Wer stirbt als Nächster?

Eine junge Frau, ganz in Weiß, öffnet die Flügeltüren zu einer Entbindungsstation. Schwestern mit Hauben eilen an ihr vorbei, fernes Kindergeschrei, aber es sieht irgendwie unordentlich aus. Neugierig nähert sich die junge Frau einer Wiege. Als sie das Tuch darin zurückschlägt, schnellt eine Männerhand in Manschette und Anzugärmel hervor und würgt ihre Kehle. In ähnlicher Weise greift „Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes“ auch nach dem Publikum – mit Repertoirekunststücken der guten alten Horrorschule, die auch durch jahrzehntelange Wiederholung nichts von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Dass der britische Regisseur Tom Harper („The Scouting Book For Boys“) seine Grusel-Tricks in der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufführt, steigert ihre Wirkung dabei auf beklemmende Weise.

Wer ist der Irre, der immerzu flüstert: "Wer stirbt als Nächster ..."?

 

London, 1941: Nacht für Nacht flüchtet die Bevölkerung vor den deutschen Luftangriffen in die U-Bahn-Tunnel. Die junge Lehrerin Eve Parkins (Phoebe Fox) ist deshalb sehr erleichtert, als sie ein paar Kinder begleiten darf, die auf dem Lande evakuiert werden. Doch dort lauern andere Gefahren. Ihre Unterkunft, ein zerfallenes Herrenhaus auf einer Insel, die nur bei Ebbe erreichbar ist, wird anscheinend von übernatürlichen Kräften beherrscht.

 

Der kleine Edward (Oaklee Pendergast), stumm seit dem Bombentod seiner Eltern, scheint eine Art Köder für andere Kinder zu sein, die unter geheimnisvollem Einfluss Selbstmord begehen. Es ist, als ob das Jenseits selbst nach ihnen greift und flüstert: „Wer stirbt als Nächster?“ Eve nimmt den Kampf gegen die unheimlichen Mächte auf. Sie begegnet einer geheimnisvollen Gestalt namens Jeanette. Oder sind es nur Visionen? Kampfpilot Harry (Jeremy Irvine), in der Gegend stationiert, scheint ihr zu glauben.

Die Lehrerin Eve Parkins (Phoebe Fox) nimmt sich des seltsamen Jungen Edward (Oaklee Pendergast) an.

 

Im ersten Teil „Die Frau in Schwarz“ war „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe der Star, in der Fortsetzung ist es der innere Terror. Eve ist traumatisiert, seit man der Unverheirateten schon kurz nach dessen Geburt den Sohn weggenommen hat, Harry, seitdem er abgeschossen wurde. Die alten Dinge um sie herum, Puppen, Leuchter und Bilder drücken die eigenen Erfahrungen der Trauer und des Verlustes aus.

 

Eine Grammophon-Platte erzählt Eve und Harry die Geschichte vom Tod eines Kindes, dem eine gespenstische Frau das Leben raubte. Es ist das ferne Echo eigener Schrecken. In den Überresten der Vergangenheit und der permanent bedrohlichen Atmosphäre des Krieges finden die eigenen Dämonen wie selbstverständlich ihre Heimstatt. Sie zeigen sich in schockhaft anwesenden und ebenso schnell wieder verschwindenden Fratzen, poltern und kreischen im alten Gemäuer und lassen die Toten scheinbar lebendig werden.

Pilot Harry Burnstow (Jeremy Irvine) will Eve (Phoebe Fox) gegen die Macht eines weiblichen Gespenstes verteidigen.

 

Mit viel Nebel und in den leicht verwaschenen Farben eines vermeintlichen Films von gestern lässt „Frau in Schwarz 2“ recht ordentlich schaudern. Das Erzählmuster, das nach und nach zum Vorschein kommt, mag zwar allzu vertraut sein, die Versuchungen durch das Böse etwas zu mechanisch abgespult werden. Den Unterschied macht aber das zeitliche Setting: Weil man um die Furchtbarkeit und das Grauen jener Jahre weiß, erscheinen die Figuren doppelt verletzlich. Weshalb das Bangen um Eve und Edward, um Harry und die anderen Kinder auch doppelt so groß ist.

 

Text: Andreas Günther
Fotos: © 2014 Concorde Filmverleih / Angelfish Films Limited / Nick Wall
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Das Grauen - in Zeiten des Krieges: Der Horror-Thriller "Die Frau in Schwarz 2: Der Engel der Todes" zeigt die Schrecken des inneren Terrors.

 

 

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: The Woman in Black: Angel of Death
Genre: Horror
Freigabealter: 12
Verleih: Concorde
Laufzeit: 99 Min.