Segeln vor Korsika, Prügeln in Vegas

Mit Messern und Löffeln, mit Kristallaschenbechern, Handkantenschlägen und Fußtritten pflegt Security-Spezialist Nick Wild (Jason Statham) in der Spielerstadt Las Vegas allzu aufdringlichen Muskelprotzen den Garaus zu machen. Meistens ist er jedoch wie entrückt. Während er in der Bar eines Kasinos an seinem Whiskey nippt, hängt er seinem Traum nach: im Abendrot vor Korsika zu segeln. Dabei sinniert er einigermaßen eloquent darüber, wie verpfuscht sein Leben ist, solange er dieses Lebensziel nicht erreicht hat. Ja, in „Wild Card“ hat „Transporter“- und „Expendables“-Actionheld Jason Statham so viel Text aufzusagen wie wahrscheinlich seit „Schweine und Diamanten“ nicht mehr. Eingebrockt hat ihm das ein berühmter Kreativer der Filmbranche.

Die malträtierte Holly (Dominik García-Lorido) will sich mit Nicks (Jason Statham) Hilfe an ihren Peinigern rächen.

 

Zu seiner eigenen Überraschung lässt sich Nick Wild erweichen, Holly (Dominik García-Lorido) bei ihrem gefährlichen Rachefeldzug zu helfen. Er findet er heraus, dass es Jung-Mafioso Danny De Marco (Milo Ventimiglia) war, der mit seinen Bodyguards die junge Frau vergewaltigt, schwer verprügelt und gedemütigt hat. Doch er zögert, weitere Schritte zu unternehmen. Die Aussicht, letztlich die ganze Unterwelt von Las Vegas gegen sich aufzubringen, schmeckt ihm überhaupt nicht. Wenn er erst auf der Liste der Killer steht, wird er kaum noch Zeit haben, genug Geld zu gewinnen, um Segeln gehen zu können.

 

So ungefähr mäandert die Handlung von „Wild Card“ vor sich hin. Dass das in Ordnung geht, liegt nicht etwa an der leicht parodistischen Figur des jungen Multimillionärs Cyrus „Dirk“ Kennick (Michael Angarano), der Nick als Leibwächter engagiert, oder an dem betörend altmodischen Auftritt von Stanley Tucci als lokale Gangstergröße „Baby“. Nein, was an „Wild Card“ reizt, ist ein Jason Statham, der fast schon den Übergang zum Charakterdarsteller hinbekommt, so sehr hadert sein Nick Wild mit sich selbst. Sein Weg zum guten Leben ist auch deshalb so schwierig, weil er sich in einem Netz aus Ironie, Lügen, Paradoxien und halsbrecherischen Sinnverkehrungen verheddert, wenn er nur den Mund aufmacht.

Schon lange fühlt sich Nick Wild (Jason Statham) nicht mehr richtig wohl in Las Vegas.

 

Auf den Leib geschrieben hat Statham die Rolle kein Geringerer als William Goldman. Der Autor füllte mit seiner Liebe zur Sprache und zu grotesken Geschichten zunächst Romane, ehe er mit den Drehbüchern zu Robert Redfords erstem Hit „Zwei Banditen“ und dem Watergate-Thriller „Die Unbestechlichen“ zwei Oscars gewann und mit „Marathon-Mann“ einen großartigen Thriller für Dustin Hoffman schuf. Nach „Nick, der Killer“ mit Burt Reynolds ist „Wild Card“ Goldmans zweiter Versuch, seinen Roman „Heat“ für die Leinwand zu adaptieren. Vielleicht ist er diesmal zufriedener.

 

Denn Regisseur Simon West („The Expendables 2“, „Con Air“) erfasst die Intention des Autors ganz gut, irgendwie alles auf den Kopf zu stellen. Er macht Gangster und Schläger zu Wortakrobaten, führt sie sanft auf falsche Fährten, lässt die Dinge erst ganz und dann doch nicht so anders aussehen, als sie sind – und liefert nicht zuletzt die passenden Bilder dazu. Die Kartenspiele inszeniert er mit abrupten Beschleunigungen und Verlangsamungen wie eine episch gedehnte Verfolgungsjagd zwischen Nick und dem Glück: Sie sind gleichzeitig wunderbares Gegenstück zu den kurzen, komprimierten, aber im Detail furiosen Kampfszenen, in denen zerquetschte Hände wie zum Kuss dargeboten werden und die Karten aus Nicks Portemonnaie wie Klingen durch die Luft zischen und Killer aufsägen.

 

Text: Andreas Günther / Fotos: © Universum Film
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

"Wild Card" zeigt Jason Statham als grüblerischen Security-Spezialisten, der mehr mit sich als mit seinen Gegnern beschäftigt ist.
 
 
 
Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Wild Card
Genre: Thriller
Freigabealter: 16
Verleih: Universum
Laufzeit: 93 Min.