Ballern statt Gärtnern

Oh Afrika, Schauplatz blutiger Dramen! Seit 1998 tobt im Kongo ein gewaltsamer Konflikt, der bereits als „Afrikanischer Weltkrieg“ gilt. Trotz Friedensabkommens schweigen die Waffen noch immer nicht, noch immer wird gemordet, noch immer sind Tausende auf der Flucht. Diese nur schwer zu durchblickende Gemengelage ist der Schauplatz von „The Gunman“. In dem Action-Thriller von Genreexperte Pierre Morel wird ein wie immer hervorragender Sean Penn im Kongo vom Jäger zum Gejagten. Den afrikanischen Kontinent lässt er allerdings schnell hinter sich. Schade, denn zurück bleibt ein zwar spannendes, aber nach Schema F inszeniertes Herumgeballere.

Nirgends sicher: Zurück aus dem Kongo, muss sich Jim (Sean Penn) auch in London in Deckung begeben.

 

Jim Terrier (Sean Penn) steckt als Sicherheitsmann einer Nichtregierungsorganisation mittendrin im kongolesischen Chaos. Doch der kantige Mann mit eindeutig zweideutiger Geschichte führt ein Doppelleben: Als Scharfschütze für ein Söldnerunternehmen soll er den Bergbauminister des Kongo töten, damit ausländische Unternehmen die Bodenschätze des riesigen Landes leichter ausbeuten können. Das Attentat gelingt, doch Terrier muss Afrika verlassen – ebenso wie seine Geliebte, die Ärztin Annie (Jasmine Trinca). Jahre später kehrt er zurück in den Kongo. Diesmal steht er auf der guten Seite: Jim baut für eine Hilfsorganisation Brunnen. Doch kaum im Land, trachten ihm Anhänger des einst ermordeten Ministers nach dem Leben. Jim muss erneut seine Koffer packen und sucht Zuflucht in London.

 

Wer erwartet hat, „The Gunman“ sei ein sozialkritisches Drama wie „Der ewige Gärtner“, wird spätestens jetzt bitter enttäuscht. Denn schnell entwickelt sich die Produktion vom engagierten Politdrama zum Ballerfilm. Terrier muss nämlich feststellen, dass zwei seiner ehemaligen Söldner-Kollegen, die an dem Attentat vor vielen Jahren beteiligt waren, tot sind. Und auch er selbst wird in London zur Zielscheibe von Auftragskillern. Felix (Javier Bardem), damals ebenfalls im Kongo, will ihm helfen, die Hintermänner der tödlichen Attacken zu fassen. Jim fliegt zu ihm nach Barcelona.

Im Labyrinth einer Stierkampfarena kommt es zum großen Showdown: Jim (Sean Penn) muss sich gegen Männer aus seiner Vergangenheit zur Wehr setzen.

 

Hier, in der katalanischen Metropole, ist der Kongo tausende Kilometer weit entfernt. Kein Wunder, dass das Drehbuch das afrikanische Drama mittlerweile völlig aus den Augen verloren hat. Stattdessen mutiert „The Gunman“ zunehmend zum reinen Shooterfilm. Sean Penn darf jetzt zeigen, dass er es mit seinen 54 Jahren noch immer drauf hat und sich seine stahlharten Muskelberge nicht umsonst antrainierte. Atemlos ballert er sich durch die iberische Halbinsel, von Barcelona nach Gibraltar und zurück. Auch Regisseur Pierre Morel ist hier ganz in seinem Element: Der Franzose, der 2008 mit „96 Hours“ schon einmal einen geradlinigen Actionthriller ablieferte, zeigt auch mit „The Gunman“, dass er die Regeln des Genres perfekt beherrscht. Das Ergebnis ist spannend, aber leider doch sehr konventionell inszeniert.

 

Wer es gut meint mit „The Gunman“, könnte den Film als Parabel sehen. Darin stünde Jim Terrier für den archetypischen Weißen, der die angebliche Patentlösung für die afrikanischen Probleme kennt, aber ungewollt einen Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt auslöst. Bevor man diesen Gedanken aber zu Ende bringen kann, fliegen schon wieder die Kugeln.

 

Text: Sven Hauberg / Fotos: © Studiocanal GmbH / Keith Bernstein
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

In "The Gunman" zeigt sich der 54-jährige Sean Penn in Hochform.

 

 

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: The Gunman
Genre: Action
Freigabealter: 16
Verleih: Studiocanal
Laufzeit: 115 Min.