Treffen der Generationen

Das Beste aus den 60ern, 70ern und von morgen! Nein, hier geht es nicht um ein sehr spezielles Radioprogramm. Sondern um den Versuch von Bryan Singer, nicht nur alle bisherigen X-Men-Filme mit ihren verschiedenen Besetzungen unter einen Hut zu bringen, sondern auch die Zukunft für weitere Episoden zu sichern. Ein ambitioniertes Projekt. Aber wer wäre der richtige Mann für den Job, wenn nicht Singer?

Immerhin ist der Regisseur derjenige, der die Reihe vor 14 Jahren startete (und damit ganz nebenbei eine ganze Flut von Superheldenfilmen auslöste). Und so kämpfen in „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ die alten Recken aus der Zukunft zusammen mit den Jungspunden aus der Vergangenheit um ihre Existenz: meist turbulent, oft pathetisch und immer wieder mit einer kleinen Prise Humor.

Mit Unterstützung durch Logan (Hugh Jackman, rehts) und Hank McCoy (Nicholas Hoult, links) wagt sich Xavier (James McAvoy) wieder an seine Fähigkeiten.

 

Als der Film beginnt, ist die letzte Schlacht schon längst geschlagen: Die großen Weltstädte liegen in Trümmern, in den Straßen türmen sich Leichenberge zwischen dem Schutt. Mutanten und ihre Sympathisanten werden – soweit noch nicht tot – in Gefangenenlager getrieben. Die letzten von ihnen sind ständig auf der Flucht vor gigantischen Kampfrobotern, die ebenso effektreich wie tödlich auf Mutantenjagd gehen. Wie ausweglos die Lage ist, erkennt man auch daran, dass sogar die einstigen Erzfeinde Charles Xavier (Patrick Stewart) und Magneto (Ian McKellen) sich wieder zusammengetan haben. Gemeinsam mit der jungen Mutantin Kitty Pryde (Ellen Page) entwickeln sie einen Plan, das Verderben doch noch aufzuhalten: Indem sie es von vornherein verhindern.

 

Die Wurzel allen Übels liegt im Jahr 1973: Da nämlich beschloss die Mutantin Mystique (Jennifer Lawrence), den Waffenexperten Dr. Bolivar Trask (Peter Dinklage) für dessen teils tödliche Experimente an Mutanten hinzurichten – und löste dadurch eine gewaltige und letztlich eben auch gewalttätige Anti-Mutanten-Bewegung aus. Klar also: Das muss verhindert werden! Glücklicherweise hat Kitty die Fähigkeit, einen Menschen in der Zeit zurückzuschicken. Problem nur: Der Einzige, der eine so lange Reise unbeschadet überstehen kann, ist der praktisch unkaputtbare Wolverine (Hugh Jackman). Und der ist nicht eben ein Meisterdiplomat. Also braucht er die Hilfe des jungen Xavier (James McAvoy) und des jungen Magneto (Michael Fassbender). Doch die sind in der Vergangenheit noch (v)erbitterte Feinde …

Mystiques (Jennifer Lawrence) Entscheidung wird den Verlauf der Weltgeschichte bestimmen.

 

Gibt es so etwas wie Schicksal? Oder den freien Willen? Wie kann man Menschen die Angst vor dem Anderen nehmen? Und wie die Angst vor sich selbst? Es sind ein paar große Fragen, die Singer in seinem Popcorn-Abenteuer stellt. Dazu packt er in die guten zwei Stunden Spielzeit noch eine dystopische Zukunft und ein wenig Zeitgeschichte der Post-Vietnam-Ära in den USA, die stimmig, wenn auch nicht ganz so detailverliebt inszeniert werden wie die 60er im Vorgänger „Erste Entscheidung“. Die Balance gelingt dabei nicht immer, gerade die düstere Zukunftsvision hätte vielleicht etwas mehr Zeit gebraucht sich zu entfalten; so wirkt das grob umrissene Chaos oft eher überzogen denn überzeugend.

 

Vor diesem wahrlich bunten Hintergrund präsentieren sich dann nicht nur die bereits bekannten Helden aus Zukunft und Vergangenheit. Sondern es werden sogar noch neue Charaktere eingeführt. Wobei „eingeführt“ wohl das falsche Wort ist. Und „Charaktere“ eigentlich auch. Die Mutanten, die hier den Bildhintergrund bevölkern und mit Glück auch mal ein Wort sprechen dürfen, bleiben reine Staffage, mit denen höchstens Hardcore-Comicfans etwas anfangen können. Nur der Auftritt des ebenso enervierenden wie nützlichen Mutanten-Teenagers Quicksilver (stiehlt jede seiner allzu raren Szenen: Evan Peters) besticht durch Witz, Einfallsreichtum und äußerst clever eingesetzte Spezialeffekte in einem Film, der sonst vor allem solides 3D-Standardspektakel bietet.

Magneto (Michael Fassbender) hat ganz eigene Pläne für die Polit-Prominenz der USA.

 

Es sind also eine ganze Menge Bälle, die Singer hier in der Luft halten muss. Dass er dabei nicht durchgehend eine perfekte Figur macht, ist wenig erstaunlich. Viel erstaunlicher ist es, dass er es letztendlich schafft. Das hat er allerdings zum großen Teil auch seinem Schauspiel-Ensemble zu verdanken, das auch vergleichsweise kleine Rollen engagiert ausfüllt. Von Peter Dinklages erstaunlich banalem Bösewicht etwa hätte man gerne noch mehr gesehen. Aber vor allem McAvoy – der mit Hippie-Matte und Bart zwar aussieht wie Jesus, aber als verbitterter Xavier rein gar nichts mit einer Erlöserfigur gemein hat – und sein Counterpart Fassbender als Magneto spielen ihre komplizierte Beziehungskiste wieder fein aus. So kann man sich letztlich durchaus darüber freuen, dass Singer im Handstreich den Weg freimacht für ein Reboot der Serie. Der achte „X-Men“-Film soll übrigens 2016 in die Kinos kommen.

 

Text: Sabine Metzger / Fotos: © 2013 Twentieth Century Fox
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: X-Men: Days of Future Past
Genre: Action
Freigabealter: 12
Verleih: Fox
Laufzeit: 132 Min.