Hauptsache es knallt

Sam Witwicky ist Geschichte. Und seine sexy Mikaela sowieso. Für die Nachfolge-Trilogie des Spielzeug- und Comic-Franchise’ „Transformers“ hat der Meister des Krachs, Michael Bay, einen komplett neuen Cast angestellt, der Shia LaBeouf und Megan Fox beerben soll. Viele Neuerungen bringt der nicht. „Transformers: Ära des Untergangs“ ist nach wie vor kaum mehr als eine bombastisch ausufernde Werbeveranstaltung.

Die neue Hauptfigur der zweiten "Transformers"-Trilogie mimt Mark Wahlberg.

 

Der Endkampf des dritten „Transformers“-Teils, die nun in Teil vier als legendär geltende „Schlacht von Chicago“, ist die einzige Brücke zwischen neuer und alter Trilogie. Optimus Prime, der Anführer der gutwilligen Autobots – Alienroboter, die sich in Fahrzeuge verwandeln können -, hat sich in Texas verschanzt und wird dort als rostiger Truck von der neuen Hauptfigur in Bays Ballerparadies gefunden und wieder fit gemacht. Cade Yeager (Mark Wahlberg) heißt dieser Garagen-Tüftler. Dem amerikanischen Traum entgegen schraubend muss er sich auch um seine 17-jährige Tochter Tessa (von nun an der Hingucker in kurzen Höschen: Nicola Peltz) kümmern: „In diesem Haushalt wird nicht gedatet. Ich date niemanden, du datest niemanden“ – der über-protektive Vater war so zwar schon öfter zu sehen, so mancher Spruch ist Autor Ehren Kruger dann aber doch gelungen.

 

Dass Optimus Prime nicht weiter für die Menschheit kämpft, sondern sich im romantisierten Cowboyland verstecken muss, hat einen guten Grund: Die Menschen, genauer gesagt die CIA, machen Jagd auf ihn und seine Spezies. Der Nachrichtendienst versucht, alles Alien-Leben auf der Erde zu finden und zu zerstören. Unterstützt wird er dabei vom Kopfgeldjäger Lockdown, einem grausamen Giganten aus dem All, ebenso halb Roboter, halb Lebewesen.

Transformers

 

Um zu begreifen, dass hinter der Jagd auf Autobots mehr steckt als nur der Wunsch nach Frieden auf Erden, muss man nicht allzu früh aufgestanden sein. Natürlich geht es um Wirtschaftsinteressen. Die Materie, aus der die Roboter-ähnlichen Lebewesen bestehen, ist programmierbar. Alles Menschenmögliche lässt sich scheinbar damit kreieren – natürlich auch neue, selbststeuerbare Riesenroboterkampfmaschinen. Der zuweilen etwas cholerische und hochnäsige Erfinder Joshua Joyce (Stanley Tucci) lässt sich vom vielen Geld des US-Militärs locken.

 

Doch aus „Transformium“, dem zauberhaften, neu entdeckten Element, lassen sich eben nicht nur Roboter nachbauen, sondern auch jede Menge Konsum-Produkte, die prima im Film platziert werden können. So zaubern Joyce’ Mannen zur Demonstration des Wundermittels ein Lautsprechersystem einer aktuell scheinbar allgegenwärtigen Kopfhörer-Marke. Nicht das einzige Mal, dass der Zuschauer zu sehen bekommt, woher die vielen Millionen für das Krach-Boom-Bang kommen: So regnet es Bier vom Himmel, das Mark Wahlberg dann in die Kamera hält, ein Rallye-Wagen wird von einer bekannten Brause-Firma gesponsert, und bei der Menge an Autos wird eine Marke immer besonders gut ins Licht gerückt. Subtil ist anders.

Auch das männliche Auge wird bedient: Nicola Peltz ist das neue weibliche Gesicht bei "Transformers".

 

Während sich Wahlberg vom Loser zu James Bond, Ellen Ripley („Alien“) und John McClane („Stirb Langsam“) in Personalunion verwandelt, ist es eigentlich nur Stanley Tuccis Figur Joyce, die erstens Witz in das Geballer bringt und die zweitens mal kurz über das eigene Handeln nachdenken darf. Tiefe sollen auch die zwei Moralteppiche bringen, die Bay über seinen vierten „Transformers“-Film ausbreitet: Zum einen können aus Fehlern große Dinge entstehen – was zum Beispiel die Erzeugung von Tochter Tessa betrifft. Ebenso wird herausgestellt, dass die Wissenschaft sich nicht alles erlauben sollte.

 

Ein Glück tut sie dies aber im Film, was schließlich zum gewohnten „Transformers“-Gerumms und -Gebumms führt. Dies ist abermals der beste Grund, sich beinahe drei Stunden lang in vier Dimensionen (die Kinositze rütteln und schütteln den Zuschauer ob des Basses mächtig durch) volldröhnen zu lassen. Wen sinnlos umherfliegende Raketen und Projektile eher erfreuen als stören, vor allem wenn sie nicht einmal eine geradeaus fahrende Rostlaube von einem Lkw zu streifen vermögen, der wird darüber hinwegsehen können, dass die Geschichte ansonsten nicht viel hergibt. Zumindest hält sie einige Türen für die angekündigten Teile vier und fünf offen.

 

Text: Max Trompeter / Fotos: © 2014 Paramount Pictures / Hasbro / Andrew Cooper
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Transformers: Age of Extinction
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Paramount
Laufzeit: 166 Min.