Gegen das Vergessen

Was passiert eigentlich mit dem Blockbusterkino, sollte Tom Cruise aus Altersgründen angebotene Filmrollen ablehnen und in Rente gehen wollen? Auch wenn er im vergangenen Jahr mit seiner selbstironischen Rolle in „Rock Of Ages“ an den Kinokassen gnadenlos floppte, ist der 50-Jährige in der Regel immer noch ein Garant für volle Säle und handfeste Action. Auf seinen Schultern ruht nicht nur das Multimillionen-Dollar-Franchise „Mission: Impossible“ (seit 1996), sondern zuletzt auch die Action-Romanverfilmung „Jack Reacher“ (2012), bei der bereits laut über eine Fortsetzung nachgedacht wird. Zudem steht der US-Amerikaner angeblich in Verhandlungen für die Kinofassung der beliebten 60er-Jahre Spionage-Serie „The Man From U.N.C.L.E.“. Fast schon nebenbei drehte Cruise nun den Science-Fiction-Streifen „Oblivion“, in dem der New Yorker wieder das machen darf, was er am besten kann: die Welt retten.

Techniker Jack Harper (Tom Cruise) ist als einer der Wenigen auf der zerstörten Erde zurückgeblieben, um überlebenswichtige Rohstoff-Drohnen zu reparieren.

 

Die Erde in einer dystopischen Zukunft des Jahres 2077: Der Planet ist durch einen verheerenden Krieg mit Außerirdischen zerstört und unbewohnbar, die Menschen haben sich längst eine neue Heimat hoch oben in den Wolken errichtet. Spezial-Techniker Jack Harper (Cruise) bewohnt noch als einer der Wenigen die Erdoberfläche, um überlebenswichtige Drohnen zu warten, die für die Verteidigung der wenig verbliebenen Rohstoffsammelanlagen über die Erdoberfläche sausen.

Bei einem seiner Erkundungsflüge entdeckt der Ingenieur ein abgestürztes Raumschiff und rettet das Leben des mysteriösen weiblichen Passagiers (Olga Kurylenko, „Ein Quantum Trost“). Doch was hat es mit der Frau auf sich, und warum fühlt sich Harper, der der Fremden das erste Mal in seinem Leben begegnet, so zu ihr hingezogen? Und was sind das für Erinnerungsfetzen, die urplötzlich vor seinem geistigen Auge aufploppen?

Bei einem seiner Erkundungsflüge rettet Jack Harper (Tom Cruise) eine mysteriöse Frau (Olga Kurylenko). Doch wer ist sie, und was macht sie alleine auf der Erde?

 

Dem Science-Fiction-Genre neue Facetten abzugewinnen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. So ziemlich jeder neue Streifen muss sich an den Klassikern „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968), „Blade Runner“ (1982) oder auch „Matrix“ (1999) messen lassen, in der Hoffnung, der Filmgattung vielleicht doch noch neue Impulse zu geben. In den meisten Fällen scheitern die gutgemeinten Ansätze und verpuffen in der völligen Bedeutungslosigkeit. Sich dieser Tatsache bewusst, versuchte Regisseur Joseph Kosinski („Tron: Legacy“, 2010) gar nicht erst, eine besonders individuelle und noch nie da gewesene Story zu erzählen, sondern bediente sich aus dem großen Sci-Fi-Fundus, der ihm von Stanley Kubrick, Ridley Scott und den Wachowski-Geschwistern hinterlassen wurde.

Die Stärke von „Oblivion“ ist zugleich auch seine Schwäche: Genrekundige erleben keine großen Plot-Überraschungen, und auch die eingestreuten Twists lassen sich schon weit im Vorfeld erahnen. Doch gelingt es Kosinski, eine in sich stimmige und auch einigermaßen schlüssige Geschichte zu erzählen, die vor allem von ihrer Optik und erst recht durch ihren Sound punkten kann: Überall wabern elektronisch verzerrte Geräusche bedrohlich durch den Raum und unterstreichen die unheilvolle Ahnung, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung zu sein scheint. Glücklicherweise verzichtete Kosinski darauf, seinen Film in einer CGI-Flut untergehen zu lassen, sondern setzte die Grafikrechenarbeit lieber akzentuiert, aber dafür dann umso eindrucksvoller ein. Jack Harper liefert sich wilde Verfolgungsjagden mit den Drohnen, durchfliegt die unwirtliche Erdlandschaft und entflieht in einer zerstörten Bibliothek seinen Häschern.

Keine schöne Zukunft in "Oblivion": Die Erde ist im Jahre 2077 völlig zerstört und unbewohnbar.

 

Tom Cruise ist wieder ganz in seinem Element: Für keinen Stunt ist sich der 50-Jährige zu Schade, fast keine Szene kommt ohne den ewigen Strahlemann aus, und doch, eine etwas merkwürdige Poolszene ausgenommen, fällt seine Omnipräsenz nicht negativ ins Gewicht. Zwar leidet die Charakterentwicklung der Nebenfiguren, allen voran seiner Assistentin Victoria (Andrea Riseborough), unter der Komplettausrichtung auf Cruises Figur. Doch Tom Cruise ist es nun einmal gewohnt, auf seinen Schultern einen Film alleine zu stemmen.

Text: Ben Hiltrop / Fotos: Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Oblivion
Genre: Science Fiction
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 125 Min.