Schwaben-Posse on tour

Der Schwabe ist ein Skeptiker, heißt es. Der rheinische Frohsinn ist ihm ebenso fremd wie das bayerische „Mia san mia“-Gefühl. Weil der Schwabe alle Dinge – manchmal übergenau – durchdenkt, hat er unter anderem die Rechenmaschine, den Benzinmotor, das Zündholz, den Büstenhalter oder das Motorrad erfunden. Eine Geschichte voll mit schwäbisch-skeptischem Personal erzählte 2012 Ulrike Grotes regionaler Kinohit „Die Kirche bleibt im Dorf“. Über 500.000 Besucher wollten sehen, wie sich die Dörfer Ober- und Unterriesling um dies und das zofften. Sogar eine zwölfteilige TV-Serie im SWR folgte. Nun standen Schauspieler wie Natalia Wörner, Karoline Eichhorn, Julia Nachtmann und Christian Pätzold wieder vor der Kamera, um die Dorf-Posse in ihrem Heimatdialekt fortzusetzen.

Alte Widersacher: Elisabeth Rossbauer (Franziska Küpferle) und Gottfried Häberle (Christian Pätzold) sind schon so lange zerstritten, dass sie mittlerweile den Grund vergessen haben.

 

Sicher, „Die Kirche bleibt im Dorf“ ist im Genre der Klamotte zu verorten. Hier krachen Kirchendächer ein, die Menschen streiten sich durchaus übertrieben, und die Tiefe der Charaktere verharrt im Flachwasserbereich – auch aufgrund der stattlichen Größe dieses Schwaben-Ensembles. So hat man zu Beginn des zweiten Kinofilms Angst, Autorin Ulrike Grote könnten die Ideen ausgegangen sein. Tatsächlich schämt man sich fast, die entwaffnend schlichte Ausgangssituation von „Täterätää“ nachzuerzählen: Weil das Kirchendach über dem stets betrunkenen Pfarrer Schäuble (Ulrich Gebauer) zusammenbrach, ist eine Menge Geld für die Renovierung des Gotteshauses fällig. Da die Rieslinger selbst für die Kosten aufkommen müssen, planen sie einen grotesken Coup.

 

In Hamburg wird bald ein Dorfkapellen-Wettbewerb stattfinden. Dieser verspricht eine stattliche Gewinnsumme. Den Rieslingern wären alle (Kirchen-)Sorgen genommen. Alsbald tun sich die Rockband aus Unterrieslingen und die Blaskapelle aus Oberrieslingen zusammen, um den Jackpot ins Schwäbische zu holen. Selbstredend klingt die Band anfangs jämmerlich und ihre Mitglieder sind durch und durch zerstritten. Doch man macht Fortschritte. Als der klapprige Bandbus der Rieslinger gen Norden startet, wird „Täterätää – Die Kirche bleibt im Dorf 2“ dann tatsächlich noch zu einem recht beschwingten „Schwaben im Exil“-Roadmovie.

Die Dorfkirche ist futsch! In "Täterätää - Die Kirche bleibt im Dorf 2" müssen Unter- und Oberrieslinger zusammenarbeiten, um das gemeinsame Gotteshaus wieder aufzubauen.

 

Insgesamt muss man dennoch sagen, dass das TV-Format diesem Stoff fast besser zu Gesicht stand. Im kleinen Erzählformat konnte das südwestdeutsche Dorf-Panoptikum mehr auf Skurrilität, Charaktere und Dialogwitz setzen. Im Kino erwartet man dann doch eher die große Geschichte. Zumal sich „Die Kirche bleibt im Dorf 2“ an ein regionales, aber eben großes Mainstream-Publikum wendet. Positiv festzuhalten bleibt die liebevolle Produktion der Musik (Jörn Knux), die im Film eine gewichtige Rolle spielt. Auch die Brechung der schwäbischen Dorfbefindlichkeiten am Reibungspunkt Hamburg kann sich sehen und hören lassen. Wer hingegen eine Scheu vor Komödienklischees, Dorfgeschichten als solche oder gar dem Schwäbischen hat, sollte einen großen Bogen um die Fortsetzung dieser Regional-Posse machen.

 

 

Text: Eric Leimann / Fotos: © Camino Filmverleih / Fortune Cookie Film / Boris Laewen 2014
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

© Camino Filmverleih

 

 

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel:
Täterätää – Die Kirche bleibt im Dorf 2
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Camino
Laufzeit: 93 Min.