Der nackte Wahnsinn

Ali Samadi Ahadi ist ein cineastisches Chamäleon: Unlängst inszenierte der gebürtige Iraner mit „Pettersson und Findus – kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ die erste Realverfilmung der beliebten Kinderbuchreihe. Sein Paukenschlag war 2009 die urkomische Cultur-Clash-Komödie „Salami Aleikum“, in der er mit den wüstesten Klischees jonglierte, bei aller Albernheit aber immer Mitgefühl für seine Figuren entwickelte.

Dass er ein sensibler und auch politischer Filmemacher ist, hat Ahadi auch mit Dokumentationen wie „Lost Children“ (2006) über Kindersoldaten in Uganda bewiesen, für die er den Deutschen Filmpreis bekam. In „Die Mamba“ lotet der preisgekrönte Regisseur nun sämtliche Spielarten fiktiven Erzählens aus, schlägt dabei allerdings gehörig über die Stränge.

Mit "Der Mamba" verbindet ihn nur sein Äußeres: Hossein Sarivi (Michael Niavarani).

 

„Die Mamba“, dies vorweg, ist ein international gesuchter Terrorist und furchtloser Auftragskiller. Eben erst hat er eine weitere, tödliche Mission erfolgreich beendet. Hossein Sarivi (ebenfalls gespielt vom österreichischen Vorzeige-Kabarettisten Michael Niavarani, der auch schon in „Salami Aleikum“ mitwirkte) hingegen ist Sounddesigner in einer Wiener Keksfabrik. Vor allem aber ist er ein ungeschickter Tölpel, der seinen Job verliert, weil er den Keksen für einen besseren Klang beim Knabbern Zement beigemischt hat. Zuhause führt seine rigide Gattin (Proschat Madani als lustvolle Vorzeige-Furie) ein schlagkräftiges Regiment; seinen Rauswurf will sie keinesfalls akzeptieren.

Mit der "Mamba" (Michael Niavarani) sollte man sich nicht anlegen ...

 

Also wird Hossein bei einem Headhunter vorstellig, und wie der dramaturgische Zufall es will, hält man den Tollpatsch im Spießer-Outfit für den berüchtigten Profi-Killer, der seinen nächsten Auftrag erhalten soll. Hossein ist freilich weit davon entfernt, die fatale Verwechslung zu erkennen und geht als Top-Agent auf Dienstreise nach Casablanca, begleitet von der attraktiven Killer-Kollegin Sherazade (Melika Foroutan), die für ihren Kollegen eine unverkennbare Schwäche hat. Der neurotische CIA-Agent Bronski (Christoph Maria Herbst) ist den beiden bereits auf den Fersen. Natürlich läuft bei dem Auftrag in Marokko alles schief, auch weil sich ein paar unfähige, in ihrer Ehre gekränkte Al Quaida-Kämpfer einmischen, die den „Mamba“-Rivalen beseitigen wollen.

CIA-Agent Bronski (Christoph Maria Herbst) ermittelt auf seine Art ...

 

Die Handlung ist gänzlich hanebüchen und bezieht ihre Komik aus einer Johnny-English-Variation nach dem Motto „Einfaltspinsel wird Top-Terrorist“, wobei die echte Mamba übrigens mit einem unschönen Defizit ausgestattet ist: Er hat eine lächerliche Fistelstimme, der er nur durch Inhalieren eines Sprays die nötige Ernsthaftigkeit verleihen kann. So gibt Ahadi alle Figuren der Lächerlichkeit preis: die unfähigen Islamisten, die Agentin Sherazade als schmachtende Lara-Croft-Kopie sowie den zwanghaften CIA-Beamte Bronski, den „Stromberg“ Christoph Maria Herbst gewohnt absurd interpretiert.

Die echte Mamba (Michael Niavarani) und Kollegin Sherazade (Melika Foroutan) sind ein starkes Team.

 

Doch anders als in seiner politisch unkorrekten Komödie „Salami Aleikum“, in der Ahadi ähnlich turbulent eine sehr menschelnde Geschichte erzählt, ist „Die Mamba“ zu einer völlig überdrehten Posse geraten. In umtriebiger Ahadi-Manier werden zwar humorvoll und mit coolem Look (von den pyrotechnischen Effekten einmal abgesehen) diverse Agenten- und Klaumauk-Filme („Mission Impossible“, „Die nackte Kanone“) zitiert, doch die klischeebeladenen Figuren erinnern an die Akteure eines Laien-Theaters. Hier und da sitzt der Sprachwitz, doch insgesamt bleibt der Film hinters Ahadis Potenzial zurück: „Die Mamba“ ist einfach nur knalliges Klaumauk-Kino, das weniger hält, als der Vorspann im Stile vom „rosaroten Panther“ verspricht.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © Senator / e&a film / brave new work / Florian Keindl
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Senator
Laufzeit: 96 Min.