Mein Mann, mein Haus, mein Baby: In Sachen Familienplanung legt Collien Ulmen-Fernandes gerade ein ordentliches Tempo vor. Als hätte die 30-Jährige, die im Juli 2011 den Schauspieler Christian Ulmen heiratete und mit ihm ihr erstes Kind erwartet, mit ihren Jobs nicht genug um die Ohren: Die Berlinerin ist Moderatorin, Model, Designerin und nicht zuletzt Schauspielerin – wie sie im neuen ARD-Krimi “Toni Costa – Kommissar auf Ibiza: Küchenkunst” (Donnerstag, 29.03., 20.15 Uhr) einmal mehr beweist. “Grundsätzlich bin ich schon ein Workaholic”, lacht die schöne Halb-Inderin im Interview mit Christina Zimmermann. Die kommenden Wochen gehören allerdings ganz dem Nachwuchs – auch wenn Collien Ulmen-Fernandes weiß: “Das wird bestimmt kein Urlaub!”

chilli: Frau Ulmen-Fernandes, haben Sie sich schon an Ihren Doppelnamen gewöhnt?
Collien Ulmen-Fernandes: Mittlerweile ja. Es dauerte allerdings bis ich es drin hatte, mich so am Telefon zu melden. Jetzt geht das ganz automatisch. Es ist sogar so, dass wenn jemand nur Fernandes sagt, das für mich total falsch klingt.


chilli: Wie wichtig war es für Sie, Ihren eigenen Namen zu behalten?
Ulmen-Fernandes: Ich hatte mir natürlich überlegt, künftig nur Ulmen zu heißen. In unserem Fall ist das aber etwas schwieriger: Auf Plakaten steht oft einfach nur die Darsteller-Abkürzung “C. Ulmen” – und die Leute rennen in den Film, weil sie meinen Mann sehen wollen, sind dann aber enttäuscht, wenn ich auftauche (lacht).

chilli: Wie hat es Christian Ulmen geschafft, bei Ihnen zu landen?
Ulmen-Fernandes: Wir haben zusammen die ZDFneo-Serie “Die Snobs” gedreht – ich spielte seine Ehefrau. Und alles andere hat sich dann so ergeben.

chilli: Und wie haben Sie ihn von sich überzeugt?
Ulmen-Fernandes: Ehrlich gesagt mussten wir uns gar nicht wirklich voneinander überzeugen (lacht).

chilli: Laut FHM sind Sie die “Sexiest Woman in the World 2010”. Sind Sie sich Ihrer Wirkung bewusst?
Ulmen-Fernandes: Man sucht sich solche Titel ja nicht aus, geht weder zu irgendeiner Wahl oder meldet sich irgendwo an. Plötzlich bekommt man einen Anruf: “Glückwunsch, Sie haben gewonnen!” Man fragt sich dann erst einmal, was genau. Als ich von dem Titel erfuhr, konnte ich mich nicht wirklich freuen, sondern dachte vielmehr “Ach du scheiße!”. Erst als meine Mutter das total toll fand, habe ich mir gedacht: So schlimm ist es ja tatsächlich auch wieder nicht.

chilli: Sie und Ihr Mann werden in den Medien oft als ungleiches Paar beschrieben. Empfinden Sie das genauso?
Ulmen-Fernandes: Was man als Klatschspalten-Leser wissen sollte: Man kennt die Leute nicht, sieht immer nur eine Fassade. Die meisten Menschen der Medienbranche sind ganz anders, als man es erwarten würde. Es gibt Comedians, die starke Antidepressiva nehmen und todtraurige Menschen sind. Oder es gibt unfassbar ängstliche, schüchterne Leute, die auf der Bühne das totale Gegenteil verkörpern. Viele halten das öffentliche Bild für das private. Das ist aber ein riesen Unterschied. Deswegen kann auch niemand beurteilen, ob ich mit meinem Mann zusammenpasse. Aber wenn wir es nicht tun würden, hätten wir auch nicht geheiratet und würden nun kein Kind bekommen.

chilli: Wer nimmt sich künftig Elternzeit?
Ulmen-Fernandes: Man kann nicht pauschal sagen, wer wann wie frei nimmt. Wir werden unsere Kalender natürlich nicht komplett zuhauen, sondern je nach Projekt entscheiden. Dabei kommt es immer darauf an, wie kooperativ die Produktionsfirmen sind. Wir schauen einfach, dass wir das alles irgendwie organisiert bekommen.


