott, der seine eigene Komödie „Starbuck“ (2011) nun in Hollywood noch einmal mit neuen, bekannteren Darstellern verfilmen durfte. „Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft“ heißt das Ergebnis.

David (Vince Vaughn) hat es verbockt: Seine Freundin Emma (Cobie Smulders) macht mit ihm Schluss, obwohl sie von ihm schwanger ist.

 

Mit Anfang 40 hat David Wozniak (Vince Vaughn) nicht viel erreicht, auf das er stolz sein könnte: Er schuldet aus nicht näher erläuterten Gründen gewaltbereiten Kleingangstern eine große Summe Geld, besitzt zu wenig gärtnerisches Geschick, um Marihuana anzubauen und ist selbst für den Lieferantenjob in der familieneigenen Fleischerei zu verpeilt. Wie sollte man es seiner schwangeren (Ex-)Freundin Emma (Cobie Smulders aus „How I Met Your Mother“) da verdenken, dass sie in ihm keine geeignete Vaterfigur sieht? Nur eine Qualität scheint der Chaot zu besitzen: Sein Sperma sei hochwertig, bescheinigt ihm zumindest der Anwalt der Samenbank, die David vor gut 20 Jahren regelmäßig versorgte. Von den 533 Kindern, die aus seinen Samenspenden entstanden, wollen nun 142 ihren Erzeuger kennenlernen – und wenn sie es vor Gericht durchsetzen müssen.

David (Vince Vaughn) sei der letzte Mensch, der Vater sein sollte, meint sein Freund Brett (Chris Pratt, links).

 

Während die Öffentlichkeit darüber rätselt, wer wohl dieser „Mastorbator“ ist, sucht der David inkognito den Kontakt zu zufällig ausgewählten Nachkommen. Diese Begegnungen, die David langsam reifen lassen, sind mal witziger und mal dramatischer Natur, mal eigenständige Szenen oder schwungvolle Zusammenschnitte. Und sie sind – vom Cast abgesehen – Szene für Szene, Einstellung für Einstellung, Dialog für Dialog nahezu deckungsgleich mit Scotts Originalfilm. Nur dass die Komödie nun nicht mehr in Montreal, sondern in New York angesiedelt ist, man dort nicht Fußball, sondern Basketball spielt, und David statt einer roten eine blaue Strickjacke trägt. Und alles irgendwie ein wenig glatter, amerikanischer wirkt. Künstlerischer Mehrwert? Nicht vorhanden.

Auch Straßenmusikant Adam (Dave Patten) gehört zu den 533 Kindern, die aus Davids (Vince Vaughn) Samenspenden resultierten.

 

Um das zu bemerken, muss man das Original natürlich kennen. Wer sich nicht unter den rund 100.000 Kinogängern befand, die 2011 „Starbuck“ sahen, wird das Remake als einen warmherzigen, vielleicht etwas naiven Wohlfühlfilm für sich entdecken, mit sympathischen Figuren, geschmackvoller Situationskomik und witzigen Dialogen. Den Zuschauern aber, denen es egal ist, ob sie ihr Popcorn an der Theke im Kinofoyer oder aus der heimischen Mikrowelle holen; die sich nicht darum scheren, ob sie nun einen Film mit US-amerikanischen oder frankokandischen Schauspielern übersetzt bekommen – denen sei das Original „Starbuck“ ans Herz gelegt. Das nämlich wirkt doch einen Tick frischer, charmanter, wärmender als die neue Version – und kostet auf DVD mittlerweile auch nicht mehr als eine Kinokarte.

 

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: 2013 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Delivery Man
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Constantin
Laufzeit: 105 Min.