Todesmutig und naiv

Vor 20 Jahren gab es einen ähnlichen Film, was Zeit und Raum angeht. „Im Namen des Vaters“ war dem Anlass entsprechend ernst. Er nimmt seinen Anfang im Belfast der 70er-Jahre, in einer Zeit voller Unruhen. Dort spielt auch „Good Vibrations“ (2012). Die wahre Geschichte über Terri Hooley ist jedoch fast ein Feel-Good-Movie.

Die Regisseure Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn setzen dem irischen Punkgott ein Denkmal. Dieser Verrückte glaubte nämlich, dass man Bomben und Hass mit Musik bekämpfen könnte und eröffnete einen Plattenladen in einer umkämpften Straße in seinem Heimatort Belfast.

Gegen jede Logik: Terri (Richard Dormer) eröffnet mittein Belfast einen Plattenladen als Treffpunkt für Musiker und Freaks aller Art. Allen voran er selbst.

 

Todesmutig oder naiv, das ist Terri Hooley (Richard Dormer) wohl. Aber er war schon immer ein besonderer Junge, nicht nur, weil er ein Glasauge hat, mit dem man die Welt ganz anders sehen kann. Sagen jedenfalls die Ärzte. Sogar seine Eltern sind eigenartige Leute, machten einfach nicht mit beim Streit zwischen Katholiken und Protestanten. Terri wurde älter, arbeitete als DJ, bis die Leute wegblieben. Dann hatte er die Idee mit dem Plattenladen. Er eröffnet das „Good Vibrations“ und weil Terri eine Menge Ahnung von Musik hat, kommen etliche Freunde und Bekannte und halten sich auch an seine Regeln. Krieg muss nämlich draußen bleiben.

 

Terri bewegt was in der Punklandschaft und sein Stellenwert wird größer. Er entdeckt Bands, läuft sich unbeirrbar die Hacken wund, gründet ein Label und bringt die Undertones bei John Peel im Radio unter. Wie alle Freaks mit hohen Idealen hat auch dieser Mann seine Schwachstellen. Organisation oder den Umgang mit Geld zum Beispiel. Auch seine schwangere Frau (Jodie Whittaker) muss sich in der zweiten Reihe hinter der Musik anstellen, was sie nicht allzu lange tut.

Gute Musik bringt ihn zum Strahlen: Terri (Richard Dormer, vorne) liebt gute Musik und er erkennt sie, wenn er sie hört.

 

Privat ist Terri Hooley eine ziemliche Null, und auch die Bands schnaufen öfter mal ganz tief durch, wenn er mal wieder einen Deal ausgehandelt hat und zwar getreu seinem Motto „nimm nur so viel wie du brauchst und lass dich nicht kaufen“.

 

Nichtsdestoweniger legt er Grundsteine für Karrieren. Und ist eine faszinierende Person, von deren Leben man gar nicht genug erfahren kann. Denn in immer kürzer werdenden Abständen kommentiert man das Leinwandgeschehen mit einem „Gibt’s doch gar nicht“. Aber es gibt Terri wirklich. Und sein Laden schloss erst 2011.

Bier und Punkmusik und die Welt ist in Ordnung für Labelgründer und Ladenbesitzer Terri Hooley (Richard Dormer). Der liebenswerte Chaot wird in "Good Vibrations" porträtiert.

 

Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn setzen ihn gemeinsam sehr liebevoll in Szene. Terri Hooley ging einen neuen Weg voller Entschlossenheit, aber er war auch weltfremd. Diese Mischung spielt Theaterschauspieler Richard Dormer, geboren in Nordirland, absolut unwiderstehlich. Nie wird er das Label wieder loswerden, wird für die Meisten der Terri bleiben so wie hierzulande Richy Müller der „Richy“ aus „Die große Flatter“. Aber das sollte eine Ehre sein. Denn solch facettenreiche, wenig weichgezeichnete Biopics passieren selten. „Good Vibrations“ ist zum Lachen, zum Weinen und liefert außerdem eine Menge Informationen. Eine echte Entdeckung.

 

Text: Claudia Nitsche / Fotos: © Rapid Eye Movies
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: Meisterwerk
Originaltitel: Good Vibrations
Genre: Besonderes
Freigabealter: 6
Verleih: Rapid Eye Movies
Laufzeit: 103 Min.