chilli: Ein Leben “nur” als Ehefrau und Mutter wäre keine Option für Sie?
Ulmen-Fernandes: Ich glaube, man kann das Muttersein mit dem Job ganz gut vereinbaren. Ich habe das schon bei vielen Schauspielerinnen gesehen. Sogar bei Schauspielerpaaren, wo beide vor der Kamera stehen und trotzdem Kinder haben. Es ist eben einfach alles eine Frage des Zeitmanagements.

chilli: Dürfte Ihr Kind einen ähnlichen Weg wie Sie einschlagen?
Ulmen-Fernandes: Das wird man sehen. Ich werde niemandem etwas aufzwingen. Es kommt darauf an, wo die Interessen liegen und was das Kind möchte. Aber grundsätzlich würde ich es bei allem unterstützen.

chilli: Sie selbst haben fast die Hälfte Ihres Lebens in der Showbranche verbracht. Was haben Sie gelernt?
Ulmen-Fernandes: Dass man niemandem trauen kann. Als ich in die Medienbranche reinkam, gab ich viel für einen Handschlag. Ich ging davon aus, dass sich an Absprachen gehalten wird. Aber bald merkte ich, dass sich in dieser Branche jeder selbst der Nächste ist.

chilli: Sind Sie misstrauisch?
Ulmen-Fernandes: Eigentlich nicht. Ich habe nur speziell in dieser Branche gelernt, dass Leute echt asozial sein können. Aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen.

chilli: Bereuen Sie Ihren Werdegang?
Ulmen-Fernandes: Nein. Ich bin kein Mensch für eine Festanstellung, der jeden Tag das Gleiche macht. Wobei ich mir manchmal schon etwas mehr Beständigkeit wünsche. Ich finde es jedes Mal traurig, wenn man an einem Filmset eine Gruppe von Menschen gefunden hat, mit denen man sich gut versteht, wenn man gerne dorthin fährt, weil man seine Kollegen mag, und von heute auf morgen ist alles wieder vorbei.

chilli: In diesem Jahr werden fünf Filme mit Ihnen veröffentlicht. Haben Sie als ehemalige VIVA-Moderatorin mitunter mit Vorurteilen zu kämpfen?
Ulmen-Fernandes: Das Gute ist: Ich bin nicht die Erste, die auf einmal auf die Idee kommt, Schauspielerin zu werden (lacht). Dadurch, dass Jessica Schwarz und Heike Makatsch gute Vorarbeit geleistet haben, kommen Leute überhaupt erst auf die Idee, einer VIVA-Moderatorin Drehbücher zu schicken. Ich habe es also den Kolleginnen zu verdanken, dass ich das überhaupt machen darf.

chilli: Warum wollten Sie überhaupt versuchen, Schauspielerin zu werden?
Ulmen-Fernandes: Das ging nicht von mir aus. Es kam 2003 ein Drehbuch für den Kinofilm “Nacht der lebenden Loser”, für den halb Deutschland durchgecastet wurde. Überraschenderweise klappte es direkt mit der Hauptrolle. Danach drehte ich hier mal eine Serie, spielte da in einem Krimi mit. Mit der Zeit wurde es immer mehr.


chilli: Sie wurden einst als “Gallionsfigur der Young Generation” beschrieben. Ist das eine Rolle, mit der Sie sich auch identifizieren?
Ulmen-Fernandes: Nun, nicht ich habe mir diese Bezeichnung ausgedacht. Ich habe auch keine Ahnung, welche Bedingungen man dafür erfüllen muss. Ich nehme mir aber nicht heraus, für eine ganze Generation zu sprechen, es geht mir auch nicht darum, ein Vorbild für junge Menschen zu sein. Viele gehen immer davon aus, dass man das plant. So wie jetzt: Es heißt, ich wolle erwachsener werden und nehme deswegen nur noch bestimmte Rollen an. Aber diese Dinge passieren automatisch – wie bei jedem anderen auch. Ich habe mit 19 Jahren angefangen in dieser Branche zu arbeiten. Auch ich werde älter. Statt Teenager spiele ich mittlerweile erwachsene Frauen. Das liegt aber in der Natur der Sache und nicht an einem vermeintlichen Imagewechsel.

