Desaströses Vergnügen

Ob man sich wirklich fragen muss, warum der Originaltitel des Katastrophenfilms „Into The Storm“ fürs deutsche Kino in das ebenso englische „Storm Hunters“ abgeändert wurde? Muss man sicher nicht – ist aber eine angenehme Beschäftigung, um die ersten paar einfallslosen Minuten zu überbrücken. Denn „Storm Hunters“ ist in seinen eher böigen Momenten ein wirklich passabler und überaus kurzweiliger Desasterfilm – nur unterbrochen von schnarchig-schnulzigem Familienrettungsgedöns und unterhaltungsarmem Gequatsche.

Sie finden sich und filmen alles. Von links: Gary (Richard Armitage), Pete (Matt Walsh), Donnie (Max Deacon), Kaitlyn (Alycia Debnam-Carey), Trey (Nathan Kress) und Allison (Sarah Wayne Callies).

 

Die Ausgangssituation ist eine typische für Found-Footage-Filme à la „Blair Witch Project“, „REC“ oder „Cloverfield“: Teenager Donnie (Max Deacon) ist Chef der Videogruppe an seiner High School und will mit seinem Bruder Trey (Nathan Kress) in einem Film die anstehende Abschlussfeier dokumentieren, die der alleinerziehende Vater („Der Hobbit“-Zwergenkönig Richard Armitage) der beiden als stellvertretender Rektor zufällig leitet. Zur selben Zeit ist das mit professionellem Equipment und einem retrofuturistischen Panzerwagen ausgestattete, bisher erfolglose Filmteam um Dokumentarfilmer Pete (Matt Walsh) und Meteorologin Allison („Walking Dead“-Star Sarah Wayne Callies) auf der Suche nach filmenswerten Tornados. Hinzu kommen noch zwei risikoaffine Redneck-Dudes, deren größtes Ziel es ist, das meistgeklickte YouTube-Video aller Zeiten aufzunehmen.

Es naht etwas Bedrohliches: Die kleinen Tornados sind nur Vorboten des kommenden Monstersturms.

 

Während Letztere noch damit beschäftigt sind, mit einem Quad einen brennenden Swimmingpool zu schrotten, zieht ein gewaltiges Unwetter auf, das im Laufe des Films absurde Ausmaße annehmen wird. Zum Glück wird das von den Protagonisten alles säuberlich dokumentiert – die Kamera bleibt auch in der Hand, wenn es so richtig ans Eingemachte geht. Während die erste Tornado-Welle die Graduation-Feier samt Schule und Rektor Obama-Double hinwegfegt, steckt Donnie mit seiner Flamme in einer zusammengestürzten Mühle fest und dreht mal eben noch ein herziges Abschiedsvideo.

Meteorologin Allison (Sarah Wayne Callies) sucht Tornadogebiete für Geld und die Wissenschaft.

 

Glücklicherweise sind Papa und Bruder längst auf dem Weg, die beiden zu retten. Zwischendurch weichen sie umherfliegenden Häusern aus, verlieren ihren Jeep und schließen sich mit den Dokumentarfilmern zusammen. Das ganze Arrangement ist ebenso pseudodramatisch gedacht wie umgesetzt: Da ist der ängstliche Kameramann, der überredet wird, zu bleiben und im Eifer von einem brennenden Tornado leider hochgesaugt wird. Da ist die Meteorologin als moralische Instanz, die unsere beiden mittlerweile betrunkenen Amateur-Stuntmans vor dem Sturm retten will und damit hadert, ihre fünfjährige Tochter allein gelassen zu haben. Und schließlich die erweichende Geschichte vom strengen Dad, der laufend von seinen pubertierenden Söhnen enttäuscht wird und durch die Katastrophe zur Besinnung kommt.

 Zwei Drittel Tornado, ein Drittel Benzin: Die brennende Windhose macht was her.

 

Eigentlich hat „Storm Hunters“ alles was ein wirklich einschläfernder Hollywoodfilm braucht: Sinnlose oberflächliche Diskussionen um Schuld und Fehler; Frauenrollen, die entweder mit Rettungsbedürftigkeit oder Helfersyndrom verknüpft sind; lahme vorhersehbare Collegestorys und übertrieben pathetische Musikuntermalung. Über den überflüssigen Emo-Talk und die inkonsequente Found-Footage-Handlung zwischen der Desaster-Action kann man jedoch beruhigt hinwegsehen. Denn „Storm Hunters“ ist perfekte Katastrophen-Unterhaltung mit beeindruckenden Effekten: Da reißt es alles gewaltvoll und grandios animiert in die Lüfte, da wirbeln Menschen, Autos und Flugzeuge um die Wette, da schlägt vom Baum und Strommast bis zur Autobahnbrücke alles wuchtig und möglichst knapp irgendwo ein – es ist ein einziges Vergnügen. Der Spaß, den man naturgemäß an Zerstörung und Desaster hat, wird hier vollends ausgelebt, Naturgewalten fetzen eben. Vor allem wenn sie technisch so bravourös umgesetzt sind wie in „Storm Hunters“.

 

Text: Maximilian Haase
Fotos: © 2014 Village Roadshow Films (BVI) Limited / Warner Bros.
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Into The Storm
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Warner Bros.
Laufzeit: 89 Min.