Wo ist der Supermann?

 

Mit „Willkommen bei Habib“ und „Einmal Hans mit scharfer Soße“ konkurrieren gerade zwei deutsch-türkische Culture-Clash-Komödien um Zuschauer. „Einmal Hans mit scharfer Soße“ basiert auf dem Buch von Hatice Akyün und kämpft mit viel weiblichem Personal, „Habib“ hingegen setzt auf eine Männerrunde.

Beiden Filmen gemeinsam sind Darsteller, die auch schon bei „Almanya – Willkommen in Deutschland“ vor der Kamera standen, dem erfolgreichen Werk, an dem sich jede Migrationskomödie messen lassen muss.

Eigentlich hat Papa Ismail (Adnan Maral) seine Tochter Hatice (Idil Üner) am liebsten von allen. Nur heiraten soll sie.

 

Was bin ich eigentlich – deutsch oder türkisch? Stellte die Frage in „Almanya“ noch der sechsjährige Knirps der Familie, ist die Antwort für Hatice (Idil Üner) in „Einmal Hans mit scharfer Soße“ halbwegs klar: Sie, die Älteste von drei Geschwistern, fühlt sich mehr als Deutsche, solange sie nicht bei ihren Eltern (Adnan Maral und „Almanya“-Ensemblemitglied Siir Eloglu) auf der Couch sitzt. Muss sie da hin, zieht sie sich auf halber Strecke einen längeren Rock an und versucht die sonst gelebte Unabhängigkeit als Journalistin unter den Wohnzimmertisch zu packen. Davon, dass ihr Freund Stefan (Janek Rieke) sehr viel Zuneigung für türkische Traditionen entwickelt, fühlt sich Hatice eher im Stich gelassen denn geschmeichelt.

 

Der sehnlich erwartete Schwiegersohn in spe kommt beim Antrittsbesuch nicht bei der Familie in Salzgitter an: Hatice lässt ihn auf halber Strecke am Straßenrand stehen. Mit Beziehungen macht sie öfter kurzen Prozess. Von ihr aus kann das so weitergehen bis der Richtige kommt, die perfekte Mischung aus deutschem und türkischem Supermann. Doch dann erfährt sie, dass sie sich ziemlich schnell entscheiden muss. Ihre jüngere Schwester Fatma (Sesede Terziyan) ist schwanger, und da das bald für jedermann zu sehen ist, muss sie heiraten. Dies wiederum kann sie nur, wenn Hatice, die ältere, untergebracht ist.

Das sieht aus, als wäre der Richtige gefunden: Hatice (Idil Üner) küsst Hannes (Steffen Groth).

 

Natürlich ist das die beste Voraussetzung für eine Komödie, allerdings auch keine wirklich originelle. Es wird recht hektisch im Verlauf von „Einmal Hans mit scharfer Soße“. Möglicherweise werden ein wenig viele Männer aufgetischt, die Hatice aus irrwitzigen Gründen als Gatten in spe in Betracht zieht. Da verliert man leicht den Überblick. Schöner sind die stilleren Momente, die sentimentalen Ampelgespräche, die der Papa mit seiner Ältesten im Auto führt. Niedlich auch das anatolische Dorf, das nur in Hatices Kopf existiert, mit Forderungen und moralischen Vorschriften nervt und so auch mal einen One-Night-Stand zerstört. So wie Woody Allen mal einen griechischen Chor am Bildrand flanieren ließ, schrumpft Alakus das anatolische Dorf zum Miniaturgewissen, das sich immer wieder Gehör verschafft.

 

Dieses Hin- und Hergerissensein zwischen deutscher Freiheit und türkischer Leidenschaft ist ein Thema mit einer riesigen Spielwiese. Buket Alakus macht daraus keine Kopftuchgeschichte, sondern eine moderne Beziehungskomödie, wobei die Beziehung erst zum Schluss zustandekommt, denn Männer fallen mit minimalem Fehlverhalten schon durchs Raster ihrer selbstbewussten Hatice. Idil Üner handhabt das als Hauptdarstellerin charmant.

Langsam wird es Papa Ismail (Adnan Maral) zu bunt. Er lernt mehrere Anwärter kennen, die Hatice (Idil Üner) angeblich heiraten will. Einer davon ist Hannes (Steffen Groth, rechts).

 

Auf die Frage, ob türkische Frauen wirklich so selbstbewusst sind wie im Film dargestellt, sagt Buket Alakus: „Selbstverständlich. Natürlich gibt es in der Türkei moderne, attraktive Frauen, die enge Oberteile und Miniröcke tragen. Da muss man nur mal durch die türkischen Sender zappen oder Magazine durchblättern. Die Türkei ist vieles, nicht nur das eine.“

 

Text: Claudia Nitsche / Fotos: © Wüste Medien GmbH / Boris Laewen
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: NFP
Laufzeit: 96 Min.