Die Story ist schnell erzählt. Ein ehemaliger US-Elitesoldat verliert bei einem Anschlag auf ein Flugzeug seine Frau und seinen Sohn. Die Regierung macht nichts, um den Oberterroristen Aziz und seine fanatischen Vasallen zu bestrafen. Also nimmt Dave Collins, ganz der Amerikaner, die Sache selbst in die Hand und rekrutiert eine Gruppe Söldner-Kampfmaschinen für seine private Vergeltungsaktion.

 

Ein neuer Terroranschlag ist geplant, es droht ein Inferno, es wird munter geballert und getötet. So weit, so flach. Don Winslow, den die „Welt am Sonntag“ zum besten Thrillerautor unserer Tage geadelt hat, bleibt mit seinem neuen Roman „Vergeltung“ ganz weit hinter dem zurück, was er in Romanen wie „Tage der Toten“ oder „Zeit des Zorns“ (verfilmt im Originaltitel „Savages“ von Oliver Stone und ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis) bereits an Spannung, Unterhaltung und Lesevergnügen abgeliefert hat.

 

Früher waren Winslows Helden unter der südkalifornischen Sonne Surfer, Slacker, Dealer und kleine oder große Mafiosi. Jetzt sind es hochtechnisierte Ballermänner, die das Töten in allen Facetten beherrschen und zelebrieren. Der Plot ähnelt dem eines gewalttätigen, recht eindimensionalen Videospiels. Er habe ein Buch über die Folgen von 9/11 schreiben wollen, hat Winslow gesagt. Heraus gekommen dabei ist leider nur ein recht billiges Gemetzel.

 

Cover_Vergeltung

 

Don Winslow: Vergeltung

496 Seiten, broschürt

Suhrkamp Verlag 2014

Preis: 14,99 Euro

 

Text: Dominik Bloedner