The Rise Of … wem nochmal?

Ein dichtes Netz aus blauen Funken durchzieht das nächtliche New York, wenn man es durch die Augen Electros betrachtet. Überall in dieser rastlosen Stadt fließt Strom, der sich von ihm manipulieren lässt, überall gibt es Kraftfelder, in denen sich dieses Wesen aus tödlichen blauen Blitzen einfach auflösen und wieder zusammensetzen kann. Dass die Drehbuchautoren Alex Kurtzman, Roberto Orci und Jeff Pinkner von allen möglichen Spider-Man-Gegnern ihn wählten, leuchtet angesichts der bildgewaltigen Kampfszenen in Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro“ buchstäblich ein. Aber was bitte machen die ganzen anderen Schurken in dem Film?

Spider-Man (Andrew Garfield) ist einer der wenigen, der Max (Jamie Foxx, links) Beachtung schenkt.

 

Denn wie die zahlreichen Trailer in den letzten Monaten schon verrieten, muss es Spinnenmann Peter Parker (Andrew Garfield) in seinem neuen Abenteuer nicht nur mit Electro (Jamie Foxx), sondern auch dem Green Goblin (Dane DeHaan) und Rhino (Paul Giamatti) aufnehmen. Zudem wären da noch ein paar finstere Typen, die zwar keinen griffigen Schurkennamen tragen, aber vermutlich etwas mit dem Verschwinden von Peters Eltern zu tun haben, das erneut ein wenig beleuchtet wird.

Nach einem schrecklichen Unfall hat Max (Jamie Foxx) Kräfte, die er noch nicht zu verstehen und kontrollieren weiß.

 

Statt „Rise Of Electro“ könnte „The Amazing Spider-Man 2“ also auch mit „Rise Of The Rhino“ oder „Rise Of The Green Goblin“ untertitelt werden, ohne den Filmnamen dadurch zutreffender beziehungsweise unzutreffender zu machen. Alle drei Bösewichte werden mehr oder weniger schlampig eingeführt und ihre einzelnen Geschichten in erstaunlich wenigen Szenen abgehandelt. Dabei hätten Figuren wie Electro und The Green Goblin, die in den Comics recht vielschichtig angelegt sind, durchaus das Potenzial, Spider-Man so zu beschäftigen wie der Joker in „The Dark Knight“ seinen Erzfeind Batman. – Vor allem, da sie von so fähigen Darstellern gespielt werden wie Dane DeHaan, der in seiner Rolle gleichzeitig zerbrechlich und bedrohlich wirkt, und Jamie Foxx, der die Wut seiner Figur Electro nachfühlbar macht.

Peter (Andrew Garfield) hat Angst, dass Gwen (Emma Stone) seinetwegen etwas zustoßen könnte.

 

Warum also diese unnötige Hast? Warum so viele Bösewichte verheizen, wenn Sony längst grünes Licht für weitere Filme über Spider-Man und andere Figuren aus seinem Comic-Kosmos gegeben hat? Obwohl „The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro“ mit 143 Minuten Laufzeit viel zu lang ist, scheint darin alles nur oberflächlich angerissen zu werden. Nebenhandlung reiht sich an Nebenhandlung, bis die Haupthandlung vergessen ist. Man hat das Gefühl, alles und nichts zu erfahren; rüde zwischen Genres hin- und hergeschubst zu werden.

Die New Yorker machen mal wieder eine Menge mit. Zum Glück haben sie ja Spider-Man.

 

Nicht, dass diese Genre-Versatzstücke für sich genommen nicht unterhaltsam wären: Regisseur Marc Webb erzeugt Momente der Schwerelosigkeit, wenn sich Spider-Man an New Yorks Hochhäuserfassaden entlanghangelt und die 3D-Kamera ganz dicht an ihm dranbleibt. Er lässt die Zuschauer über die futuristische Ausstattung des Forschungskonzern Oscorp staunen oder herzlich über kleine Anspielungen und visuelle Witzchen lachen. Und die Chemie zwischen zwei Liebenden ist in den meisten RomComs nicht so stimmig wie die zwischen Andrew Garfields Peter Parker und dessen Freundin Gwen (Emma Stone). Doch ein wirklich guter Superheldenfilm braucht eben mehr als viele ansehnliche Szenen, die mit ein paar Spinnenfäden zusammengehalten werden.

 

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos:
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Sony
Laufzeit: 143 Min.