Romantischer Hindernislauf

Gut 25 Jahre ist es her, dass Regisseurin Nora Ephron in der Liebeskomödie „Harry und Sally“ (1989) über die Fallstricke einer rein platonischen Mann-Frau-Beziehung sinnierte. Doch selbst eine ganze Generation später scheint man, zumindest filmisch, immer wieder zum gleichen Schluss zu gelangen: Irgendwann funken die Gefühle dann eben doch dazwischen. In der Romanadaption „Love, Rosie – Für immer vielleicht“ erzählt Christian Ditter die tragisch-verzwickte Geschichte zweier bester Freunde, die mehr füreinander empfinden als sie zugeben wollen.

Rosies (Lily Collins) 18. Geburtstag wird zum verhängnisvollen Wendepunkt ihrer Beziehung zu Alex (Sam Claflin).

 

Rosie (Lily Collins) und Alex (Sam Claflin) kennen sich schon ihr ganzes Leben lang. Gemeinsam im beschaulichen England aufgewachsen, teilen die Freunde seit Kindertagen eine Fülle an Erinnerungen. Ob skurrile Träume oder geheime Schwärmereien, die Freundschaft der beiden kennt keine Geheimnissejedenfalls bis auf die Gefühle, die sie im tiefsten Inneren füreinander hegen. Als ein alkoholischer Totalausfall an Rosies 18. Geburtstag die erste romantische Annäherung der zwei vereitelt, ist eine Verkettung unglücklicher Missverständnisse vorprogrammiert. Weil keiner der Teenager sich die Blöße eines potenziell unerwiderten Liebesoutings geben will, wenden sich beide anderen Partnern zu und erleben ihre jeweils ersten amourösen Abenteuer getrennt voneinander.

Nach einem verhängnisvollen Verhütungsunfall beim Schuldball bittet Rosie (Lily Collins) ihren besten Freund (Sam Claflin) um Hilfe. Noch ahnt keiner der beiden, welch gravierende Folgen der Abend haben wird.

 

Als Rosie durch einen, zumindest aus Publikumssicht, unweigerlich komischen Verhütungsunfall schwanger wird, mutiert der gemeinsame Alltag der Liebenden in spe plötzlich zu zwei komplett konträren Lebensweisen: Während Rosie sich im Viktorianischen Reihenhaus durch den harten Alltag einer alleinerziehenden Mutter kämpft, verwirklicht Alex den gemeinsam gefassten Plan eines aufregenden Studentenlebens in den USA. Doch nicht nur die räumliche Trennung stellt die Beziehung der beiden fortan auf eine harte Bewährungsprobe. So münden eine Reihe verpasster Gelegenheiten, zweifelhafter Liebesaffären und verflixt schlechtes Timing in einem erbitterten, zwölfjährigen Hindernislauf um die große gemeinsame Liebe.

Nach einem Streit mit Alex (Sam Claflin) lässt Rosie (Lily Collins) sich ein zweites Mal auf High-School-Liebe Greg (Christian Cooke) ein. Ob das eine gute Idee ist?

 

Mit der deutsch-britischen Koproduktion „Love, Rosie“ gibt Regisseur Christian Ditter („Vorstadtkrokodile“) sein englischsprachiges Debüt. Die romantische Komödie, die auf Cecilia Aherns Bestseller „Für immer vielleicht“ basiert, berichtet von der bittersüßen Wechselwirkung von Schicksal und Liebe und hat ausreichend gefühliges Potenzial, um so manch eingefleischten Romantiker ins Schwelgen zu versetzen.

Als Rosie (Lily Collins) schwanger wird, trennt sich ihr Lebensweg von dem ihres besten Freundes. Fortan bestimmt das Baby ihren Alltag.

 

Entgegen seiner Romanvorlage, die sich narrativ ausschließlich über Briefe, E-Mails und Telefonate entfaltet, weist „Love, Rosie“ eine konventionelle dramaturgische Struktur auf, die zeitweise an die erste Ahern-Adaption „P.S. Ich liebe dich“ erinnert. Und doch kommt „Love, Rosie“ lockerer daher als der Vorgänger: So werden Schlüsselszenen des Films von ironisierenden Songs untermalt – man denke an Salt ‘n’ Pepas „Push it“ bei der Geburt von Rosies Tochter – und das erfrischend unverfrorene Fluchen der Protagonisten zieht sich ähnlich eines roten Fadens durch den gesamten Film.

Seit Kindertagen sind Rosie (Lily Collins) und Alex (Sam Claflin) ein Herz und eine Seele. Dass sie mehr füreinander empfinden, wollen sich die Freunde aber nicht eingestehen.

 

Stellenweise jedoch schießt Ditter etwas übers Ziel hinaus, reißt bei Rosies und Alex’ romantischem Hindernislauf die ein oder andere Klischeehürde und beraubt die Charaktere um Situationen mit tiefergehendem Konfliktpotenzial und damit weiterer Entwicklungsmöglichkeiten. Trotzdem wartet „Love, Rosie“ mit einigen ernsthaft bewegenden Momenten auf, die nicht zuletzt der ausgesprochenen Harmonie Sam Claflins („Die Tribute von Panem – Catching Fire“) und Lily Collins geschuldet sind. Insbesondere die als Schneewittchen aus der Märchenverfilmung „Spieglein, Spieglein“ bekannte Collins schultert ihre Rolle scheinbar mühelos und transportiert glaubwürdig Rosies Gefühle über ihre großen braunen Rehaugen, deren Strahlkraft vielleicht bald auch bis nach Hollywood reicht.

 

Text: Claudia Hergert
Fotos: © 2014 Constantin Film Produktion GmbH / Jonathan Hession
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Love, Rosie
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Constantin
Laufzeit: 102 Min.