Oh, sind die süß!“, „Guck mal, wie flauschig!“ sind Sätze, die man in einem Museum eher selten hört. Ausnahme ist das Freiburger Museum für Natur und Mensch um die Osterzeit: Seit 25 Jahren wird hier die Ausstellung „Vom Ei zum Küken“ gezeigt. chilli-Redakteurin Tanja Bruckert hat sich mit einem der Hauptakteure unterhalten.

 

chilli: Du lebst in einer Art Kükenversion von „Big Brother“. Stören dich die Zuschauer nicht?
Küken: Nein, gar nicht. Zum Teil kommen Eltern mit ihren Kindern, die schon selbst als Kinder in der Ausstellung waren. Einige meiner Mitbewohner wurden von einer Familie gebracht, die jetzt Hühner halten, weil die Tochter in der Ausstellung beschlossen hat, dass sie unbedingt auch ein Küken will. Viele Menschen bemerken erst durch uns, dass es nicht nur überzüchtete Eierproduzenten gibt, sondern auch so quicklebendige Hühner wie uns. Klar, dass es da bei ein bis drei schlüpfenden Küken am Tag ein ganz schönes Gewusel herrscht.

Kueken

 

chilli: Was unterscheidet dich denn von diesen „Eierproduzenten“?
Küken: Ich leg vielleicht nicht die meisten Eier – das tun wir deutschen Sperber alle nicht –, aber ich bin nicht krankheitsanfällig und ein toller Futtersucher, wenn man mir nur genügend Auslauf gibt. Doch das schätzen die meisten nicht, weshalb ich auf einer roten Liste als gefährdetes Nutztier stehe. Na ja, Hauptsache meine Tierärztin in Oberried weiß mich zu schätzen. Zu ihrem Hof schickt mich Norbert Widemann vom Museum wieder zurück, wenn ich anfange zu flattern. Vielleicht besser so – nicht, dass ich aus Versehen zu den Schlangen fliege. Wir sind schließlich nicht die einzigen eierlegenden Tiere im Museum.

 

chilli: Ihr Küken seid seit vielen Jahren der Publikumsmagnet des Museums. Doch vergangenes Jahr wollten euch nur 17.000 Menschen sehen – 5.000 weniger als im Vorjahr …
Küken: Das wird dieses Jahr ganz anders – schließlich bin ich jetzt dabei! Und was sagen schon Zahlen? Dafür gibt es Besucher, die den ganzen Tag lang da sind, bis sie uns schlüpfen sehen. Das ist doch viel mehr wert …

 

„Vom Ei zum Küken”: 21.2.–12.4.2015

 

Text & Foto: Tanja Bruckert