Tänzer der Nacht

Eigentlich hat Grigris einen anderen Namen. Doch Grigris bedeutet Glücksbringer – und das gefällt ihm. Er ist der König der Nacht: In den Nachtclubs von N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, bewundert und schätzt man wegen seiner atemberaubenden Tanzeinlagen – und steckt ihm dafür so manchen Geldschein zu. Grigris bewegt sich mit der Eleganz einer geschmeidigen Katze übers Parkett; dabei fällt zunächst gar nicht auf, dass sein linkes Bein verkümmert ist: In der Nacht spielt die Behinderung keine Rolle.

Grigris’ Glück

 

Am Tag schon: Da stolpert der begnadete Tänzer durch die staubigen Straßen der Stadt, sucht vergeblich nach einer Anstellung in den verschiedenen Tanztheatern, unterstützt seien Mutter bei Botendiensten und arbeitet aushilfsweise bei seinem Stiefvater, der eine kleine Näherei mit Fotoladen betreibt. Das bringt zwar nicht viel ein, doch Grigris ist zufrieden. Zumal er im Fotoladen auch die schöne Mimi kennen lernt, in die er sich sofort verliebt. Dass Mimi sich bis zu ihrer erträumten Karriere als Model und Schauspielerin von reichen Männern aushalten lässt, scheint den der immer freundlichen Grigris nicht zu stören.

 

Doch dann erkrankt der Stiefvater schwer; das Geld, das Grigris und seine Mutter mit legaler Arbeit mühselig zusammenbringen, reicht nicht für Krankenhaus und Medikamente. Der junge Mann heuert bei einer Benzinschmugglerbande an, deren Chef einer der Liebhaber Mimis ist. Doch schon der erste Versuch, Benzin aus dem ölreichen Nachbarstaat Nigeria über den Fluss zu bringen, führt fast zur Katastrophe. Immer tiefer gerät Grigris in die kriminelle Unterwelt, immer verzweifelter werden seine Versuche, nicht nur Geld aufzutreiben, sondern mit Mimi ein neues, ein freies Leben zu beginnen. Als er versucht, deren Boss übers Ohr zu hauen, bringt er sich und seine Freundin in größte Gefahr.

Grigris’ Glück

 

Der Film zeigt viel über die soziale Realität des Tschad, zeigt die schwierigen Lebensbedingungen, die karge Arbeit, die Verführungskraft des Nachtlebens, von Geld, schönen Frauen, einem Wohlstand, der kaum mit legalen Mitteln zu erreichen ist. Er erzählt vom Überleben in dieser Gesellschaft, in der trotz aller Härte ein wenig Solidarität möglich ist. Von einem in sich zerrissenen afrikanischen Land, das sein Gleichgewicht in der Verbindung von Tradition Moderne finden könnte.

 

Dieser sehenswerte, nicht westlich orientierte Blick auf dieses Land wird geprägt von seinem Hauptdarsteller Souleymane Démé, der hier seine erste Rolle spielt. Gerade das Unprofessionelle seines Spiels macht dabei den Reiz aus, verleiht „Grigris’ Glück“ oft eine fast dokumentarische Authentizität.

 

Text: ewei / Fotos: © temperclayfilm

 

Film des Monats im Kommunalen Kino
Erste Aufführung heute, Mittwoch, 20. Mai 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen: 22.5., 23.5., 24.5. 25.5. und 30.5.
Infos unter: www.koki-freiburg.de

 

Grigris’ Glück
Tschad, Frankreich 2013
Regie: Mahamat Saleh Haroun
Mit: Souleymane Démé, Cyril Gueï, Anaïs Monory, Marius Yelolo u.a.
Verleih: temperclayfilm
Laufzeit: 95 min.; OmU
Ab 09.04.2015 im Kino