Die Paris-Cops

„Einen Partner lässt man niemals fallen“, das ist die wichtigste Regel der Buddy-Cop-Filme. Natürlich bestimmt auch dieses Motto die französische Krimi-Komödie „Ein MordsTeam“. Ein ungleiches Polizisten-Duo ermittelt darin sowohl im noblen Paris als auch im heruntergekommenen Vorort Bobigny. Und natürlich hat jeder der beiden eigene Methoden und Vorurteile. Und ja, in die Fettnäpfchen der unterschiedlichen Milieus wird bereitwillig hineingesprungen. Das alles kennt und erwartet man. Regisseur und Autor David Charhon geht aber noch ein paar wichtige Schritte weiter und achtet stark auf die Darstellung einer echten Entwicklung beider Charaktere.

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Eigentlich ist die Ausgangslage des Films wahnsinnig konventionell: Hier Ousmane (Omar Sy, „Ziemlich beste Freunde“), Polizist im Pariser Vorort Bobigny mit vermeintlicher Street-Credibility und losem Mundwerk. Auf der anderen Seite François (Laurent Lafitte), schnöseliger Polizist im noblen 8. Pariser Bezirk und egozentrischer Frauenheld. Beide müssen – natürlich ungewollt – zusammen den Mord an der Frau des reichen Industriellen Chaligny (André Marcon) aufklären.

Doch die Ermittlungen finden vor einem heiklen Hintergrund statt: Aufgrund zäher Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften droht ein Generalstreik in Frankreich. Chaligny ist Verhandlungsführer. Ermittlungen im Umfeld des Industriellen könnten brisante Informationen hervorbringen …

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Eine delikate Angelegenheit. Aber selbstverständlich steht die chaotische Dynamik des ungleichen Duos anfangs ebenso zwischen erfolgreichen Ermittlungen, wie zahlreiche Sabotage-Versuche verschiedener Gruppen. Dass die Buddy-Cop-Komödie „Ein MordsTeam“ dabei nicht in jedes „Beverly Hills Cop“-Klischee fällt, ist nicht nur eine angenehme Überraschung, sondern auch ein Verdienst des charmanten Hauptdarstellerduos.

Omar Sy und Laurent Lafitte dürfen starke, gleichberechtigte Charaktere spielen, mit Vorgeschichten, Schwächen und Problemen. Ousmane ist alleinerziehender Vater und hat echte Sorgen, seinen Teenager-Sohn an die lokale Gangster-Szene zu verlieren. François fürchtet bei den Ermittlungen im Umfeld der Reichen und Schönen nicht nur um seinen Ruf, sondern auch um seine berufliche Karriere.

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Die zwei Gegensätze knallen dann auch oft genug aufeinander, was ihrer Beziehung eine erfrischende Abwechslung verleiht: Mal gibt Ousmane den schroffen Tölpel im Gespräch mit reichen Industriellen. Dann macht Schnösel François einen auf harten Cop bei der Befragung im Vorort, nur um plötzlich von Polizei-hassenden Gangstern umzingelt zu werden. Dennoch sind beide Figuren gleichberechtigt. Beide machen Fehler, beide geben mal den Dummen und mal den Klugen.

Regisseur Charhon umschifft dadurch Klischees sehr großzügig und baut stattdessen sogar eine Meta-Ebene auf, die offensiv damit umgeht: Nicht nur ist der Klingelton von Ousmanes Handy „Axel F.“ – die Titelmelodie von „Beverly Hills Cop“. Die beiden müssen auch erst mal ausdiskutieren, wer denn der beste Film-Polizist ist: Eddie Murphy alias Axel Foley aus „Beverly Hills Cop“ oder Jean-Paul Belmondo als Josselin Beaumont in „Der Profi“. Es ist dieser Mix aus elegant eingeflochtenen Anspielungen und selbstbewusster Eigenständigkeit, die aus „Ein MordsTeam“ sowohl eine gelungene Hommage als auch eine mitreißenden Action-Komödie machen. So erfrischend mag man seine Buddy-Cop-Filme.

Text: Sebastian Srb / Fotos: Senator Film Verleih
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: De l’autre côté du périph
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Senator / Central
Laufzeit: 94 Min.