Machos, Maschinenpistolen und ein Mädchen

Manchmal genügen eine gute Idee und ihre noch bessere Ausführung, um einen ganzen Film zu retten. Dieses Glück hat zweifellos der Thriller „The Crime – Good Cop, Bad Cop“ mit einer Schlüsselszene: Die „Sweeney“ genannte Spezialeinheit der Polizei mit dem alten Haudegen Jack Regan an der Spitze überrascht maskierte und schwerbewaffnete Gangster, wie sie gerade mit großen Taschen voller Geld eine Bank im Herzen Londons verlassen. Das Gefecht kann beginnen.

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Maschinengewehrgarben durchsieben parkende Autos, Glassplitter fliegen umher, getroffene Beamte und Verbrecher werden von der Wucht der Geschosse herumgewirbelt. Schießend, Deckung suchend, rennend und feuernd liefern sich Polizei und Gangster eine Katz- und-Maus-Jagd über den altehrwürdigen Trafalgar-Square, durch einen malerischen Park und in einer Bibliothek bis zum Showdown in einem Parkhaus, dessen Schrecken das ins Rasen gekommene Zuschauerherz abrupt stoppen lässt.

In den furiosen Kamerafahrten, einer sehr eigenständigen Anleihe bei Michael Manns „Heat“, wird die hässliche kriminelle Seite der britischen Gesellschaft gezeigt, inmitten der touristischen Wahrzeichen der Inselmetropole: Auch so kann man kulturelle Konflikte zeigen. In visuellem Stil hat „The Crime“, angelehnt übrigens an die englische Fernsehserie „Die Füchse“ aus den 70er-Jahren, eine Eins verdient. Die Story von Regisseur Nick Love und John Hodge jedoch lässt an Vorhersehbarkeit leider nichts zu wünschen übrig.

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Erwartungsgemäß ist Ray Winstones („Departed – Unter Feinden“) raubeiniger Chefinspektor Jack Regan mit seiner Methode „Erst zuschlagen, dann fragen“ wesentlich erfolgreicher als die Schreibtischhengste um ihn herum. Auch als es um die unglaublich brutale Räuberbande unter Führung von Francis Allen (Paul Anderson) geht. Aufhalten können Regan nur ein fieser Trick und die Eifersucht seines Chefs Frank Haskins (Damian Lewis), mit dessen Frau Nancy – zugleich seine junge Kollegin – er ein Verhältnis hat. In brenzliger Lage kommt Hilfe von dem jungen ehemaligen Kriminellen George Carter (Ben Drew) in seiner Polizeitruppe.

Als Vater und Sohn im Geiste reklamieren sie im Gegensatz zur amerikanischen oder französischen Konkurrenz den Actionthriller als allein männliches Territorium. Winstone gewinnt dabei seiner Figur sogar überraschende emotionale Nuancen ab, während Kollege Drews Gossenjargon womöglich von Autor John Hodges „Trainspotting“-Erfahrung profitiert hat. Hayley Atwells Nancy wirkt hingegen nur beim Sex robust, sonst ist sie Fremdkörper im Testosteron-Verein.

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Auf Dauer geht die naive Männerherrlichkeit gegen den Strich. Aber das Wichtigste sind eben die grandiosen, geradezu panoramischen Actionszenen. Mit ihnen heben sich Regisseur Love und Kameramann Simon Dennis wohltuend von Bildhäppchen à la Bond und Bourne ab.

Text: Andreas Günther / Fotos: Universum
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: The Sweeney
Genre: Drama
Freigabealter: 16
Verleih: Universum
Laufzeit: 113 Min.