Der Bub und das Biest

Paolo mag man nicht Titelheld nennen, aber er ist doch die Hauptfigur der italienischen Berserker-Komödie „Zoran – Mein Neffe, der Idiot“. Und da der dicke, biestige Mann sich stets in den Vordergrund drängt, gilt in diesem Film seine Weltsicht. Und das ist über eine lange Zeit durchaus lästig, macht aber nichts.

Hinter diesen Gläsern steckt ein wacher Verstand: Rok Prasnikar spielt Zoran.

 

Paolo (Giuseppe Battiston) verbindet jedwede Tätigkeit mit Trinken. Sein Lieblingsort ist die Taverne in seinem kleinen Dorf. Voll bis zur Hutkrempe setzt er sich dann in seinen Wagen und versteckt sich bei Bedarf vor der Polizeikontrolle bei einem Freund. Ein immer wiederkehrendes Schauspiel, gegen das sich keiner mehr wehrt. Sich aufzulehnen gegen diesen gewieften Menschenverachter, gegen diesen Zyniker, der mit einer Lüge hier und da auch mal einen Kollegen reinreitet, das hat keinen Sinn. Fettige Haare, viel Bart, unzufrieden campiert er weit weg von der Sonnenseite des Lebens.

 

Die Nachricht vom Tod einer unbekannten Tante verbindet Paolo sofort mit dem Gedanken an eine Erbschaft. Allerdings bringt er aus Slowenien einen Porzellanhund in Lebensgröße und einen 15-jährigen Jungen mit: Zoran (Rok Prasnikar). Paolos neuer Neffe scheint zurückgeblieben, ein Idiot, wie der frischgebackene Onkel meint. Feinfühligkeit gibt es beim grobschlächtigen Trinker nicht, er lädt den Buben in der Kneipe ab und sammelt ihn nach seiner Arbeit in der Küche des Altersheims dort ein. Bald aber entdeckt man in der Kneipe Zorans Talent beim Dartspiel – er hat eine enorme Trefferquote. Dadurch wird der gescheitelte Bub zu einer nützlichen Waffe in Paolos Überlebenskampf. Auf Kosten anderer zu leben, ist Paolo nicht fremd. Warum also nicht den Jungen zu einer Weltmeisterschaft schicken und richtig absahnen?

Als Paolo (Giuseppe Battiston, links) merkt, wie er mit Zoran (Rok Prasnikar) Geld machen kann, wendet sich das Blatt recht schnell.

 

Das mit etlichen Preisen ausgezeichnete schrullig-charmante Kinodebüt von Matteo Oleotto stellt einen unsympathischen Menschen in den Mittelpunkt, zynisch, gemein, egoistisch und so genau man auch hinsieht, man findet wirklich keine angenehme Eigenschaft. Der ungelenke Trampel endet jedoch in einer feinen Geschichte mit Zwischentönen.

 

Der derbe Start, der nicht jeden zum Lachen bringt, ist nur ein präzise gelegter Grundstein für eine Entwicklung. Und auch wenn Giuseppe Battiston („Brot und Tulpen“) ein bekannter italienischer Schauspieler ist, funktioniert die Geschichte erst durch den ruhigen Humor und die Aufmerksamkeit von Rok Prasnikar. Hinter seinen dicken Brillengläsern ruht ein wacher Verstand, trotz des viel zu großen Gestells auf der Nase ist dieser Junge ein schöner Mensch. Und wenn sich der Zuschauer nur gut genug an diesem Charakter festhält, wird er mit etwas Geduld anfangen, diesen Film zu mögen. Eine schöne Produktion für das Publikum, das sich über zu wenig Abwechslung im Kino beklagt. Hier bekommt er sie in einer ungewöhnlichen italienischen Komödie.

 

Text: Claudia Nitsche / Fotos: © Movienet
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Zoran, il mio nipote scemo
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Movienet
Laufzeit: 112 Min.