Kunst & Cowboys

„Nur mit Dir – A Walk To Remember“ (2002), „Wie ein einziger Tag“ (2004), „Mit dir an meiner Seite“ (2010) – schlagereske Filmtitel wie diese versprechen nicht zu viel. Sie alle wurden von den Buchvorlagen des amerikanischen Schriftstellers Nicholas Sparks übernommen, der es seit jeher auf Herz und Tränendrüse abgesehen hat. „Kein Ort ohne dich“ reiht sich da herrlich ein. Und natürlich bekommt man sie auch in der neuesten Sparks-Verfilmung wieder zu sehen: Schöne Amerikaner aus dem Herzen des Landes, die sich verlieben und verlassen, um am Ende doch wieder zusammenzufinden. So bewegt sich auch diese Romanze in plakativ schmierige Gefilde, die nur Genre-Fans zu begehen imstande sind. Doch Regisseur George Tillman Jr. gewährt auf der straffen Fahrt zur nichtssagenden Schnulze auch ein paar wenige Blicke aus dem Fenster.

So schön, die zwei: Britt Robertson und Scott Eastwood spielen Sophia und Luke, ein (amerikanisches) Traumpaar.

 

Zurückgelegt wird der Weg natürlich in einem muskelbepackten Pick-up. Einen solchen fährt nämlich auch Luke (Clint Eastwoods Sohn Scott), der zuckersüße Cowboy mit dem Knackarsch und den stahlblauen Augen. Luke kümmert sich neben der heimischen Farm auch um seinen Ruf als echter Mann, einer, der wildgewordenes Vieh beim Bullriding im Zaum hält – oder zumindest die geforderten acht Sekunden nicht von den Ungetieren fällt. Das ist er nämlich vor wenigen Monaten erst, die Folgeschäden des Sturzes unterdrückt er natürlich mit Stolz. Gut so, denn bei einem dieser Rodeo-Events trifft sein Blick die süße Sophia (Britt Robertson) – und um die beiden ist es geschehen.

 

Blumenstrauß, gezogener Cowboy-Hut und Picknick am Baggersee – Luke macht seiner Angebeteten schnell klar, dass es „anders läuft, wo ich herkomme“. Doch die Zukunftspläne der Turteltäubchen überschneiden sich kaum: Luke will da bleiben, wo Männer den Frauen noch die Türe aufhalten und wo er als Bullenreiter „World Champion“ werden kann. Sophia dagegen hat ein Praktikum in New York vor Augen. So ist die junge Liebe schneller vorbei, als die Rindviecher die heißen Jungs vom Rücken schmeißen. Doch Autor Sparks weiß natürlich wie man Schicksal einsetzt. Und das begegnet dem Traumpärchen in Gestalt von Ira Levinson (Alan Alda), der von den beiden nach einem Autounfall selbstlos umsorgt wird.

In seinen alten Briefen erzählt Ira (Jack Huston) von seiner Liebe zu Ruth (Oona Chaplin).

 

Ira und seine Briefsammlung, die von einer bewegten Liebesgeschichte mit der bereits verstorbenen Lehrerin und Kunstsammlerin Ruth erzählt, lässt die geistesverwandte Sophia dann doch an die wahre Liebe glauben – und dass diese auch Unwegsamkeiten wie völlig unterschiedliche Lebensvorstellungen überstehen kann. In Rückblicken zeigt „Kein Ort ohne dich“ dann eine Romanze, die durch eine Verletzung Iras aus dem Zweiten Weltkrieg schwer erschüttert wurde: Er konnte keine Kinder mehr zeugen. Es mag an der Eleganz vergangener Tage liegen, die in diesen Retrospektiven gezeigt wird, doch jeder Moment zwischen den jungen Ira und Ruth (gespielt von Jack Huston und Oona Chaplin) wirkt ehrlicher und echter als die Liebelei in der Jetztzeit. Der Schmerz durch den unerfüllten Kinderwunsch etwa wird von Chaplin ergreifender dargestellt als alles, was rund um den Cowboy und seine Kunststudentin passiert.

 

Zwischenzeitlich fällt es in „Kein Ort ohne dich“ allerdings schwer, sich auf die wenigen, dann doch berührenden Momente einzulassen. Zu viele Fässer macht Nicholas Sparks in seiner Geschichte auf: Zwei Pärchen, vier verschiedene Träume, die nicht einmal in 130 Minuten allesamt ausreichend ausformuliert werden können. Interessante Aspekte, wie das tatsächlich zwischen 1933 und 1956 existente Kunstinstitut Black Mountain College, für das sich Ruth und später Sophia so begeistern können, verkommen so zur leblosen Nebenszenerie. Die Konzentration liegt dann doch auf schöne Bilder und den vor Hingabe glänzenden Augen – und damit konnten sich Sparks-Anhänger schon in der Vergangenheit gut und gerne abfinden.

 

Text: Max Trompeter / Fotos: © 2015 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

In "Kein Ort ohne dich" passiert viel, aber wenig überraschendes. Sein hehres Ziel erreicht die Romanze dann aber natürlich doch noch.

 

 

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Longest Ride
Genre: Drama
Freigabealter: 6
Verleih: Fox
Laufzeit: 129 Min.