Eine Zwiebel, viele Tränen

Wenn das Wetter draußen kalt und trüb ist, wollen auch die Frischgetrennten, die Nievermählten und die unbeirrbaren Romantikerinnen versorgt sein. Versorgt mit Kinokost, die die Seele streichelt, die Hoffnung nährt, dass der Richtige sehr wohl existiert, nur eben einige Straßen weiter, in einem Schuppen wohnt, den man noch nicht entdeckt hat. Er füttert in „The Best of Me – Mein Weg zu Dir“ zwar keinen Schimmel, schraubt aber an einem hübschen Schlitten. Er ist schön, sensibel und nur in die eine verliebt, auch 21 Jahre nachdem ihre Beziehung endete.

Die große Liebe: Amanda (Liana Liberato) und Dawson (Luke Bracey) haben einen unterschiedlichen Background, sie kommt aus einer reichen Familie, er aus einer von ganz unten.

 

Die Kamera fährt gleich zu Beginn auf einen Sonnenuntergang zu, denn das ist eine Nicholas-Sparks-Verfilmung. Sparks ist einer der fleißigsten Roman(tik)autoren der Gegenwart, veröffentlicht fast jährlich ein Buch und treibt den einen Freudentränen in die Augen, den anderen verengt er die Lider zu Schlitzen. Sparks ist derjenige, der 1999 Kevin Costner im Meer ersäufte, nachdem er uns eine große Liebesgeschichte erzählte. „Message In A Bottle“ konnte, besonders ob des Nicht-Happy-Ends, wirklich ans Herz gehen. Der zuletzt verfilmte „Safe Haven“ jedoch war der Tiefpunkt: Lasse Hallström versuchte den oberflächlichsten Romantikkitsch mit einem Actionfilm zu verquicken. Und nun darf sich also „Tage wie dieser“-Regisseur Michael Hoffman an einem Sparks-Roman versuchen.

 

Der lässt seine Hauptdarsteller erst einmal in den Himmel blicken. Dawson (James Marsden) sieht von seiner Bohrinsel aus den gleichen Stern wie Amanda (Michelle Monaghan) auf ihrer Veranda. Man muss diese Szene präzisieren: Dawson guckt nach oben, die Kamera zeigt die Sterne, schwenkt dann wieder nach unten auf Amanda, was uns zeigt, dass sie noch eine Verbindung haben. Es soll keiner sagen, er wurde nicht gewarnt: Wer so in einen Film einsteigt, versteht sich nicht auf Zwischentöne.

Alte Liebe schnell neu entflammt: Amanda (Michelle Monaghan) und Dawson (James Marsden) empfinden noch immer viel für einander.

 

Zurück zur Realität: Die Bohrinsel fliegt in die Luft, Dawson gibt erst den Tom Hanks und rettet in einer kriegsähnlichen Situation seinen Kameraden, um dann Leonardo DiCaprio gleich im Meer zu treiben. Nur stirbt er nicht. Er erinnert sich an ein Mädchen (Amanda, die jetzt von Liana Liberato dargestellt wird) in einem roten Blumenfeld. Auch das Blumenfeld und der Weichzeichner sollten nicht verschwiegen werden.

 

Amanda und Dawson waren sehr verliebt ineinander und jetzt treffen sie sich zwei Jahrzehnte später wieder, weil ein enger Freund verstorben ist. Dawsons Welpenblick wird sogleich erklärt. Über Rückblenden erfährt man von seinem brutalen Vater, seinem White-Trash-Hintergrund und sieht, was für ein aufgewecktes Mädchen Amanda war. Heute wirkt sie versteinert, blockt den alten Freund ab. Doch so wie sie ihn abwehrt, ist der erfahrenen Zuschauerin klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie sich wieder in ihn verliebt oder die nie gekappten Gefühle zulässt. Schließlich hat er ihr eine Blume geschenkt bei ihrem ersten Date, in dem Moment, wo normalsterbliche Jugendliche ungeschickt einen Kuss gefordert hätten, ungestüm, ungeschickt, unromantisch. So ist Dawson nicht. Er fragt nach, will wissen, ob sie glücklich ist, heute, 21 Jahre nach ihrer gemeinsamen Zeit. Ja, es sind 21 Jahre, nicht 20, er weiß das noch.

The Best of me – Mein Weg zu dir

 

Der junge Dawson ist eine Rolle, die man in den späten 90er-Jahren Heath Ledger angeboten hätte. Bekommen hat sie hier der Australier Luke Bracey, und der macht seinen Job gut, ebenso wie James Marsden, Schauspieler und Model. Beide tragen enge, durchgeschwitzte Shirts, wenn sie anstrengende Arbeit im Freien verrichten. Beide schneiden auch hier gut ab.

 

Vor zehn Jahren war James Marsden schon einmal in einer Sparks-Verfilmung zu sehen, in einer Nebenrolle in „Wie ein einziger Tag“. Auch für „The Best of Me – Mein Weg zu Dir“ war die Hauptrolle eigentlich einem anderen zugesagt: Paul Walker, der jedoch überraschend verstarb. Marsden „fühlte sich geehrt“, den Part übernehmen zu dürfen. Er spielt den nachdenklichen Treuen, Michelle Monaghan wird ihm nicht lange widerstehen können. Allerdings ist ihre Amanda seit 18 Jahren mit einem anderen Mann verheiratet. Wie sich dieses Hindernis überwinden lässt, wird spannungsfrei, mitunter charmant erklärt, und auch wie man lernt, eine Zwiebel zu schneiden. Wobei die meisten Zuschauerinnen dieses Wissen nicht brauchen, um in den zwei Stunden Tränen in den Augen zu haben.

 

Text: Claudia Nitsche / Fotos: © Senator Film GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Alle Jahre wieder gibt es eine Nicholas-Sparks-Verfilmung. Diese um den Jahreswechsel herum zu platzieren, ist nicht die schlechteste Idee.

 

 
 
 
Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Best of Me
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Senator
Laufzeit: 118 Min.