Sänger, singe Deinen ungesungenen Song

„Hey“, gröhlt der angetrunkene Gilbert (Alain Chabat) auf dem Supermarktparkplatz zwei Jungen an, „habt Ihr was zu rauchen?“ Da muss Thomas (Max Boublil) den Vater seiner Freundin einfach ein bisschen zur Räson bringen: „Mann, die sind doch gerade einmal zehn Jahre alt!“ Einen Tipp, bei wem sie Gras kaufen können, bekommen die beiden trotzdem.

Dann herrscht wieder jene gute Stimmung zwischen Fast-Schwiegervater und Fast-Schwiegersohn, die auch fürs Publikum ansteckend ist. Pubertäre Exzesse machen Buddie-Movies meistens anstrengend. Die französische Produktion „Große Jungs – Forever Young“ hingegen wartet mit intelligentem Humor, Feingefühl und sanftem Sog in die Leichtigkeit auf. Zuverlässiger Dreh- und Angelpunkt ist der Traum zweier sehr unterschiedlicher Männer von der nachgeholten Popmusik-Karriere.

Mit Skating versucht Gilbert (Alan Chabat, links) wieder jung zu werden, Thomas (Max Boublil) unterstützt ihn etwas ungelenk.

 

Obwohl Thomas doch so tolle Songs auf Lager hat, blieb ihm der Durchbruch als Musiker bisher versagt. Bei einer jener Hochzeiten, auf denen er für ein paar Euro in die Klampfe greift, lernt er immerhin Lola (Mélanie Bernier) kennen. Die attraktive Brünette könnte die Frau seines Lebens werden. Sie verloben sich. Aber ist Thomas bereit für eine bürgerliche Ehe mit festem Job?

 

Die Begegnung mit Lolas Vater Gilbert lässt ihn zögern. Seit der ehemalige Mittelständler seine Firma verkauft hat, führt er ein Schattendasein als Couch-Potato. Während Gattin Suzanne (Sandrine Kiberlain) Pläne schmiedet, das Familienvermögen dem Brunnenbau in Afrika zukommen zu lassen, zeigt Gilbert dem künftigen Angetrauten seiner Tochter, was von seinen einstigen künstlerischen Ambitionen übrig geblieben ist – ein Schlagzeug im Abstellraum: „Jetzt trocknet darauf nasse Wäsche.“

Ehe-Kritik beim Abendessen: Die frisch gebackenen Verlobten Thomas (Max Boublil, links) und Lola (Mélanie Bernier) bekommen es mit den Partnerschafts-Veteranen Suzanne (Sandrine Kiberlain, rechts) und Gilbert (Alain Chabat), Lolas Eltern, zu tun.

 

Bei Thomas bleibt das nicht ohne Eindruck. Als es zum Streit mit Lola kommt, zieht Thomas zu Gilbert, der inzwischen in der alten Studentenbude seiner Tochter haust. Gemeinsam wollen sie Thomas’ Songs zu Hits machen. Dass Gilbert Geld hat, erleichtert die Sache. Doch das Musikbusiness erweist sich als skurril und unberechenbar.

 

Vom Bohei um Iggy Pops Gastauftritt abgesehen, legt Regie- und Drehbuch-Neuling Anthony Marciano erstaunliche Reife an den Tag. Wenn Gilbert vor seiner völlig aufgelösten Tochter zu verbergen sucht, dass Thomas gerade in seinem Badezimmer gut gelaunt duscht und föhnt, wird eine von vielen konzentrierten Glanzleistungen geliefert. Die komödiantische Standardsituationen wird durchdekliniert und gleichzeitig mit neuem Pep gewürzt. Nicht nur der taktvolle Thomas und der melancholische Gilbert, auch die Frauen sind vielschichtige, hervorragend verkörperte Charaktere.

Lola (Mélanie Bernier) hat eigentlich alles, um für Thomas die Frau fürs Leben zu sein.

 

Weil er seine Tochter liebt und ihr Glück wünscht, ist Gilbert über den Bruch zwischen ihr und Thomas traurig, traut sich aber nicht, es zu zeigen. Indessen verhalten sich Suzanne und Lola erfrischend selbstständig: Während der Auszeit ihrer Partner mangelt es ihnen nicht an alternativen Liebhabern. Wie Thomas und Lola große Gefühle ironisch zu formulieren und im Bett Pornodarsteller zu mimen, dürfte dabei Bindungsängste ziemlich genau treffen. In die Schlusskurve einer romantischen Komödie zu gehen, zieht deshalb allerdings nicht richtig: Der übrige Witz im Film ist dafür einfach zu wahr.

 

Text: Andreas Günther / Fotos: © Majestic
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Les Gamins
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: NFP
Laufzeit: 97 Min.