Die Männer haben sich selbst zuzuschreiben, dass sie zu verschleierten, in zeltartige wadenlange Gewänder gekleideten Knechten wurden, die den herrschenden Frauen der Volksrepublik Burbunne in jeder Hinsicht und jederzeit zu Diensten sein müssen: Hätten sie sich in der längst verblichenen Zeit der Gleichstellung der Geschlechter während einer Dürre mit ihrem Anteil am vorhandenen Gemüse und Gras begnügt, so wäre alles anders. Doch sie fielen über die für die goldgeschweiften weißen Pferdchen bestimmten Pflanzen her und schreckten nicht einmal davor zurück, diese schließlich auch noch abzuschlachten – einschließlich des Lieblingspferdchens der Königstochter Bubunne. Da war es nur natürlich, dass diese die Tierchen für heilig erklärte, der maskulinen Gefräßigkeit ein Ende setzte und im Namen der Frauen die Macht ergriff.

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Seither fristen die Männer schicksalsergeben ein Dasein als unterwürfige Hausarbeits-Wesen, die brav ihre Körper verhüllen, ihren uniformierten Frauen die Stiefel putzen und für hoffentlich weiblichen Nachwuchs sorgen. Und ohne Murren den widerwärtigen Schleim essen, der bei Bedarf aus riesigen Wasserhähnen fließt und dessen Beschaffenheit – vorerst – Staatsgeheimnis ist. Jahrelange Gehirnwäsche hat dafür gesorgt, dass die meisten Burbunner dies als irgendwie gerecht und normal empfinden – zumal ein vorbestimmtes Leben ohne die Notwendigkeit, selbst Verantwortung zu übernehmen, ja auch ganz schön bequem sein kann.

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Auch der hübsche und von so mancher Uniformträgerin in Gedanken und Tat heiß begehrte Jungmann Jacky ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem Los. Und hört nicht auf seinen meistens unverhüllten Onkel, der ihn dazu bringen will, sich dem Untergrund-Widerstandskampf gegen das diktatorische Regime anzuschließen. Er will seine Ruhe haben – und weiterhin davon träumen, dass eines Tages seine Märchenprinzessin auf ihrem allerliebsten Pferdchen daherkommt und ihn mit sich in ihren Palast nimmt: in Gestalt von Colonelle Bubunne XVII, der einzigen Tochter und somit Thronfolgerin der Staatsoberhäuptin, Generalin Bubunne XVI. Schon lange ist Jacky in sie verliebt, verbringt Stunden vor ihrem Bild an seiner Küchenwand, schmachtet es an – und masturbiert.

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Dann scheint seine große Chance gekommen: Die Colonelle sucht einen Mann und lädt die Jungmänner, die diese Nachricht in flirrende Aufregung versetzt, zur Bräutigamsbeschau. Doch nur die Wohlhabenden können sich die Eintrittskarte leisten – und zu denen gehört Jacky nicht. In seiner grenzenlosen Verblendung verrät er seinen Onkel. Und wird belohnt. Doch diese Belohnung sieht ganz anders aus, als er dachte. Er kommt einem wohlgehüteten Geheimnis auf die Spur, dessen Enthüllung ganz am Ende, in der besten Szene des Films, für eine unerwartete Überraschung sorgt.

 

Riad Sattoufs satirisch überspitztes Plädoyer gegen jede Form von Unterdrückung ist zu einer derben Tirade geraten, mit Momenten, die hart an der Grenze zum Trash angesiedelt sind.

 

Text: Erika Weisser / Fotos: Pandastorm Pictures

 

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Jacky im Königreich der Frauen
Frankreich 2014
Regie: Riad Sattouf
Mit: Charlotte Gainsbourg, Vincent Lacoste, Michel Hazanavicius u.a.
Verleih: Pandastorm
Laufzeit: 90 Minuten
Start: 19.2.2015