Vom Slumdog zum Baseball-Millionär

Im Zentrum des amerikanischen Nationalsports Baseball steht der Pitcher. Seine Aufgabe besteht darin, denn Ball so schnell und kraftvoll zu werfen, dass ihn der Batter der gegnerischen Mannschaft mit seinem Schläger nicht oder nur schlecht erwischt. Auch Kricket, der Lieblingssport der Inder, kennt mit dem Bowler eine ähnliche Spielposition. Warum also nicht einen indischen Kricket-Spieler rekrutieren, in die USA bringen und dort zum Baseball-Profi ausbilden? Das zumindest ist in „Million Dollar Arm“ der Plan von Sportagent J.B. Bernstein.

Volle Konzentration: Dinesh (Madhur Mittal) setzt zum Wurf an.

 

Bernstein (Jon Hamm aus „Mad Men“), der mit seinem kleinen Büro schon lange keinen erfolgreichen Spieler mehr rekrutieren konnte, braucht dringend einen Erfolg. „Million Dollar Arm“ nennt er das Casting, das in allen Teilen Indiens hunderte junge Kricket-Spieler anzieht, die von der großen Karriere in den USA träumen. 100.000 Dollar winken dem Gewinner, ein indischer Fernsehsender überträgt das Sport-Casting live. Doch nur die wenigsten haben das Zeug zum Baseball-Profi, die Reise droht für Bernstein und den ehemaligen Scout Ray (Alan Arkin) zum Desaster zu werden.

 

Schließlich aber findet Bernstein zwei Jungs, die schneller und härter werfen können als alle anderen: Rinku Singh (Suraj Sharma) und Dinesh Patel (Madhur Mittal). Er nimmt sie mit in die USA, lässt sie dort von Coach Tom House (Bill Paxton) ausbilden und schließlich live im Fernsehen, vor den Augen dutzender Sportscouts der größten US-Baseballmannschaften, ihr Können präsentieren. Doch die beiden – noch völlig überfordert von ihrem neuen Leben in den USA – scheitern kläglich. Mit allen Mitteln versucht Bernstein, seinen Schützlingen eine zweite Chance zu geben, um noch einmal zu beweisen, was wirklich in ihnen steckt.

Ray (Alan Arkin) hat nicht mehr viel Hoffnung, in Indien noch ein Baseballtalent zu finden.

 

„Million Dollar Arm“ ist ein im besten Sinne altmodischer Film. Geradlinig erzählt, ohne unnötigen Schnickschnack, lässt Regisseur Craig Gillespie („Lars und die Frauen“) die alte Geschichte vom American Dream neu aufleben. Da werden zwei indische Jungs aus einfachsten Verhältnissen – für eine genaue Zeichnung ihrer privaten Hintergründe interessiert sich der Film leider nur wenig – in die Traumwelt des amerikanischen Baseball-Zirkus verpflanzt. Dass sie dabei ordentlich auf die Nase fallen und in allerlei Culture-Clash-Fallen tappen, ist ebenso wenig überraschend wie das Ende des Films. Schließlich handelt es sich um eine wahre Geschichte mit bekanntem Ausgang …

 

Dennoch funktioniert „Million Dollar Arm“, diese Mischung aus „Jerry Maguire“ und „Slumdog Millionär“, überraschend gut. Das liegt vor allem an Jon Hamm, der mit seinem trockenen Humor so manches Abgleiten in den Kitsch rechtzeitig zu verhindern weiß, den kauzigen Kurzauftritten von Altmeister Alan Arkin und der sympathischen Art der beiden indischen Jungstars, allen voran Suraj Sharma, der schon in „Life of Pi“ sein Talent zeigen durfte. Die beiden Baseballstars in spe Singh und Patel werden als liebenswerte Tollpatsche präsentiert, ohne aber dabei vorgeführt zu werden. Selbst Bernsteins Reise durch Indien gerät weniger verklärend, als man es von Disney befürchten würde. Indien darf hier sein, was es ist: eine Mischung aus Zauber und Dreck.

Bernstein (Jon Hamm) hofft, aus Kricket-Spieler Dinesh (Madhur Mittal, links) einen Baseballstar machen zu können.

 

„Million Dollar Arm“ bietet wenig Neues, ist eine klassische Geschichte über den Aufstieg zweier Underdogs zu gefeierten Helden und die Wandlung eines geldgierigen Managers zum treusorgenden Beschützer seiner Zöglinge, dabei aber warmherzig und mit viel Liebe für seine Charaktere erzählt. Eine perfekte Familienunterhaltung à la Disney.

 

Text: Sven Hauberg / Fotos: © Disney Enterprises, Inc / Ron Phillips
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Million Dollar Arm
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Disney
Laufzeit: 124 Min.