Diesmal besonders blutarm …

 

Natürlich knallt es. Seltener als man angenommen hätte. Und auch nicht ganz so spektakulär wie in den beiden Vorgängerfilmen. Aber … es knallt. Womit die wesentlichste Erwartung an „The Expendables 3“ erfüllt wäre. Und doch muss der dritte Teil der losen Actionreihe mit 80er-Jahre-Starbesetzung als der schwächste gelten. Was eine ganze Reihe von Gründen hat …

Barney Ross (Sylvester Stallone) macht Jagd auf einen ehemaligen Kollegen.

 

An der Besetzung liegt es nicht. Mastermind, Autor und Hauptdarsteller Sylvester Stallone rief … und alle kamen. Jedenfalls all jene aus den glorreichen Zeiten des Actionfilms, als Gut und Böse noch charakterlich klar zu trennen waren. Heute, da jeder Held im Kino ein gebrochener sein muss, wären die meisten der hier angetretenen Heroen womöglich fehl am Platze. Aber in einem klar strukturierten Film wie diesem dürfen sie alle punkten: Stallone, Jason Statham, Arnold Schwarzenegger, Wesley Snipes, Jet Li, Dolph Lundgren.

 

Mit ihnen nicht genug: Harrison Ford spielt einen CIA-Agenten, der Barney Ross (Stallone) und seinem Söldnerteam den aktuellen Auftrag erteilt. Es geht darum, einen weltweit gesuchten Waffenhändler zu finden und zu verhaften – lebend! Darüber hinaus war jener Conrad Stonebanks ehemals selbst ein „Expendable“. Mit Ross gründete er gar vor Jahren diese sehr spezielle Vereinigung, die für die US-Regierung die Drecksarbeit macht. Eigentlich, so glaubt Ross, habe er vor zehn Jahren schon Stonebanks getötet, nachdem der zur anderen Seite des Gesetzes übergelaufen war. Hat aber wohl doch nicht geklappt. Stonebanks treibt höchst lebendig sein Unwesen. Gespielt wird er auf geradezu lustvoll schurkige Weise vom außergewöhnlich fitten Mel Gibson, der mit Genuss das Schwein gibt.

Alt und Jung versuchen es diesmal gemeinsam. Mit dabei sind Yin Yang (Jet Li), Thorn (Glen Powell), Smilee (Kellan Lutz), Camilla (Ronda Rousey), Mars (Victor Ortiz), Galgo (Antonio Banderas), Trench (Arnold Schwarzenegger), Gunnar Jensen (Dolph Lundgren), Doc (Wesley Snipes), Toll Road (Randy Couture), Barney Ross (Sylvester Stallone) und Lee Christmas (Jason Statham).

 

Da Stonebanks die erste Auseinandersetzung mit den „Expendables“ für sich entscheidet, beschließt deren Anführer Ross, eine neue Gruppe zusammenzustellen. Eine junge, hungrige Truppe soll es sein. Körperlich fit und technisch auf der Höhe der Zeit. Kellan Lutz („Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“), Ronda Rousey (Bronzemedaillengewinnerin im Judo 2008 in Peking), Glen Powell („Into The West“) und Victor Ortiz (ehemaliger Box-Weltmeister im Weltergewicht) verkörpern den Nachwuchs – allesamt ausnehmend gut gebaut und schauspielerisch unverbraucht. Aber am Ende, klar, wird es ohne die “Alten auch nicht gehen …

 

Damit „The Expendables 3“ ein Erfolg an den Kinokassen wird, war Sylvester Stallone gemeinsam mit Regisseur Patrick Hughes diesmal bereit, einen hohen Preis zu bezahlen. Anders als die ersten beiden Filme, die in Deutschland ab 18 Jahren freigegeben waren, taugt dieser hier nun als lustige Kurzweil beim Jungpfadfinderabend. In Deutschland wurde eine Freigabe ab 16 Jahren beantragt. In den USA hat „The Expendables 3“ eine PSG-13 Freigabe erhalten. Der Hintergrund ist klar: Es geht ums Geld. In Cannes bei der Premiere gestand Stallone freimütig ein, dass er mit Teil drei „so viele Leute wie möglich“ erreichen wolle.

Max Drummer (Harrison Ford, rechts) fliegt mit Trench (Arnold Schwarzenegger) ins Krisengebiet.

 

Nun mag man einwenden, dass ein guter Actionfilm nicht zwingend eine FSK-18-Freigabe braucht. Bei „James Bond“- oder „Mission Impossible“-Abenteuern stimmt das ja auch. Im Falle der „Expendables“, deren Geschichte sich streng genommen in zwei Sätzen erzählen ließe, hat diese selbst auferlegte Zensur geradezu dramatische Folgen. Der Film kommt nun wie ein harmloses Computerspiel daher. Getroffene Gegner, und davon gibt es reichlich, fallen mit einem kurz dahingegrunzten „Oh“ klinisch rein zu Boden. Geblutet wird nur in der Regel gar nicht oder dezent aus dem Mund. Kraftausdrücke verwenden die Herren, die von sich selbst sagen, die härteste Truppe der Welt zu sein, so gut wie keine. Geradezu unglaublich: Im Original fällt nicht ein einziges Mal das Wort „Fucking“ …

 

Was diesmal leider auch zu kurz kommt, ist diese besondere Form der Selbstironie, die gerade den Vorgänger aus dem Jahr 2012 noch so besonders machte: Bonmots wie „Rest …. in pieces“; ein Chuck-Norris-Witz, von Chuck Norris erzählt; Arnold Schwarzenegger karikiert höchstselbst sein „I’ll be back“. – Solcherlei originelle Momente gibt es nur wenige in der Neuauflage des Seniorenkrachers, der sich diesmal leider mehr auf Namen und Schauwerte verlässt, in Sachen Charme und Witz aber viel Raum nach oben hat.

 

Text: Kai-Oliver Derks / Fotos: © 2014 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Expendables 3
Genre: Action
Freigabealter: 16 (beantragt)
Verleih: Splendid
Laufzeit: 127 Min.