chilli: Fühlen Sie sich mittlerweile erwachsen?
Ulmen-Fernandes: Ich werde mich nie richtig erwachsen fühlen. Aber dass ich zu den Erwachsenen gehöre, wurde mir schlagartig bewusst, als ein Kind vor kurzem zu mir sagte: “Ihr Erwachsenen seid alle total doof!”

chilli: Letztes Jahr wurden Sie 30. Hatten Sie Angst vor der Zahl?
Ulmen-Fernandes: Ich hatte einen wunderbaren 30. Geburtstag. Ich war für die Dreharbeiten zu”Toni Costa” auf Mallorca, hatte dort ein wunderschönes Hotelzimmer mit riesiger Dachterrasse. An meinem Geburtstag hatte ich drehfrei, die Produktion brachte mir am Morgen Blumen und Kuchen. Es war total schön, auf diese Art und Weise 30 zu werden – und gerade die weibliche Hauptrolle in einem Krimi zu spielen. Ich fühlte mich einfach rundum wohl, weit weg von jeglicher Geburtstagsdepression. Es hat sich alles irgendwie richtig angefühlt.

chilli: Wie stellten Sie sich vor zehn Jahren Ihr heutiges Leben vor?
Ulmen-Fernandes: Ich hoffte, dass ich dann immer noch in der Branche sein werde. Von den Leuten, die ich damals bei Bravo TV interviewte, gibt es mittlerweile nur noch Sarah Connor und Britney Spears. Alle anderen, wie zum Beispiel die Band Echt, die damals total angesagt war, gibt es inzwischen gar nicht mehr. Das ist schon hart zu sehen, wie schnelllebig das Geschäft ist. Und es macht einem auch Angst.

chilli: Hat man in Ihrer Branche mitunter größere Zukunftsängste?
Ulmen-Fernandes: Das weiß ich nicht. Ich denke, grundsätzlich hat man größere Zukunftsängste, wenn man freiberuflich arbeitet. Eine Festanstellung in dieser Branche heißt aber nicht unbedingt, dass alles sicherer ist. Jede Sendung kann abgesetzt werden, und man steht auf der Straße. Es kann einem immer passieren, dass man aussortiert wird. Dadurch, dass ich schauspielere und moderiere, habe ich aber zum Glück eine größere Auswahl und muss nicht aus einer Zukunftsangst heraus die Moderation einer Sendung annehmen, die ich eigentlich total doof finde.


chilli: Was wäre aus Ihnen geworden, wenn VIVA Ihr Talent nicht erkannt hätte?
Ulmen-Fernandes: Das wäre tragisch geendet. Eigentlich bin ich gelernte Balletttänzerin. 2005 hatte ich eine Knieoperation, saß drei Monate im Rollstuhl. Spätestens dann wäre es vorbei gewesen. Vielleicht hätte ich irgendwann unterrichtet oder eine Tanzschule aufgemacht.

chilli: War das Ihr Lebenstraum?
Ulmen-Fernandes: Absolut! Ich hatte keinen Zweifel daran, dass ich eine klassische Tanzausbildung machen werde. Ich habe es geliebt, bin tagsüber zum regulären Training gegangen und danach zusätzlich auf eine Abendtanzschule. Ich war regelrecht süchtig.

chilli: Was sagten Ihre Eltern zu Ihren Plänen?
Ulmen-Fernandes: Bei der Tanzausbildung waren sie skeptisch. Es war für sie brotlose Kunst. Aber sie wussten, dass ich das unbedingt machen wollte, konnten es mir nicht ausreden. Natürlich unterstützten sie mich, aber stets mit dem Hinweis, dass ich mir etwas überlegen sollte, wenn ich nicht mehr tanze. Nebenbei war ich in einer Kindermodelagentur und ging zu Moderationscastings. Dabei kam ich immer mehrere Runden weiter und schied grundsätzlich als Zweite aus. Wenn es um die Entscheidung ging, ob ich oder das blonde Mädchen die Sendung moderieren soll, haben sie sich immer für die Blondine entschieden. So lief es mehrere Jahre, bis es irgendwann mit Bravo TV klappte. Ansonsten wäre ich heute eine ewig zweitplatzierte Fast-Moderatorin und arbeitslose Balletttänzerin.

chilli: Und die Eltern hätten Recht behalten. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie als Mutter sein werden?
Ulmen-Fernandes: Wahrscheinlich werde ich genauso ängstlich sein wie meine Eltern es waren.

Fotos: Joyce Ilg / ARD Degeto / Caroline Schümer / VIVA