Keanus Fight Club

Was passiert, wenn Tradition und Moderne aufeinanderprallen? In seinem Regie-Debüt „Man of Tai Chi“ stellt Keanu Reeves den jungen Tai Chi Schüler Chen Lin-Hu (Tiger Hu Chen) auf die Probe, indem er ihn in zweifelhaften Kämpfen antreten lässt. Deren Organisator, den zwielichtige Geschäftsmann Donaka Mark, verkörpert Keanu Reeves persönlich.

Chen Lin-Hu (Tiger Hu Chen) wird in die Untergrundkämpfe von Donaka Mark verwickelt und zieht so die Aufmerksamkeit der Ermittlerin Sun Jingshi (Karen Mok) auf sich.

 

Damit hat Keanu Reeves nicht nur als Regisseur, sondern auch als Bösewicht Premiere. Die Rolle des eiskalten Businessman aus Hongkong scheint ihm jedoch auf den Leib geschnitten, man nimmt sie ihm ohne Wenn und Aber ab. Donaka Mark betreibt nicht nur eine Sicherheitsfirma, sondern lässt auch illegale Kämpfe austragen, die er einem elitären zahlenden Publikum überträgt. Nachdem er sich seines letzten Kämpfers entledigt hat, weil dieser sich weigerte, seinen Gegner zu töten, ist er nun auf der Suche nach einem Ersatz.

 

Dabei wird er auf Chen aufmerksam: Der Junge lebt eigentlich ein ruhiges und zufriedenes Leben fernab der schillernden Metropole. Er fährt die Post aus, versorgt damit die Familie und lernt im Kloster als letzter Schüler das einzigartige Ling Kong Tai Chi von Meister Yang (Yu Hai). Dadurch eignet er sich perfekt für Donakas Zwecke. Chen lehnt zunächst ab, für Geld zu kämpfen – das widerspreche der Tradition und dem Sinn des Tai Chi. Erst als Donaka das Kloster von Meister Yang in Geldnot bringt, lässt sich Chen darauf ein. Doch Donaka möchte mit ihm noch viel weiter gehen …

Der Tai Chi Schüler Chen Lin-Hu (Tiger Hu Chen, links) wird von Geschäftsmann Donaka Mark (Keanu Reeves) für ominöse Kämpfe für ausgewählte Zuschauer engagiert.

 

Dass Keanu Reeves selbst ein Verehrer der Kampfkünste ist, merkt man seinem Film deutlich an. Die grandios inszenierten Kämpfe wirken lange nach, was nicht zuletzt auch an der technischen Umsetzung liegt: Die Soundeffekte sind so druckvoll, dass jeder Schlag quasi auch im Kinosessel schmerzt. Das schillernde Hongkong wird in opulenten Einstellungen gezeigt und das Genre Martial Arts aus dem leicht angestaubten Traditions-Image in die Neuzeit gehoben.

 

Obwohl sowohl die technischen als auch die schauspielerischen Leistungen durchweg überzeugen, trübt die allzu geradlinige und vorhersehbare Handlung den Gesamteindruck. Im späten Verlauf des Filmes zeichnet sich zwar eine mögliche Wendung der Geschichte ab, die zusätzlichen Tiefgang verspricht, wird dann aber doch nicht genutzt. Schade, denn ansonsten bietet „Man of Tai Chi“ großartige Action-Unterhaltung, für die man nicht unbedingt ein Fan des Genres sein muss.

 

Text: Martin Heller / Fotos: © Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Man of Tai Chi
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 105 Min.