Affen wie Menschen

„Ein Affe tötet keinen Affen“ – so steht es an der Tafel in der Schule im Wald vor den Toren San Franciscos. Nachdem sie 2011 in „Planet der Affen: Prevolution“ aus der Gefangenschaft menschlicher Versuchslabore geflohen waren, haben sich die intelligenten Primaten ein neues Leben aufgebaut. Angeführt vom Schimpansen Caesar leben sie in einer Gesellschaft, die besser sein will, gerechter und nachhaltiger als die, die sie bei den Menschen kennenlernten. Doch weil der Affe des Affen Mensch sein kann, wird aus dem zweiten Teil der wiederbelebten „Planet der Affen“-Reihe ein gleichermaßen düsterer wie faszinierender Science-Fiction-Film. In „Planet der Affen: Revolution“ haben die Affen zu viel von den Menschen gelernt. Ihre eigenen Ideale werden die 130 Filmminuten nicht überstehen.

Andy Serkis verleiht dem Affenchef Caesar im Motion-Capture-Verfahren Herz und Seele.

 

Dass die Affen intelligent sind und sprechen können, verdanken sie dem gleichen Virus, das den größten Teil der Menschheit dahingerafft hat. Zehn Jahre nach den Ereignissen in „Planet der Affen: Prevolution“ haben nur wenige Menschen überlebt, ein Teil davon in San Francisco. Um dort die Energieversorgung zu sichern, soll ein Wasserkraftwerk im Affenterritorium reaktiviert werden. Dazu müssen sich Affenchef Caesar und Malcolm (Jason Clarke), der Expeditionsleiter der Menschen, erst auf ein Friedensabkommen einigen. Ein eigentlich unmögliches Vorhaben.

 

Denn die Wunden der Vergangenheit sind noch nicht verheilt, und das Misstrauen ist groß. Mit Schuldzuweisungen und Intrigen torpedieren Menschen und Affen gleichermaßen den brüchigen Frieden. Bei den Menschen ist Anführer Dreyfus (Gary Oldman) zu allem bereit, bei den Affen will der hasserfüllte Koba auf keinen Fall den Weg der Versöhnung einschlagen.

Mit einem cleveren Trick verschafft sich der hinterlistige Koba Zugang zum Waffenlager der Menschen.

 

Man mag zwar den einen oder anderen kitschigen Moment bemängeln und auch einige übervorsorgliche Erklärungen. Was den Film auszeichnet, ist der Verzicht auf Schwarz-Weiß-Malerei: Beide Seiten wollen überleben. Beide Seiten ignorieren die Stimmen der Vernunft. Beide Seiten lassen sich von Angst und Hass leiten. Das gegenseitige Misstrauen entwickelt eine Dynamik, die zwangsläufig zur Eskalation führt.

 

Es wird eine entscheidende erste Kugel abgefeuert werden, die „Planet der Affen: Revolution“ in einem intelligenten Kniff aus der fiktionalisierten Zukunft mitten in die reale Gegenwart holt. Hier wie dort haben Vertrauen und Verständnis keine Chance, hier wie dort zieht niemand zurück. Man sieht es ganz aktuell im Nahen Osten, wo der ewige Krieg zwischen Palästinensern und Israelis derselben Dramaturgie folgt.

Malcolm (Jason Clarke) wagt sich ins Territorium der Affen und wird argwöhnisch beäugt.

 

Natürlich ist der von Matt Reeves („Cloverfield“) mit gebotenem Pomp inszenierte „Planet der Affen: Revolution“ in erster Linie ein Film, der seine Faszination aus dem visuellen Spektakel zieht. Man ist versucht zu glauben, dass die in der Effekteschmiede Weta („Der Herr der Ringe“) animierten Primaten echter sind, als ihre Artgenossen im Zoo. Die Bewegungsabläufe sind von authentischer Geschmeidigkeit, Nahaufnahmen von Gesichtern und Fell zeigen eine verblüffende Detailgenauigkeit. Seele und Charakter bekommen die Tiere im Motion-Capture-Verfahren von Schauspielern: Andy Serkis (Gollum aus „Der Herr der Ringe“) spielt wieder Caesar, Toby Kebbell („The East“) den hasserfüllten Koba.

 

„Planet der Affen: Revolution“ ist eine fantastische, düstere Zustandsbeschreibung der Welt, wie wir sie kennen. Und ein Requiem. Am Ende steht einmal mehr eine ernüchternde Erkenntnis: Wo der Mensch auftaucht und seine Spuren hinterlässt, hat die Menschlichkeit verloren. Caesar und Malcolm verabschieden sich voneinander mit dem Wissen, dass ein Krieg begonnen hat. Ein Krieg, der nur dann endet, wenn entweder Menschen oder Affen komplett vernichtet sind. Die Schlacht um San Francisco ist erst der Anfang vom Ende.

 

Text: Andreas Fischer / Fotos: © 2014 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Dawn of the Planet of the Apes
Genre: Science Fiction
Freigabealter: 12
Verleih: Fox
Laufzeit: 131 Min.