PS-Hatz durchs Land

Wie verfilmt man eine Videospielreihe, die eigentlich gar keine Story hat? In den gut 20 „Need For Speed“-Teilen, die bisher für PC oder Konsole erschienen sind, rast man für gewöhnlich mit den neuesten Schlitten durch die Innenstadt oder die Pampa und versucht, nicht von der Polizei erwischt zu werden. Purer PS-Porno für Zocker, eben. Regisseur Scott Waugh und seine Drehbuchautoren George und John Gattins hatten die schwierige Aufgabe, diesem Motorgebaren eine vernünftige Story zu verpassen. Doch dass es im Genre nicht wirklich darauf ankommt, beweist die durchaus unterhaltsame und kommerziell erfolgreiche „Fast & Furious“-Reihe seit Jahren.

Aaron Paul hat als Schrauber und Rennfahrer Tobey seinen ersten großen Auftritt nach dem Ende von "Breaking Bad".

 

Wie rächen sich PS-Getriebene? Natürlich auf der Piste. Dass in „Need For Speed“ alles auf ein Aphalt-Duell hinausläuft, dürfte dem Zuschauer schon vor dem Ticketkauf klar sein. Bis zum großen Finale muss dem Helden allerdings noch viel Sympathie, dem Antipoden viel Abscheu entgegengebracht werden. Bei den zwei Hauptakteuren handelt es sich um den Schrauber Tobey Marshall („Breaking Bad“-Star Aaron Paul) und den Rennfahrer-Schnösel Dino Brewster (Dominic Cooper). Während Tobey in der Ostküsten-Provinz in seiner Werkstatt ehrlicher Arbeit nachgeht und lediglich durch illegale Autorennen etwas Ruhm genießt, hat es der dünkelhafte Dino längst als Nascar-Held in die weite Welt geschafft. Dass er dabei Tobeys alte Flamme Anita (Dakota Johnson) mitnahm, sorgt natürlich für weitere Spannungen zwischen den beiden.

 

Trotz aller Differenzen schlägt Dino dem Mechaniker einen Deal vor: Er und seine Kumpels sollen einen Ford Mustang Shelbey aufpäppeln. Und wenn Tobey den Großkotz in einem Autorennen schlägt, darf er diesen Traum von Auto sogar behalten.

Schnösel, Lügner, Betrüger: Bösewicht Dino (Dominic Cooper) ist etwas eindimensional geraten.

 

Beim Ego-Wettkampf kommt es zur fahrplanmäßigen Tragödie des Films: Dino schießt Little Pete (Harrison Gilbertson) von der Strecke, in dem Tobey „so etwas wie seinen kleinen Bruder“ sieht. Dass der naiv-vorlaute Junge die Raserei nicht überleben wird, war schon vor dem ersten Motorgeräusch abzusehen. Und dass Dino den Vorfall so hindreht, dass sein Konkurrent in den Knast muss, ebenso. Natürlich sinnt Tobey nach seiner Freilassung auf Rache. Gemeinsam mit der hübschen Autohändlerin Julia (Imogen Poots), erfrischenderweise weder blondes Dummchen noch überzeichnete Superbraut, macht sich Tobey entgegen seiner Auflagen nach Kalifornien auf, um Dino beim legendären „The De Leon“-Rennen zu schlagen. Eine wilde Hatz durchs ganze Land beginnt.

 

Gemeinsam mit seinem Kameramann Shane Hurlbut („Act of Valor“, „Terminator: Die Erlösung“) schafft es Regisseur Waugh, stets die Boliden in mitreißenden Bildern glänzen zu lassen. So erzählt nicht nur das Dröhnen aus den Lautsprechern von der unglaublichen Kraft der Maschinen. Auch die Kamera, die die PS-Monster nur wenige Zentimeter über dem Asphalt begleitet oder sie in irrsinniger Geschwindigkeit vorbeisausen lässt, vermag Respekt beizubringen. Passend dazu wird auch die nervliche Belastung der Fahrer während eines solchen Höllenritts gut eingefangen. Zeitlupensequenzen inklusive Pulsschlag sorgen für Anspannung im Kinosessel. Das macht die berechenbare Story und die sehr oberflächliche Gut-und-Böse-Konstellation des Films weitgehend wett.

So manche Idee und so mancher Kniff ist in "Need For Speed" durchaus gelungen: So unterstützt Tobeys Kumpel Benny (Scott "Kid Cudi" Mescudi) seinen Freund von oben.

 

Einen Gänsehautmoment haben die Filmemacher sogar auch zu bieten – zumindest für „Breaking Bad“-Fans: Das immer noch nachwirkenden Serienfinale wird unweigerlich in Erinnerung gerufen, als Tobey das erste Rennen, gleich zu Beginn des Films, gewinnt. Wie in der Serie sieht man die Anspannung von Darsteller Aaron Paul abfallen, emotional aufgelöst strahlt er hinter seinem Lenkrad. Mit ihm als Gesicht einer möglichen „Need For Speed“-Filmreihe könnte man PS-Marktführer „Fast & Furious“ durchaus Paroli bieten. Mit mehr Risiko beim Drehbuch hätte man dem Konkurrenten dann sogar etwas voraus.

 

Text: Max Trompeter / Fotos: © 2014 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Need For Speed
Genre: Action
Verleih: Constantin