Düsterer Fledermaus-Dirigent

„Dracula Untold“ ist einer jener modernen Blockbuster, in dem jeder Schritt, jeder Schwertschlag und erst recht jedes markige Wort der Protagonisten mit einem tonnenschweren Soundeffekt bedacht wird. Da es in der als Vorgeschichte des Grafen Dracula verkauften Fantasy-Mär viele solcher Schritte, Schläge und Worte gibt, haben die Score-Komponisten und Tonleute hier einiges zu tun. Worum geht es? Vlad III. (Luke Evans) herrschte im 15. Jahrhundert über das Fürstentum Walachei. Seine Regentschaft wird allerdings nur vom übermächtigen Osmanischen Reich geduldet. Als die Türken von Vlad eine Abgabe verlangen, die er unmöglich leisten kann, lässt er sich auf einen Handel mit übernatürlichen Kräften ein – zu einem hohen Preis.

Fürst Vlad III. stellt sich dem übermächtigen osmanischen Heer entgegen.

 

Der echte Fürst Vlad III. verdiente sich den Beinamen „der Pfähler“. Seine getöteten Feinde ließ er zur Abschreckung auf Holz gespießt öffentlich ausstellen. Im Film des relativ unbeleckten irischen Regisseurs Gary Shore lebt Vlad als fürsorglicher Ehemann und Vater auf einer für die Region typischen düsteren Burg. Der ordentlichen Präsenz von Luke Evans und seiner Filmehefrau Sarah Gadon („Eine dunkle Begierde“) ist es zu verdanken, dass dieser Spagat zwischen Liebesgeschichte und Unheil dräuender Fantasy-Mär nicht gleich zu Beginn baden geht.

 

Der nur gut 90 Minuten lange Film des ehemaligen Werbefilmers Shore lässt sich dann auch nicht allzu viel Zeit, um zum Kern der Geschichte vorzudringen. Weil Vlad und einige Getreue Bekanntschaft mit einem blutsaugenden Super-Monster gemacht haben, lässt sich der Fürst in einen Vampir verwandeln, um der Armee seines osmanischen Widersachers Mehmed (Dominic Cooper) entgegenzutreten. Erst mal vorübergehend, versteht sich. Nach der Verwandlung, die zu unglaublichen Kräften führt, muss Vlad nur ein paar Nächte lang seinem ausgeprägten Blutdurst Einhalt gebieten, um wieder ein Mensch zu werden. Kenner wissen, wie die Geschichte ausgeht – allerdings nicht, wie es dazu kam.

Die kanadische Schauspielerin Sarah Gadon verkörpert Mirena, Vlads geliebte Ehefrau.

 

Eigentlich sollte Alex Proyas („The Crow“, „I, Robot“) die Regie für dieses neue Dracula-Projekt übernehmen. Sam Worthington („Avatar“) war für die Hauptrolle vorgesehen. Universal Pictures legte den Film, der in Australien entstehen sollte, zwischenzeitlich wegen eines ausufernden Budgets auf Eis. Nun kommt die offenbar sparsamere Variante, die in Nordirland gedreht wurde. Sofern man bei der hohen Anzahl von Fantasybildern von drehen sprechen kann, der Film ist sicher zu großen Teilen am Computer entstanden.

 

„Dracula Untold“ ist eine Mischung aus Ritterfilm, Special-Effect-beladenem Fantasy-Kino und einiger dramatisch aufbereiteter Gedanken rund um den Vampir-Mythos. Um Halbwüchsigen einen wohligen Schrecken einzujagen und den männlichen Vertretern dieser Zielgruppe die immer wieder verlockende Idee des Besitzes unendlicher Kräfte vorzuführen, sollte dies genügen. Wer allerdings den Special-Effect-Planern erlaubte, Vlad per virtueller Steuerung einen Millionenschwarm von Fledermäusen zu befehligen, der ganze Armeen zerschlagen kann, muss kräftig einen im Tee gehabt haben. Die animierten Flattermänner nerven nämlich auf Dauer.

 

Text: Eric Leimann / Fotos: © 2014 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Dracula Untold
Genre: Fantasy
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 92 Min.