Gut und günstig

Man muss sich die Zahl auf der Zunge zergehen lassen: 1,5 Milliarden US-Dollar. Mehr als der erfolgreichste „Transformers“-Film, mehr als der finale „Harry Potter“-Teil, mehr als das umsatzstärkste „Pirates of the Caribbean“-Abenteuer spielte „Marvel’s The Avengers“ 2012 weltweit ein. Und wie sah der nächste Schritt aus, nachdem Regisseur Joss Whedon jenes teure, bombastische, gleichermaßen Promi- und Special-Effects-beladene Superheldenabenteuer im Kasten hatte? Er trommelte ein paar Freunde zusammen, um mit ihnen die Shakespeare-Komödie „Viel Lärm um nichts“ neu zu verfilmen. In Whedons eigenem Haus, quasi für einen Apfel und ein Ei.

Beatrice (Amy Acker, rechts) traut ihren Ohren nicht: Benedikt soll in sie verliebt sein? Das behaupten zumindest Hero (Jillian Morgese) und ihre Zofe (Ashley Johnson, links).

 

Keine 14 Tage dauerten die Dreharbeiten zum Schwarz-Weiß-Film „Viel Lärm um nichts“, die Joss Whedon noch schnell vor Beginn der „Avengers“-Postproduktion über die Bühne brachte. Das Material schnitten er und sein Assistent Daniel Kaminsky dann in ihren Mittagspausen, den sanften, etwas einlullenden Jazzsoundtrack komponierte Whedon an den Wochenenden. Wer das Drehbuch geschrieben hat? Dreimal dürfen Sie raten …

Sie können hervorragend übereinander spotten: Wären Beatrice (Amy Acker) und Benedikt (Alexis Denisof) nicht das perfekte Paar?

 

Hier und da ließ Whedon Nebenfiguren miteinander verschmelzen und machte eine männliche zu einer weiblichen Rolle. Ansonsten jedoch hielt sich das Allroundtalent an Shakespeares Originaltext, der nun von Männern in schicken Anzügen und Frauen in modischen Sommerkleidern zwischen Puppenhäusern und Küchentheken vorgetragen wird. Auch wenn Whedon bei Weitem nicht der Erste ist, der die über 500 Jahre alten Zeilen vor moderner Kulisse aufsagen lässt – „William Shakespeares Romeo + Julia“ von Baz Luhrmann grüßt aus dem Jahre 1996: Noch immer verblüfft, wie zeitlos Shakespeares Humor doch ist, den Whedon mit herrlich komischen Bildern unterstreicht.

Auch Hero (Jillian Morgese) findet schnell Gefallen an Claudio.

 

Zwei Intrigen verschiedener Initiatoren stehen im Zentrum des oft adaptierten Stückes: Die eine zielt darauf ab, den überzeugten Junggesellen Benedikt (Alexis Denisof) und die schlagfertige Beatrice (Amy Acker) zu verkuppeln, die andere soll die Frischverliebten Claudio (Fran Kranz) und Hero (Jillian Morgese) entzweien. Acker und Denisof gehörten zwischen 1999 und 2004 zum Hauptcast von Whedons „Buffy“-Ableger „Angel – Jäger der Finsternis“, dementsprechend vertraut wirken die beiden Hauptdarsteller bei ihren spritzigen Wortgefechten.

Beatrice (Amy Acker) muss ihre Ansichten überdenken.

 

Auch die meisten anderen Angehörigen des Casts haben im Laufe ihrer Karriere mindestens einmal mit Whedon zusammen gearbeitet – ob nun als Statistin am Set von „Marvel’s The Avengers“ wie Jillian Morgese oder als Darsteller in einer von Whedons zahlreichen Serien. Eine hervorragende Ausgangsbasis für eine Produktion, die später bei zahlreichen Festivals – etwa in Toronto, München und Glasgow – das Publikum verzaubern sollte: Whedon konnte sich sicher fühlen, dass sein sorgfältig gewähltes Ensemble den Spagat zwischen federleichter Screwball-Komödie und großer Tragik mühelos meistern wird. Und die Darsteller wussten bereits, dass ihr Regisseur im Stande ist, ganz großes Kino zu inszenieren – ob nun mit oder ohne Millionenbudget.

 

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: © 2012 Messina, LLC / Edel:Motion Film
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Much Ado About Nothing
Genre: Komödie
Verleih: Edel:Motion Film