Würzig süß

Schon erstaunlich, dass auf der Leinwand oft und gern der Küchenherd angeworfen wird, um vor den Augen halbverhungerter Zuschauer die köstlichsten Speisen zu präsentieren. Nach Klassikern wie „Das große Fressen“ oder „Bella Martha“ ist es nun eine gewisse Madame Mallory, gespielt von renommierten „Queen“-Darstellerin Helen Mirren, die in dem südfranzösischen Örtchen Saint-Antonin-Noble-Val die Pfannen schwingen lässt, damit das von ihr geleitete Restaurant Le Saule Pleureur mit einem weiteren Stern ausgezeichnet wird. Madame Mallory führt ein strenges Regiment, jeden Morgen müssen ihre Köche und Kellner zum Appell antreten, um den Schlachtplan fürs heutige Menü zu erfahren und umzusetzen.

Verkochter Spargel im Restaurant von Madame Mallory (Helen Mirren)? Eine Katastrophe!

 

Allerdings kommt es bald tatsächlich zum Krieg, als direkt gegenüber ein alter Inder namens Kadam (Om Puri) kulinarische Köstlichkeiten aus seiner Heimat zum Verzehr anbietet. Die sowieso schon miesepetrige Madame findet das unerhört. Doch der Brandanschlag auf das indische Restaurant, den einer ihrer Angestellten eigenwillig begeht, empört sie weitaus mehr. Sie will Frieden und entdeckt in Kadams Sohn Hassan (Manish Dayal) einen begnadeten Koch, der es versteht, die französische Küche mit einem Hauch indischem Curry zu verfeinern. Er zaubert kulinarische Hochgenüsse, was der Mallory den ersehnten Stern einbringen könnte.

Madame Mallory (Helen Mirren) nimmt Hassan (Manish Dayal) unter ihre Fittiche.

 

Nur schade, dass man Hassans Speisen im Kino nur sehen, nicht aber riechen und schmecken kann. Mit raffinierten Nahaufnahmen und Bildschnitten wird daraus aber dennoch ein kinematographischer Hochgenuss. Nicht von ungefähr, denn Regisseur Lasse Hallström verführte sein Publikum schon vor 14 Jahren mit „Chocolat“, und dass er es gern ordentlich menscheln lässt, beweisen Werke wie „Gilbert Grape“ (1993) und „Gottes Werk & Teufels Beitrag“ (1999).

Madame Mallory (Helen Mirren) führt in der Küche ein strenges Regiment. Das weiß Marguerite (Charlotte Le Bon) nur zu gut.

 

So ist auch „Madame Mallory und der Duft von Curry“ bestes Wohlfühlkino mit Figuren, die einem mehr und mehr ans Herz wachsen und mit der weltberühmten Mirren als titelgebende Protagonistin ebenso perfekt besetzt ist wie mit den eher unbekannten Darsteller der indischen Familie. Natürlich müssen auch einige Klischees bedient werden, um ein paar Lacher zu ernten, die aber genauso auf Kosten französischer Eigenwilligkeiten gehen wie auf indische Traditionsbekenntnisse. Auch das schafft Hallström, der einst mit dem einzigen ABBA-Kinofilm berühmt wurde und es als Schwede bis nach Hollywood schaffte, mit einer Leichtigkeit eines Soufflés. Nebenbei fädelt er nicht nur eine, sondern gleich zwei süße kleine Lovestorys ein, wenn es zwischen der Madame und dem alten Inder knistert und sich Hassan in Marguerite (Charlotte Le Bon), die schöne Einkäuferin von Madame Mallory, verguckt.

Wenn sie will, kann Madame Mallory (Helen Mirren) auch ganz reizend sein. Sie will nur selten.

 

Das wirkt zwar manchmal etwas gewollt und ist sogar ziemlich vorhersehbar, aber man schluckt es, weil Liebe nun mal bekanntermaßen durch den Magen gehen soll. Nach „Madame Mallory und der Duft von Curry“ sollte man sich unbedingt ein Restaurantbesuch gönnen – das hat der Film verdient!

 

Text: Markus Tschiedert / Fotos: © 2014 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: The Hundred-Foot Journey
Genre: Drama
Freigabealter: 0
Verleih: Constantin
Laufzeit: 123 Min.