A cappella gegen die Deutschen

 

Was war das für eine spritzige Überraschung, als die College-Girl-Group Barden Bellas vor drei Jahren im Kino mit A-cappella-Gesang das angestaubte Genre Collegekomödie entrümpelte. Dabei war die Story nicht ein einmal besonders originell: Ein paar Außenseiterinnen rauften sich zusammen und gewannen am Ende den ganz großen Pokal. Was „Pitch Perfect“ auszeichnete, waren ironischer Humor, witzig-überzeichnete Figuren und schmissige Tanzmusik. All das gibt es in „Pitch Perfect 2“ auch: Allerdings fehlt der Fortsetzung die Lässigkeit. Die Bellas singen sich versiert durch aktuelle Charts und alte Hits, sie machen die gleichen Witze und verlieren sich in vielen nebensächlichen Handlungssträngen. Das ist immer noch unterhaltsam, aber eben nicht mehr cool.

Team USA: Die Barden Bellas singen um den WM-Pokal.

 

Elizabeth Banks, die Effie Trinket aus den „Tribute von Panem“-Filmen, feiert mit „Pitch Perfect 2“ ihr Regiedebüt. Sie macht das ganz ordentlich und nudelt die Hits routiniert durch. Schade aber ist, dass trotzdem alles beim Alten bleibt: der Aufbau wie die Dramaturgie, teilweise hat Banks ganze Szenen durch den Remixer gejagt. Herausgekommen ist ein Film ohne Ecken und Kanten. Das muss per se nicht schlecht sein, wie der Vorgänger zeigte. Weil aber das Überraschungsmoment fehlt (und weil Europas größter Autokonzern seine Produkte zu offensiv platziert), wirkt die ganze Show etwas müde.

 

Bemerkenswert ist, dass „Pitch Perfect 2“ Bilder von Barack Obama und First Lady Michelle zeigen darf. Dem Präsidentenpaar wollen die Bellas ein Geburtstagsständchen singen, aber ihr Auftritt endet in einer nationalen Blamage. Fat Amy (Rebel Wilson) zeigt alles, auch ihren „Wrecking Ball“, den sie eigentlich nur besingen wollte. Die Bellas stehen erneut vor dem Aus: Ihre einzige Chance, rehabilitiert zu werden, ist die A-cappella-WM in Kopenhagen. „Viel Spaß dabei“, wünschen die erneut herrlich unkorrekten Kommentatoren (Elizabeth Banks, John Michael Higgins). „Ihr könnt die WM nicht gewinnen, weil alle Welt die USA hasst“, lachen sie sich halb tot.

 

Die Kommentatoren John (John Michael Higgins) und Gail (Elizabeth Banks) nehmen wie gewohnt kein Blatt vor den Mund.

 

Den beiden Lästermäulern gehören die besten Szenen in einem Film, der sich ansonsten damit begnügt, das erfolgreiche Konzept des Vorgängers zu kopieren. Wieder bekommen es die Bellas mit einem Übergegner zu tun. Die Ansammlung hübsch überzeichneter Blondpanzer-Karikaturen nennt sich „Das Sound Maschine“, feiert den alten Kraftwerk-Sound und kommt aus Deutschland. Warum? Siehe auch: Produktplatzierung.

 

Ansonsten ist alles so, wie’s vor drei Jahren auch schon war: Die Truppe muss sich zusammenraufen, es gibt einen Frischling (Hailee Steinfeld, „True Grit“) mit großen Ambitionen, Fat Amy macht sich über dicke Frauen lustig. Dazu gibt’s ein paar kleine Seitenhiebe auf die US-Einwanderungspolitik, auf die Sensationslust und Prüderie im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten.

 

Lustige Band aus Deutschland: Das Sound Maschine sind eine Mischung aus Kraftwerk und Hollywood-Nazis.

 

Nein, es passiert nicht wirklich viel. Kleinere und größere Probleme werden hin und wieder angerissen, bleiben aber nicht mehr als Stichworte. Ober-Bella Beca (Anna Kendrick) zum Beispiel will eine Karriere nach dem College starten und jobbt heimlich in einer Plattenfirma, in der zur Mittagskonferenz Klischees gereicht werden. Dann bekommt noch die ehemalige Bandleaderin Aubrey (Anna Camp), obwohl nicht mehr am College, ihren Auftritt: Sie leitet ihr eigenes Bootcamp und trimmt die Mädchen auf Teamgeist, weil die Harmonie „im Arsch“ ist.

 

Rechtzeitig vor der WM in Dänemark finden die Mädchen zusammen. Da ist die Zeit aber fast schon rum: Das Finale wird mit schicken Choreos im Schnelldurchlauf abgefeiert. Das ist alles nett anzusehen, man wippt auch freudig im Takt der Bellas, ist am Ende aber doch ernüchtert. Bleibt zu hoffen, dass der angekündigte dritte Teil wieder etwas origineller wird.

 

Text: Andreas Fischer / Fotos: © Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Nicht die ganz große Vokalkunst: "Pitch Perfect 2" ist eine müde Kopie des überraschend erfolgreichen Vorgängers.

 

 

 

Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Pitch Perfect 2
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Universal
Laufzeit: 105 Min.