Es is wie’s is

Seit 25 Jahren steht Hubert von Goisern, der Alpenrocker und Volksmusik-Rebell, auf den Bühnen Europas. Als Musiker aus Berufung ist er stets seinen Weg gegangen. Kompromisslos, unverkennbar, mit einem entschiedenen Ja zu sich selbst. Viele seiner Lieder haben Kult-Status erlangt. Allerspätestens seit der Veröffentlichung seines Erfolgsalbums „Entwederundoder“ (2011) ist der kritische und sensible Poet aber nicht nur im Kreis der Alpenrock-Fangemeinde eine anerkannte Größe.

Und der 62-Jährige steht nicht still: In diesem Jahr ist er mit einem Live-Programm unterwegs, im Mai erscheint sein zehntes Studioalbum „Federn“. Über seine Entwicklung zwischen den Höhepunkten seiner Karriere weiß indes man wenig. Die Frage, was von Goisern zwischen seinen größten Hits „Koa Hiatamadl“ (1992) und „Brenna tuats guat“ (2011) gemacht hat, bildet den Ausgangspunkt für Marcus H. Rosenmüllers unaufgeregte Rückschau auf ein bewegtes Künstlerleben.

Der Poet mit der Ziehharmonika: Hubert von Goisern.

 

Der Morgen bricht an am idyllischen Hallstättersee in Oberösterreich. In aller Ruhe fährt ein Boot hinaus auf den See, an Bord Hubert von Goisern, er fährt zum Fischen. Dies ist die Kulisse für das Interview, hinter der Kamera fragt der bayerische Regisseur Rosenmüller, seinerseits profunder Kenner der alpenländischen Kultur. Hubert Achleitner, wie der nach seiner Heimatgemeinde Bad Goisern benannte Musiker bürgerlich heißt, lässt sich kein Etikett verpassen. Von Goisern, das ist melodische Lebensfreude vermengt mit einer unbändigen Lust am Grenzen sprengenden Musizieren. Von Goisern, das ist Alpenrock und Alpenpop, oder, wie ein amerikanischer Konzertbesucher es bezeichnet: „alpine grunge“. Allerdings mit Substanz. Denn auch für seine tiefsinnigen und zugleich humorvollen Texte wird der Österreicher geschätzt.

 

In Rosenmüllers Film wird dementsprechend auch viel philosophiert und sinniert, über das Leben und über die Musik, wobei der Fokus der Dokumentation auf der persönlichen und künstlerischen Entwicklung des Alpenrockers liegt. Eine der wichtigsten Stationen neben Aufenthalten in Afrika und Amerika ist das Wohnschiff, auf dem von Goisern im Zuge der „Linz Europa Tour“ (2007 bis 2009) zwei Sommer verbrachte. Er fuhr damit bis nach Rotterdam und lebte die Idee Europa dabei zumindest musikalisch auf eindrucksvolle Weise. Seine Musik verbindet die Nationen.

Freund und Kollege: Hubert von Goisern (links) mit Liedermacher Konstantin Wecker.

 

Neben dem Interview auf dem See hat Rosenmüller Gespräche mit den wichtigsten Wegbegleitern des vielseitigen Musikers geführt, darunter seine Produzenten Kurt Langbein und Hage Hein sowie sein früherer Lehrer, der einst bei seinem Schützling das Feuer für die Musik entfachte. Ergänzt wird die Roadmovie-Doku mit Archivmaterial, das von Goisern als jungen Bläser in Tracht zeigt oder aber beim etwas albernen Auftritt in der Frank-Elstner-Show „Nase vorn“.

 

Fest steht: Dieser Musikfilm ist ein Muss für alle Von-Goisern-Fans. Alle anderen Musik-Interessierten können dadurch dazulernen. Und im Idealfall wird auch bei ihnen das Feuer entfacht.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © Koch Media / Alan Markfield
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

"Hubert von Goisern - Brenna tuats's schon lang" zeichnet ein ausführliches Bild des legendären Alpenrockers.

 

 

 

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 0
Verleih: Movienet
Laufzeit: 94 Min.