Pussy Power pustet Pimps um

Die Namen im Vorspann sind aus niedlichen Fingernagelmotiven zusammengefügt. Als weibliche Stars paradieren „Sucker Punch“-Irre Vanessa Hudgens (mit blonder Perücke) sowie Justin Biebers Immer-mal-wieder Freundin und Disney-Vorzeigemädel Selena Gomez („Plötzlich Star“). Welche Erwartungen sich damit auch verbinden mögen – sie werden gesprengt. „Spring Breakers“ hebt wie „Hangover“ an, droht in die Outlaw-Ballade zu kippen, wächst sich fast zu einem Gangsterfilm aus und behält doch eine makaber-ironische Farce-Tonlage bei.

Spring_Breakers_1

 

Aus dem Staunen und Erschrecken über die jungen Collegestudentinnen Candy (Vanessa Hudgens), Faith (Selena Gomez), Brit (Ashley Benson) und Cotty (Rachel Korine), die drei Viertel des Films Bikinis tragen, kommt außer dem Publikum auch Drogendealer und Möchtegern-Rapper „Alien“ (James Franco, „Die fantastische Welt von Oz“) nicht heraus. Den größten Eindruck hinterlässt, wie Candy und Brit mit silbernen Pistolen Alien auf die Knie zwingen und ihm die Läufe in den Mund stecken. Instinktiv beginnt er an den Pistolen zu saugen.

Was geht in den Mädels vor, lautet die panische Frage in Aliens Augen. Zur Finanzierung ihres Frühjahrsurlaubs haben die vier Damen ein Imbiss-Lokal überfallen. Mit dem Geld und Heerscharen von Jungs dröhnen sie sich beim Spring Break in Florida zu, bis die Polizei sie wegen illegalen Drogenbesitzes einbuchtet. Ihre Kaution stellt der Goldzähne bleckende und mit Dollarzeichen tätowierte Alien. Aus Erkenntlichkeit unterstützen sie ihn bei Raubüberfällen, gehen aber mit ihm nicht zimperlich um.

Spring_Breakers_2

 

Die dünne, haarsträubende Story ist Aufhänger für den bislang wohl subversivsten Streich des amerikanischen Trash-Filmemachers Harmony Korine („Gummo“), dessen Frau Rachel die Cotty spielt. Einst für das Drehbuch zu dem Teenager-Drama „Kids“ hoch gerühmt, hat das ehemalige Wunderkind dank sehr angesagter Schauspieler und dem Oberflächenreiz viel nackter Haut nun ein grell halluziniertes Popart-Manifest in den Mainstream geschleust. Optische Verweise auf die russische Punkband „Pussy Riot“ inklusive.

Der frühe Abgang von Faith könnte der Sorge um das Sauber-Image von Darstellerin Selena Gomez geschuldet sein. Sonst kennt der nun doch ab 16 statt erst ab 18 Jahren freigegebene Film wenig Kompromisse. So ist die delirierende Montage geradezu gnadenlos. Zu dem gemurmelten Mantra „Spring Break Forever“ wiederholen sich stets die gleichen Bilder- und Szenenfetzen, nur stückweise werden ihnen neue hinzugefügt. Mit der Repetition wird nicht zuletzt die schlechte und öde Unendlichkeit der Drogen-Genusssucht beklagt. Aber sie markiert auch jene beängstigende, gewaltbereite Coolness, die Aliens Widersacher, der Zuhälter Archie (Gucci Mane), zu spüren bekommen wird. Darin liegt der unheimliche Kern des Films.

Spring_Breakers_3

 

Vor den Kopf gestoßen fühlen darf sich hingegen, wer auf ein Fun-Movie eingestellt war. „Spring Breakers“ ist ein höchst artifizieller und bizarrer Kinotrip, als solcher aber berauschend.

Text: Andreas Günther / Fotos: 2013 Wild Bunch Germany
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Spring Breakers
Genre: Komödie
Freigabealter: 16
Verleih: Wild Bunch
Laufzeit: 92 Min.