Blutrünstige Gründerväter

 

Eine Frage vorweg: Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Westernroman“ hören? Vielleicht an Winnetou? Lederstrumpf? Oder gar an G.F. Unger? Wer das Genre spätestens nach dieser Aufzählung für tot erklärt, wird von James Carlos Blake mit seinem neuen Werk eines Besseren belehrt, denn der US-Amerikaner gibt dem abgenudelten Genre neuen Drive.

 

Die Brüder Edward und John machen sich, nachdem sie die Welt von ihrem gewalttätigen Vater befreit haben, auf den Weg nach Westen. Dort erhoffen sie sich – wie so viele Menschen Mitte des 19. Jahrhunderts – nichts weniger als schlicht ein besseres Leben. Im Lauf der Reise erfährt der Leser eindrücklich, was für ein Menschenschlag es wohl war, der damals die USA besiedelt hat. Mörder, Vergewaltiger, Kopfgeldjäger, Zuhälter und Räuber – auch die beiden Protagonisten sind in dem Zusammenhang keine Kinder von Traurigkeit.

 

An fast jeder der 448 Seiten des Romans klebt Blut. Das ist aber kein Grund, das Buch zu lesen. Viel eher fasziniert die so einleuchtende Darstellung einer Gesellschaft, die sich im Lauf der folgenden Jahre zur selbst erklärten Weltpolizei entwickeln wird. Erschreckend erscheint einem zudem die Tatsache, dass man auch für den größten Verbrecher noch Sympathien entwickeln kann.

 

Text: Felix Holm

 

Cover: Das Böse im Blut
Das Böse im Blut
von James Carlos Blake
448 Seiten, gebunden
Liebeskind Verlag 2013
22,00 Euro