Ein Imbiss für eine Vater-Sohn-Beziehung

„Heute kommt ein Kritiker“ – für Carl Casper ist diese Ansage der Anfang vom Ende. Der Sternekoch blamiert sich bis auf die abgenagten Knochen eines halben Hähnchens, verliert seinen Job, entfremdet sich von seinem Sohn und landet in einem schäbigen Fast-Food-Truck. Aber weil Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Jon Favreau aus „Kiss The Cook – So schmeckt das Leben“ eine äußerst gefällige Wohlfühlkomödie macht, wird aus dem Kritikerbesuch die ultimative Chance für einen Neuanfang: Der schmeckt nach kubanischen Sandwiches und großer Freiheit. Carl findet einen neuen Job, nähert sich seinem Sohn an, und sein Fast-Food-Truck wird zu einem kulinarischen Großereignis. Ganz nebenbei bekommt er jede Menge Lektionen über das Wesen und Unwesen sozialer Netzwerke.

Carl Casper (Jon Favreau) und sein Sohn Percy (Emjay Anthony) nähern sich auf einem Road-Trip im Fast-Food-Truck an.

 

Die Küche des Edelrestaurants „Gauloises“ ist seit Ewigkeiten das zweite Zuhause von Carl Casper. Hier wurde er zum Sternekoch, für sein Menü stehen die Leute Schlange. Nur wenigen Leuten fällt auf, dass Carl immer das Gleiche kocht. Einer davon ist Ramsey Michel (Oliver Platt): Der oberste Food-Blogger von Los Angeles verreißt Carls Kreationen auch prompt.

 

Dass der Koch ausgesprochen sauer ist, versteht sich von selbst. Dabei weiß er nur allzu gut, dass er im eigenen Saft schmort. Aber wenn der Chef (Dustin Hoffman in einer giftigen Nebenrolle) ihm Experimente verbietet, sind ihm nun mal die Hände gebunden. Dabei hat der Mann durchaus Ideen, wie die immer wieder eingestreuten Foodporn-Passagen zeigen: Wenn Carl das Kochen zur Kunst erhebt, möchte man die Nachos in den Papierkorb werfen.

Lachen ist das beste Rezept: Im "El Jefe Cubanos"-Truck haben Percy (Emjay Anthony, links), Martin (John Leguizamo, zweiter von links), Carl (Jon Favreau) und Inez (Sofia Vergara) Spaß beim Kochen.

 

„Ich brauche keine Hilfe, ich brauche Freiraum“, schreit er wütend und wird zum Internet-Star: Sein Wutausbruch entwickelt sich zum Youtube-Hit. Und dann kommt auch noch die Sache mit Twitter hinzu: Carl gehört zu jener Generation, die mit sozialen Netzwerken nicht viel anfangen können. Aus Unwissenheit beleidigt er seinen Kritiker und entfacht dadurch einen Shitstorm, der ihn ins Abseits bläst.

 

Carl steckt nicht nur in einer kreativen Sackgasse, auch sein Privatleben steht Kopf: Die Ehe mit der heißblütigen Inez (Sofia Vergara) ist gescheitert, zu seinen Sohn Percy (Emjay Anthony) hat er den Draht verloren. Weil er irgendwas ändern muss, macht sich Carl eben auf die Reise. Er kauft sich in Miami einen Fast-Food-Truck und findet auf einem kulinarischen Roadtrip durch den Süden der USA nicht nur seine Leidenschaft wieder, sondern auch seinen Sohn und nicht zuletzt sich selbst.

Sie sind alle aufgrund von Facebook und Twitter da: Weil sich Carls (Jon Favreau, rechts) Sohn gut mit sozialen Medien auskennt, stimmt der Umsatz.

 

Unterwegs bekommt der Koch von seinem Sprössling Lektionen im Umgang mit Social Media. Teilweise mutet der Film wie ein VHS-Kurs über Facebook, Youtube und Twitter an: Percy spielt die Klaviatur des Social Webs so virtuos, dass der „El Jefe Cubanos“ getaufte Fast-Food-Truck bei jedem Zwischenstopp von einem hungrigen Flashmob heimgesucht wird.

 

Jon Favreau, der seine Karriere als Schauspieler in Indie-Filmen begann und zwischenzeitlich Mega-Blockbuster wie „Iron Man“ inszenierte, besinnt sich in „Kiss The Cook“ auf seine Wurzeln. Sein Film ist ein grundsympathischer Mix aus Familiendrama, Vater-Sohn-Geschichte und Roadmovie – solide geschrieben, liebevoll inszeniert und mit viel Lust gespielt. Kurze, verschmitzte Auftritte von Dustin Hoffman, Scarlett Johansson und Robert Downey Jr. inklusive.

Scarlett Johansson hat als melancholische Kellnerin Molly eine kleine Nebenrolle.

 

Nette Menschen, nette Bilder, nette Geschichte – die Zutaten für die Wohlfühlkomödie stimmen. Allerdings fehlt die rechte Würze. Die Konflikte werden weichgekocht und häppchenweise serviert, damit sich niemand verschlucken kann. Das ist durchaus legitim, weil „Kiss The Cook“ vor allem ein Film zum Genießen sein will. Das Rezept stimmt, man kann ihn guten Gewissens servieren, ohne dass sich jemand den Magen verdirbt. Selbst die altbackene Dramaturgie und das überaus fluffige Happy End können „Kiss the Cook“ nicht verderben. Nur wer sich etwas schärfere Kinokost wünscht, wird wohl nicht recht glücklich werden.

 

Text: Andreas Fischer / Fotos: © 2015 Sous Chef, LLC. / Koch Media Films GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Einfach mal genießen: "Kiss the Cook - So schmeckt das Leben" ist eine gefällige Wohlfühl-Komödie mit Social-Media-Lektion und kubanischer Küche.

 

 

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Chef
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Studiocanal
Laufzeit: 114 Min.