Insel der Liebe

„Als wir davon hörten, sind wir sofort hierher gekommen“, sagt ein deutscher Tourist in das Mikrofon der Fernsehjournalistin. Seine Frau nickt dazu zustimmend. Wie viele andere Fremde wollen sie ihren Kinderwunsch auf dem dalamatinischen Eiland verwirklichen, dessen Geburtenrate mehr als 70 Prozent über dem kroatischen Durchschnitt liegt. Das Meer soll hier Fruchtbarkeit bringen, da badet man auch schon mal im Dezember. Von der „Insel der Liebe“ spricht man längst – und von einem Wunder. Der junge Pater Fabijan (Kresimir Mikic) weiß jedoch am besten, dass der Nachwuchs sich gewissermaßen hartem Handwerk verdankt. „Gott verhüte!“ ist eine Sittenkomödie, die auch bei dramatischen Nebenwirkungen des Babybooms zumindest einen optimistischen Grundton beibehält, ohne irgendwie banalisierend zu wirken.

Pater Fabijan (Kresimir Mikic) und der Apotheker Marin (Drazen Kuhn, links) handeln nicht unbedingt mit dem Segen von oben.

 

Bei seiner Ankunft auf der Insel stand Pater Fabijan ganz im Schatten seines gutmütigen älteren Kollegen Pater Jakov (Zdenko Botic). Der glänzt beim Singen, beim Fußball- und Boulespiel und nicht zuletzt mit seiner jugendlichen Sakropop-Truppe. Den jungen Priester erbittert das umso mehr, als Jakov das demografische Problem der Insel nicht anpackt. Nur Todesfälle, aber weder Hochzeiten noch Taufen! Die Insel stirbt aus, wenn nichts geschieht.

 

Durch die Beichte des Kioskverkäufers Petar (Niksa Butijer) erfährt er, woran das liegt: Es werden einfach zu viele Kondome verkauft, nicht zuletzt durch Petar. Der Pater weiß Rat. Er piekst winzige Löcher in die Kondome, die Petar veräußert. So werden Kinder gezeugt, ohne dass die Beteiligten es ahnen. Als auch der streng katholische Apotheker Marin (Drazen Kuhn) statt der Pille nur noch Vitamine verkauft, wähnt sich Pater Fabijan auf der Erfolgsspur. Aber er vermag die Komplikationen seines Tuns nicht vorauszusehen.

Keine schwangere Frau darf entkommen! Zur Not wollen Pater Fabijan (Kresimir Mikic, links) und Petar (Niksa Butijer, rechts) sie noch von der Fähre zurückholen.

 

Respektlos gegenüber Autoritäten, augenzwinkernd frivol, skurrile Charaktere, herrlich absurd in den Verwicklungen und mit einer tragischen Note im Knopfloch: Balkan-Possen können es in sich haben. Nicht umsonst schöpfte einst Hollywoods Komödien-König Ernst Lubitsch kräftig aus südosteuropäischen Lustspielen. Emir Kusturica („Schwarze Katze, weißer Kater“) steht fallweise in dieser Tradition, der sein kroatischer Kollege Vinko Bresan nun mit „Gott verhüte!“ die Ehre erweist.

 

So wenig wie eine Kinderschar fällt hier die Komik vom Himmel. Und sie ist nicht nur sonnig, sondern hat auch schattigere Seiten. Eingepflanzt in den Alltag, inmitten von Menschen mit liebenswerten und weniger liebenswerten Schwächen, dreht das Skript an der Schraube der ambivalenten Gefühle, die der Priester immer stärker dem entgegenbringt, was er tut oder sagt. Darf er zulassen, dass seine Helfershelfer Zwang auf Frauen ausüben, damit sie ihr Kind austragen? Darf er unter einer Handvoll Kandidaten denjenigen bestimmen, der Vater des Kindes einer sitzengelassenen Mutter sein soll? Spätestens wenn der Bischof über Fabijan nicht etwa entsetzt ist, sondern glücklich lachend über dessen List als schwarzer Kegel auf seiner Yacht wieder entschwindet, weiß er, dass er wirklich etwas falsch gemacht hat.

Gott verhüte

 

In den heiteren Rahmen lugt immer wieder der ernste Hintergrund für den Kindermangel herein – die Traumata des Krieges. Von deren Ausmaß muss auch der komfortabel dasitzende deutsche Zuschauer zumindest etwas ahnen dürfen. Andernfalls wäre sein Gelächter im luftleeren Raum.

 

Text: Andreas Günther / Fotos: © Neue Visionen Filmverleih
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Svecenikova djeca
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
Laufzeit: 97 Min.