Durch die Wüste

Es ist die wahre Geschichte einer irrwitzigen Reise, die hier erzählt wird. „Spuren“ – so hieß das Buch von Robyn Davidson und so heißt auch der Film, der nun in die Kinos kommt. Keine Dokumentation, sondern ein spannendes und stark gespieltes Drama. Auf die Frage, warum sie diese Reise unternehmen will, hat die Australierin Robyn Davidson verschiedene Antworten: So will sie zeigen, wozu ein ganz normaler Mensch in der Lage sein kann. Das schreibt sie den Redakteuren von „National Geographic“, von denen sie sich eine Finanzspritze erhofft. Doch den meisten, die ihr diese Frage stellen, antwortet sie schlicht: „Warum nicht?“ Die unglaublich talentierte Mia Wasikowska („Alice im Wunderland“) spielt die junge Frau, die 1977 mit drei Kamelen und einem Hund 3.200 Kilometer durch die australische Wüste wanderte.

Robyn (Mia Wasikowska) sucht die Einsamkeit der Wüste.

 

Vom Wüstenstädtchen Alice Springs im Landesinneren bis zum Indischen Ozean im Westen des Landes führte Robyn Davidsons beschwerliche Reise: Quer durch die riesige Gibsonwüste mit ihren roten Dünen und schroffen Felsen. Vorbei am australischen Wahrzeichen Ayers Rock (das erst seit gut 20 Jahren offiziell mit seinem Aborigine-Namen Uluru bezeichnet wird), an ausgetrockneten Seen und heiligen Städten der australischen Ureinwohner. Eine einzigartige Landschaft von surrealer Schönheit, getaucht in ein besonders warmes, besonders schönes Licht, das die weitläufigen Aufnahmen von Kamerafrau Mandy Walker („Australia“) prägt.

Ihren Hund liebt Robyn (Mia Wasikowska) über alles.

 

Hier will Robyn Davidson allein sein mit ihren drei Kamelen, die sie sich auf Kamelfarmen hart erarbeitete, und ihrer Hündin Diggity, die ihr als Gesellschaft völlig ausreicht. Sie will weg von den Menschen, die immer so laut sind. Die immer hupen, Musik hören und immerzu reden müssen, über Gott und die Welt und vor allem über sich. Man darf die junge Frau für sonderbar halten, für verschlossen und mürrisch. Doch Regisseur John Curran („Der bunte Schleier“) reiht leise und laute Momente so geschickt aneinander, dass das Publikum bald sehr gut versteht, was sie meint.

 

Ganz allein bleibt die „Kameldame“, wie sie schon bald genannt wird, auf ihrer Reise aber doch nicht: Hin und wieder wartet Fotograf Rick Smolan (Adam Driver) am Wegesrand, um die widerspenstige Wanderin wie vereinbart für die „National Geographic“ zu fotografieren. Durch die heiligen Gebiete der Ureinwohner führt sie der hilfsbereite Aborigine Mr. Eddy (Rolley Mintuma), der ihr mit Händen und Füßen und gebrochenem Englisch die Sitten und Gebräuche seines Volkes erklärt. Und hin und wieder trifft Robyn Davidson auch auf wilde Kamelbullen und neugierige Touristen, die ihr gleichermaßen Angst machen.

Robyn (Mia Wasikowska) hat einen starken Willen.

 

Für den Zuschauer sind solche Begegnungen wie kleine Oasen, da der Film, der auf Robyn Davidsons gleichnamigen Reisebericht basiert, keinen Spannungsbogen im eigentlichen Sinne besitzt. Immer wieder gibt es kleinere Durststrecken, die John Curran mit kurzen Rückblenden auf ein traumatisches Ereignis in Davidsons Kindheit zu überbrücken versucht. Es scheint ihm ein Bedürfnis zu erklären, warum die willensstarke Eigenbrötlerin ist, wie sie ist. Doch die viel spannenderen Fragen lässt der Film leider unbeantwortet: Welcher Mensch sie durch die Reise wurde, ob sie fand, wonach sie suchte – das bleibt offen.

 

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: © 2014 Ascot Elite Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Tracks
Genre: Drama
Freigabealter: 6
Verleih: Ascot Elite
Laufzeit: 113 Min.