Düstere Visionen

Heldin wider Willen: Die 15-jährige Mara (Lilian Prent) will einfach nur normal sein, unauffällig. Schon alleine, damit sie in der Schule nicht immer das Mobbing-Opfer der „Coolen“ ist. Das ist schwer, wenn man des Öfteren in Tagträume verfällt und eine esoterisch verschwurbelte Mutter hat, für die man sich ununterbrochen fremdschämt.

In der RTL-Koproduktion „Mara und der Feuerbringer“ geht Maras Wunsch jedoch nicht in Erfüllung: Sie ist kein Mädchen wie andere, sondern sogar ausgesprochen einzigartig. Sie soll nämlich eine Spákona sein, eine nordisch-germanische Seherin. Und damit beginnt für sie in Tommy Krappweis’ (Erfinder von „Bernd das Brot“) Fantasy-Film, zu dem er auch Drehbuch und Romanvorlage schrieb, ein großes Abenteuer, das große wie kleine Zuschauer unterhält und mit Authentizität und vielschichtigem Humor überzeugt.

Mara (Lilian Prent) fasst Mut: In der Schule ist sie eine Außenseiterin, nun wird sie zur Heldin in ihrem eigenen Fantasy-Abenteuer.

 

Dass ihr die Nachricht über ihre spezielle Gabe von einem sprechenden Ast (Stimme: Oliver Kalkofe) überbracht wird, beunruhigt Mara. Noch mehr Angst macht ihr aber der Inhalt der Botschaft: Ragnarök, die Götterdämmerung, steht bevor. Und sie soll den drohenden Weltuntergang aufhalten.

 

In einem ihrer Tagträume, die tatsächlich Visionen sind, sieht sie, wie der Halbgott Loki (Christoph Maria Herbst) von seinem Halbbruder Thor besiegt und an einen Stein gefesselt wird. Dort tropft ihm das Gift der gigantischen Midgard-Schlange auf den Kopf, und nur seine Frau Sygin (Eva Habermann) verschafft ihm Linderung. Doch die wurde entführt: Und zwar von Loge, dem Feuerbringer – einem mysteriösen, lodernden Riesen. Deshalb ruft Loki den einzigen Menschen zu Hilfe, der ihn hören kann: Mara.

Der Halbgott Loki (Christoph Maria Herbst) ist gefesselt und wird mit Schlangengift betropft. Linderung bringt seine Frau Sigyn (Eva Habermann), die das Gift mit einer Schale auffängt.

 

Zum Glück findet Mara einen Mitstreiter: Sie kann den anfänglich äußerst skeptischen Professor Weissinger (Jan Josef Liefers) davon überzeugen, dass sie wirklich eine Seherin ist. Das gelingt ihr, indem sie ihn auf eine Reise in die Sagenwelt mitnimmt – eine Fähigkeit, die ihr Loki verlieh, um ihm zu helfen.

 

Gemeinsam finden Mara und der Professor Sygin und erhaschen einen ersten Eindruck vom Feuerbringer. Dann schmieden sie einen Plan: Sie wollen den Drachentöter Siegfried (Alex Simon) aus der Nibelungensage für ihren Fall gewinnen. Doch wird ihr Trupp, der Stärke, Wissen und Mut vereint, den Feuerbringer zurückschlagen und Sygin befreien können?

Da liegt Maras (Lilian Prent) Stirn in Falten: Ihre Mutter (Esther Schweins) bezieht sie immer wieder in ihre esotherischen Exkurse ein.

 

Was „Mara und der Feuerbringer“ von anderen Fantasy-Kino-Abenteuern unterscheidet, ist seine ungewöhnliche Titelfigur: Lilian Prent spielt keine niedliche Hollywood-Hochglanz-Heldin. Vielmehr wirkt sie wie das Mädchen von nebenan – authentisch, direkt, und ohne Angst, auch mal eine Grimasse vor der Kamera zu schneiden. Das wirkt ungewohnt, ist aber alles andere als unangenehm.

 

Ohnehin können sich jüngere Kinobesucher sicher wunderbar mit der frühpubertären Mara und ihren Problemen identifizieren. Die erwachsenen Begleiter hingegen erfreuen sich an feiner Situationskomik und cleveren „Star Wars“-Zitaten. Krappweis erzählt eine familientaugliche Geschichte, die eine frische Brise in das Fantasy-Genre bringt, das sonst vor Ernst, Pomp und Pathos trieft. Optisch braucht sich der Film dabei nicht hinter Hollywood-Produktionen nicht verstecken: Mit John Nugent ist ein bekannter Special-Effects-Spezialist an Bord. Er schuf schon den Balrog für „Der Herr der Ringe“, nun entzündet er den Feuerbringer Loge und leistete erneut hervorragende Arbeit.

Verantwortlich für die Spezialeffekte war John Nugent. Der hatte schon dem Balrog in "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" Leben eingehaucht, nun durfte er wieder mit dem Feuer spielen.

 

Bei aller Unterhaltung kommt sogar die Bildung nicht zu kurz: Es gibt jede Menge Fakten zur nordischen Mythologie, und Professor Weissinger verdreht so manches Mal die Augen, wenn er Maras Halbwissen berichtigen muss („Wickie lügt! Wikinger haben nie Helme mit Hörnern getragen!“). Oberlehrerhaft wirkt das aber zum Glück nie. So wird „Mara“ zum lohnenswerten Familienfilm, der Lust auf mehr macht. Hoffentlich werden die restlichen Bände der Romantrilogie noch verfilmt!

 

Text: Martin Heller / Fotos: © 2015 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

Deutschland kann auch Fantasy: "Mara und der Feuerbringer" unterhält die Kleinen, ohne die Großen zu langweilen.

 

 

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Fantasy
Freigabealter: 6
Verleih: Constantin
Laufzeit: 94 Min.