Kuckucksuhr am Bergweg

 

Für Barbara Riess gehört die Alte Lokhalle zu den Freiburger Lokationen, die jeder gesehen haben sollte. Wohl wahr: Denn hier wird schließlich auch das chilli produziert, das längst ebenso wenig aus Freiburg wegzudenken ist wie die Lokhalle selbst.

 

Das derzeit stark baustellige ehemalige Güterbahnhofsgelände ist einer von 111 Orten, die der Autorin außer einem Besuch auch sorgfältige Recherchen wert waren, bei denen sie viel Erstaunliches herausgefunden hat. Beispielsweise über das dunkle, mit kunstvollen Schnitzereien verzierte Holzhaus, das sich im fast rechten Winkel zwischen Loretto- und Mercystraße an den Berg schmiegt und an eine Kuckucksuhr erinnert.

 

Wer weiß denn schon, dass das Haus eigentlich Chateau Wittmer heißt, dass es eines der ersten Fertighäuser war und dass es 1887 bei der Oberrheinischen Gewerbeschau im heutigen Stadtgarten stand und dann am jetzigen Bergwegle aufgebaut wurde – als Bahnhofsgebäude für die Höllentalbahn, die damals auf der Lorettostraße fuhr.

 

Mit dem Buch können sich alte und neue Freiburger auf die Suche nach den sehr persönlich beschriebenen verwunschenen und skurrilen Orten machen – und unterwegs sicher selbst welche entdecken.

 

111 Orte in Freiburg, die man gesehen haben muss

 

 

 

 

 

Barbara Riess
111 Orte in Freiburg, die man gesehen haben muss
240 Seiten, Taschenbuch
Emon, 2014
14,95 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

So manches Aha-Erlebnis

 

Sind wir doch mal ehrlich: Bei Sexau hat jeder schon an Ferkeleien in hübscher Auenlandschaft gedacht. Doch damit hat der Ortsname nichts zu tun. Oder Biederbach. Sind die Bewohner wirklich so spießig, wie der Name vermuten lässt? Natürlich nicht. Dann noch Scherzingen. Die kleine Gemeinde bei Pfaffenweiler ist zwar im Schnapszahljahr 1111 erstmals urkundlich erwähnt. Doch dass es dort besonders lustig zugeht, ist keineswegs bewiesen.

 

Der Journalist Hans Jürgen Kugler, Jahrgang 1957, klärt in „Von Aftersteg bis Zipfeldobel – Kuriose Ortsnamen in Südbaden“ auf über das Woher, Warum und Wann. Das Büchlein basiert auf einer Serie, die in der Badischen Zeitung erschienen ist. Kugler sammelt und recherchiert sachkundig, geht Mutmaßungen nach, erzählt allerhand Wissenswertes und mitunter auch Vergnügliches.

 

Etwa, dass der hübsche Totenkopf im Kaiserstuhl seinen Namen einem brutalen Spektakel vor über 1000 Jahren verdankt. Oder dass der Name Bleichheim bei Herbolzheim nicht vom Teint der Dorfbewohner oder dem Bleichen von Textilien herrührt, sondern vom althochdeutschen „bleih“, das so viel wie „glänzend“ bedeutet – und wohl das Bächlein meinte.

 

Wer im Freundeskreis beeindrucken will, macht mit Kuglers Buch nichts verkehrt. So manches Aha-Erlebnis ist garantiert. Apropos: Wieso heißt der Ort Aha beim Schluchsee eigentlich so?

 

Von Aftersteg bis Zipfeldobel –  Kuriose Ortsnamen in Südbaden

 

 

 

 

 

Hans Jürgen Kugler
Von Aftersteg bis Zipfeldobel – Kuriose Ortsnamen in Südbaden
128 Seiten, Taschenbuch
Silberburg Verlag, 2015
9,90 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Holbeinpferd und Wiwili

 

Freiburg ist nicht nur grün. Auch an anderen Farben herrscht in dieser Stadt kein Mangel. Da gibt es die blaue Wiwili-Brücke, die über die Bahngleise direkt zur Herz-Jesu-Kirche führt. Da gibt es das rötlich schimmernde, aus Buntsandstein erbaute Münster. Und den Roten Platz in der Beurbarung, auf dem hin und wieder ein Multikulti-Brunnenfest über die Bühne geht.

 

Und dann gibt es da noch ein ursprünglich zierliches Tierchen, das so viele Farbe-wechsle-dich-Spiele hinter sich hat, dass es unter den unzähligen Schichten beinahe schon zum plumpen Klumpen geworden ist. Die Rede ist von der Plastik von Werner Gürtner, die auf dem Platz am Ende der Holbeinstraße steht und eigentlich ein weißes Pferdchen darstellt. In der Dreikönigsnacht 1981 bekam es zum ersten Mal eine neue Identität: Durch ein paar Pinselstriche mit schwarzer Farbe wurde es zum Zebra.

 

Thomas Erle geht in seinem gut geschrieben Buch freilich nicht nur auf die wechselvolle Geschichte des Pferdchens oder den Ursprung des Namens der Wiwili-Brücke ein. Aus den vielen Lieblingsplätzen, die man in Freiburg haben kann, hat er 66 ausgesucht und dazu so viele Informationen gesammelt, dass selbst eine „Eingeborene“ nur noch staunt.

 

Text: Erika Weisser

 

Ausflugstipps & Kurioses: neue Regio-Bücher

 

 

 

 

 

Thomas Erle
Freiburg und die Regio für Kenner
Bächle, Bertold, Buntsandstein
192 Seiten, Taschenbuch
Gmeiner, 2015
14,99 Euro